Jede Antibiotika-Gabe vorher genau prüfen

„Antibiotic Stewardship“ gegen Krankheitserreger

 

Wiesbaden/Mannheim (15. April 2015) – Etwa jeder vierte Patient im Krankenhaus erhält Antibiotika. Die Medikamente retten Leben, erzeugen aber auch „Resistenzen“ bei den Erregern, die sie bekämpfen sollen. Diese werden dadurch noch schwerer behandelbar. Um „multiresistente Keime“ einzudämmen, arbeiten Kliniken jetzt mit sogenannten „Antibiotic-Stewardship“-Programmen. Diese sorgen für die optimale Antibiotikatherapie des Patienten. Wie ABS die Gabe von Antibiotika um bis zu 40 Prozent senkt und was es darüber hinaus leistet, diskutieren Experten auf dem 121. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Mannheim.


„Viele Patienten nehmen zu viele Antiinfektiva über einen zu langen Zeitraum ein“, sagt Dr. med. Katja de With, Leiterin der Klinischen Infektiologie am Dresdner Universitätsklinikum. „Oder sie bekommen ein Breitspektrum- anstelle eines Schmalspektrum-Antibiotikums, das die Infektion gezielter bekämpfen könnte.“ Das Problem verschärfe sich, wenn es in Kliniken an Fachpersonal mangelt. Aus Kostengründen würden zudem Labortests oft ausgelagert – das verzögert die Behandlung.

Zum ABS-Team gehören ein Infektiologe, ein Fachapotheker, ein Facharzt für Mikrobiologie und der Hygienebeauftragte des Krankenhauses. Pro 500 Krankenhausbetten bedeute dies eine Vollzeitstelle, so de With. „Mindestens einmal im Jahr sollte der Apotheker im Team den Verbrauch an Antiinfektiva erheben, aufgeschlüsselt nach Normal- und Intensivstationen, nach Fachabteilungen und auch nach Präparaten“, erläutert die Mitverfasserin der aktuellen S3-Leitlinie zu rationalem, angemessenem Antibiotikaverbrauch in Krankenhäusern. Insbesondere kleinere und mittelgroße Kliniken profitierten von ABS.

Das ABS-Team berät Klinikkollegen darin, welches, wieviel, wie oft und in welcher Form sie ein Antibiotikum verabreichen sollten. Es legt den Fachabteilungen für die Behandlung bestimmter Erkrankungen bestimmte Antibiotika nahe – und schließt den Griff zu anderen aus. Dafür erstellen die ABS-Fachleute eine Hausliste mit empfohlenen Präparaten und möglichen Ersatzmitteln. „Sowohl die Hausliste als auch der entsprechende Behandlungsleitfaden können von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich sein“ erläutert de With, die auf dem 121. Internistenkongress über das Thema referiert.

Studien zeigen, dass Kliniken mithilfe eines Antibiotic Stewardship 10 bis 40 Prozent weniger Antibiotika verordnen. Damit nehmen oft auch die Resistenzen bei Bakterien und Viren ab. Dass ABS Geld spart, zeigen Beispiele aus anderen Ländern: So wurden in einer Universitätsklinik im US-Staat Maryland über einen Zeitraum von sieben Jahren 400 000 Dollar pro Jahr eingespart; als das ABS-Programm endete, stiegen die Kosten wieder an. In den USA sind ABS-Teams bereits üblich, in den Niederlanden wurden sie kürzlich per Gesetz eingeführt.

Um ABS-Projekte auch in Deutschland voranzutreiben gelte es, Klinikpersonal zu schulen und fortzubilden, beschreibt der DGIM-Vorsitzende Professor Dr. med. Michael Hallek aus Köln. Im Rahmen eines Fortbildungssystems der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie haben sich inzwischen mehr als 300 ABS-Experten fortgebildet. ABS koste zunächst zwar Geld, so Hallek, die Investitionen zahlten sich aber in Zukunft aus – nicht nur kostenmäßig, sondern auch in Lebensqualität und Überleben der Patienten.


 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM), 15.04.2015 (tB).

MEDICAL NEWS

New guidance to prevent the tragedy of unrecognized esophageal intubation
Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…
Suliqua®: In komplexem Umfeld – einfach besser eingestellt
Suliqua®: Überlegene HbA1c-Senkung  im Vergleich zu Mischinsulinanalogon
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…

ERNÄHRUNG

Gesunde Ernährung: „Nicht das Salz und nicht das Fett verteufeln“
Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?

ONKOLOGIE

Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…
Mehr Lebensqualität für onkologische Patient:innen durch bessere Versorgung: Supportivtherapie, Präzisionsonkologie,…
WHO veröffentlicht erste Klassifikation von Tumoren im Kindesalter
Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Analysen aus Münster erhärten Verdacht gegen das Epstein-Barr-Virus
Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…