Jeder zweite Pflegende im Dauerstress:

Wer kranke Angehörige betreut, darf die eigene Gesundheit nicht vergessen

Hamburg (3. Juni 2009) – Über zwei Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Fast die Hälfte von ihnen wird ausschließlich von den eigenen Angehörigen zu Hause versorgt. Wie sehr dies die Laienpfleger belastet, zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage in Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Dort gab fast jeder zweite pflegende Angehörige an, dass ihn die Aufgabe an den Rand eines Burnouts bringt. Sie bestimmt oft ihr ganzes Leben und ist unter den Pflegenden Stressfaktor Nummer eins.

Um ihnen so lange wie möglich das Zuhause zu erhalten, betreuen Eltern ihre schwerkranken Kinder, pflegen Kinder ihre Eltern und Eheleute ihre Partner – manchmal rund um die Uhr, ohne Feiertag oder Urlaub. "Die Pflege ist eine anstrengende Arbeit, bei der viele Angehörige an ihre Grenzen geraten, sich selbst überfordern und ihre Gesundheit vernachlässigen", sagt TK-Pflegeexpertin Marina Mücke. Den Tribut zahlen sie auch körperlich: So leiden sechs von zehn Pflegenden laut der TK-Studie unter Rückenschmerzen, jeder Fünfte unter Herz-Kreislauf-Beschwerden. Ein Viertel der Pflegenden schläft schlecht und vielen drückt die Last auch auf den Magen. Fast jeder Fünfte gab dies an.

"Wer einen Angehörigen pflegt, sollte von vornherein darauf achten, sich nicht zu übernehmen – ohne Pausen ist die Mammut-Aufgabe kaum zu bewältigen", sagt Mücke. Sie rät, sich feste Freiräume zu schaffen, um neue Kraft zu schöpfen. Häufig reiche schon ein regelmäßiger freier Nachmittag oder Abend. "Das ist nicht nur für den Pflegenden wichtig – indirekt helfen die Auszeiten auch dem betreuten Angehörigen. Wer sich gestresst und überlastet fühlt, ist unausgeglichen, unzufrieden und reagiert schnell aggressiv", sagt die Pflegexpertin. Das bestätigt auch die TK-Studie: Jeder dritte Pflegende gab darin an, sich ständig nervös und gereizt zu fühlen. "Für eine gewisse Zeit kann man das vielleicht noch unterdrücken. Aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man einfach nicht mehr kann", so Mücke. Damit es erst gar nicht so weit kommt, sei es wichtig, sich rechtzeitig Hilfe zu holen.

Können Verwandte, Freunde oder Nachbarn nicht einspringen, verhilft ein ambulanter Pflegedienst zu einer Verschnaufpause. "Was viele nicht wissen: Auch eine Pflegender kann sich eine Auszeit nehmen – zum Beispiel für einen Urlaub", so Mücke. Diese so genannte Ersatzpflege ist für bis zu 28 Tagen im Jahr möglich, die Pflegeversicherung übernimmt dafür bis zu 1.470 Euro.

Zum Hintergrund

Der bevölkerungsrepräsentative "Kundenkompass Stress" ist in Zusammenarbeit der TK mit dem F.A.Z.-Institut und Forsa entstanden. Die kompletten Studienergebnisse gibt es im Internet unter www.presse.tk-online.de Dort kann auch der dazugehörige Stress-Medienservice heruntergeladen werden.


Quelle: Presseinformation der Techniker Krankenkasse vom 03.06.2009 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung