Julius Kühn-Institut legt aktuelle Übersicht zur Ambrosia-Verbreitung in Deutschland vor

Bitte an die Bevölkerung, Fundorte zu melden und Pflanzen zu beseitigen.

Blütenstand der Beifuß-Ambrosie. Photo: Starfinger/Julius Kühn-Institut 

Braunschweig (30. Juli 2008) – Jetzt im August beginnt die Blütezeit der unscheinbaren Beifußambrosie, Ambrosia artemisiifolia. Allergiker fürchten die aus Nordamerika stammende Pflanze zu Recht, denn schon geringe Pollen-Konzentrationen (5-10 Pollen pro Kubikmeter Luft) können einen allergischen Anfall auslösen: brennende Augen, gereizte Schleimhäute sowie Niesanfälle sind die Folge. Die Pflanze wird oft durch verunreinigtes Vogelfutter in Privatgärten eingeschleppt. Um der weiteren Ausbreitung der Allergiepflanze entgegenzutreten, unternehmen Bund und Länder vereinte Anstrengungen. Das Julius Kühn-Institut (JKI) – Bundesforschungs-Institut für Kulturpflanzen (ehemals BBA) koordiniert das nationale Aktionsprogramm Ambrosia seit 2006. Nach ersten bundesweiten Erfassungsaktionen im Jahr 2007 liegt nun eine Übersichtskarte über Vorkommen und Verbreitung der Beifußambrosie in Deutschland vor.


"Dafür wurden die von verschiedenen Organisationen gesammelten Fundortdaten an das JKI gemeldet oder in Form von Tabellen oder Erfassungsbögen übergeben", berichtet Koordinator Dr. Uwe Starfinger. Ein Teil der Fundmeldungen ging direkt bei dem Wissenschaftler vom Julius Kühn-Institut ein oder wurde über das Formularsystem der Internetseite www.jki.bund.de/ambrosia eingegeben. "Ohne die Mithilfe der Pflanzenschutzdienste und Umweltbehörden in den Bundesländern sowie die agrarmeteorologischen Beobachter des Deutschen Wetterdienstes wäre diese Karte nicht zustande gekommen", betont Starfinger. Doch auch den Medien und nicht zuletzt den aufgeklärten Bürgern kommt eine wichtige Rolle im Kampf gegen die unliebsame Pflanze zu.

"Bis auf einige Autobahnrandstreifen handelt es sich bei den Ambrosiafunden um begrenzte Einzelbestände, die oft von wachsamen Spaziergängern oder Gartenbesitzern entdeckt wurden", sagt Starfinger. Große Bestände mit über > 100 Pflanzen gibt es vor allem im Süden und in Städten. Eine Ausnahme bildet die südwestliche Niederlausitz in Brandenburg (Gebiet um Calau und Drebkau). Hier kommt Ambrosia großflächig vor und tritt auch in landwirtschaftlichen Kulturen auf.

"Durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist die Gefahr durch die Ausbreitung der Pflanze vielen Menschen bekannt geworden", zieht Starfinger Bilanz. So wurden viele Pflanzen ausgerissen oder anders vernichtet. In gut der Hälfte (52 %) der Fälle in der JKI-Datenbank hatten die Meldenden selbst die Pflanzen beseitigt. Die erfassten Bestände wurden zu 64 % in Gärten oder Parks gefunden. In 14 % der Fälle handelte es sich um so genannte Ruderalflächen, z. B. nicht bewirtschaftete Wegränder. 55 % der Meldenden gaben an, die Pflanze sei höchstwahrscheinlich durch verunreinigtes Vogelfutter eingeschleppt worden. "Diese Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, die Bevölkerung über den Einschleppungsweg und über die Pflanze selbst aufzuklären", so Starfinger.

Karte der Fundortmeldungen 2007. Quelle: Julius Kühn-Institut

       Karte der Fundortmeldungen 2007.                                          Quelle: Julius Kühn-Institut

 

 

 

Das JKI empfiehlt, Ambrosia vor der Blüte auszureißen und über den Hausmüll zu entsorgen. Vögel sollten möglichst mit Ambrosia-freiem Futter gefüttert und die Futterstellen sollten kontrolliert werden. Während der Blüte, die bis in den Oktober andauert, sollten Allergiker die Arbeiten nicht selbst durchführen. Handschuhe und Staubmaske sind angemessene Schutzmaßnahmen. "Die Meldungen an die JKI-Datenbank und viele direkte Telefon- und E-Mail-Kontakte zeigen, dass die Bürgerinnen und Bürger unseren Empfehlungen folgen", freut sich Starfinger. Entgegen anderslautenden Meinungen ist die Allergiegefahr der Pflanzen ernst zu nehmen. Das Aktionsprogramm wird fortgesetzt.

Doch nicht nur zahlreiche Einzelpflanzen sind im letzten Jahr bekämpft worden. Die Projektgruppe Biodiversität hatte im Auftrag des JKI Daten zur Bekämpfung von im Jahr 2006 gemeldeten großen Beständen erhoben. Dabei zeigte sich, dass sich die Ambrosie grundsätzlich zurückdrängen lässt. Da jedoch bei länger bestehenden großen Vorkommen immer auch Samen im Boden verbleiben, müssen solche Flächen auch in den Folgejahren immer wieder kontrolliert und Bekämpfungsmaßnahmen ggf. wiederholt werden.

Hintergrundinformation zum bundesweiten Aktionsprogramm
Eine vom Julius Kühn-Institut (damals noch Biologische Bundesanstalt/BBA) begründete interdisziplinäre Arbeitsgruppe hatte Ende 2006 ein Aktionsprogramm beschlossen, mit dem die weitere Ausbreitung der Ambrosia artemisiifolia in Deutschland gestoppt werden sollte. Das Aktionsprogramm ist seit 2007 ein zentraler Handlungsschwerpunkt im "Aktionsplan gegen Allergien" des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Ziel ist es Allergien zurückzudrängen und den Alltag von Allergikern zu erleichtern.

Aktionsprogramm mit drei Säulen

  • deutschlandweites Monitoring zur besseren Kenntnis der tatsächlichen Verbreitung
  • Maßnahmen, um weitere Ein- und Verschleppung von Ambrosiasamen zu verhindern und existierende Pflanzen-Bestände zu bekämpfen
  • die Information von Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit.

 

Das Aktionsprogramm wird vom JKI für die interdisziplinäre Arbeitsgruppe koordiniert und mit den Mitgliedern auf jährlichen Treffen abgestimmt. Das JKI ist auch Ansprechpartner für die Beratungsstellen der Länder.

In Bayern wird seit 2007 ein umfangreiches Aktionsprogramm Ambrosiabekämpfung vom Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz koordiniert, dabei wurden 69 große Bestände erfasst. Der überwiegende Teil dieser Bestände wurde 2007 durch Eigentümer oder zuständige Behörden bekämpft

In Baden Württemberg wird ein Aktionsprogramm von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz koordiniert.

In Nordrhein-Westfalen wird das Programm von LWK und LANUV koordiniert.

Alle genannten Länder haben Meldestellen für Ambrosia-Funde eingerichtet und betreiben Öffentlichkeitsarbeit als Teil ihrer Programme. Mehrere haben dazu ein eigenes Faltblatt hergestellt (auch Hessen).

Länderübergreifend hat das BfN die Naturschutzbehörden informiert und zu Vorkommen befragt. Die Ergebnisse wurden kürzlich veröffentlicht. Der Deutsche Wetterdienst hat seine agrarmeteorologischen Beobachter gebeten, Funde mitzuteilen. Alle Funddatensammlungen haben Zusatzinformationen in Anlehnung an den Erfassungsbogen des JKI erfragt (z. B. Bestandsgröße, Biotoptyp etc.).


Quelle: Pressemitteilung des Julius Kühn-Instituts vom 30.07.2008 (tB).

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