Keine Diagnose ohne Therapie

Therapie mit Memantin bei moderater bis schwerer Alzheimer-Demenz in Leitlinien der Fachgesellschaften empfohlen

 

Mannheim (23. September 2010) – Eine frühe und individuelle Diagnose sowie eine rechtzeitige Therapie können dem Alzheimer-Patienten seine Lebensqualität und Selbständigkeit im Alltag möglichst lange erhalten und nicht zuletzt auch die Angehörigen entlasten. So das Fazit einer Veranstaltung der Firma Lundbeck im Rahmen der „Neurowoche" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie am 23. September in Mannheim. Doch eine leitliniengerechte Diagnose und Therapie sind immer noch nicht selbstverständlich. Kurz vor Beginn des Kongresses veröffentlichte Daten des DGN belegen, dass nur 10 % der Patienten nach modernen Standards diagnostiziert werden.(1) Wiederum nur 60 % erhalten nach der Diagnosestellung eine leitliniengerechte Behandlung, so Prof. Matthias Riepe, Leiter Sektion Gerontopsychiatrie der Universität Ulm und Chefarzt der Abteilung Gerontopsychiatrie am Bezirkskrankenhaus Günzburg.

 

Alzheimer-Experten und relevante Fachgesellschaften fordern jedoch neben einer frühen Diagnose eine entsprechende Therapie, z.B. mit Memantin bei moderater bis schwerer Alzheimer-Demenz, dessen Nutzen sowohl durch die Empfehlung in der S3-Leitlinie „Demenzen" als auch in der neuen Leitlinie der EFNS bestätigt wird. Oft wird die Alzheimer-Demenz erst im moderaten Stadium diagnostiziert. Eine direkt nach der Diagnose eingesetzte Therapie mit Memantin verlangsamt die Progression der Krankheit und verzögert die Beeinträchtigung von Alltagsaktivitäten. Memantin ist für moderate bis schwere Alzheimer‑Demenz zugelassen und uneingeschränkt erstattungsfähig. Professor Riepe argumentiert zudem aus seinen Erfahrungen in Forschung und Praxis: „In allen Altersgruppen greift die Therapie mit Memantin. Es besteht kein rationalmedizinischer Grund, dem Patienten diese Behandlungsoption vorzuenthalten."

 

Die aktuelle S3-Leitlinie „Demenzen" empfiehlt eine frühe Diagnose und fordert dabei vor allem eine ätiologische Differentialdiagnostik. „Sie soll die Identifikation von nicht­degenerativen bzw. nicht-vaskulären Ursachen eines Demenzsyndroms ermöglichen, um hier ggf. spezielle Therapien einzuleiten."(2) Jedoch werden nach wie vor die in der Leitlinie empfohlenen Untersuchungsmethoden in auffallend geringem Umfang angewandt, weiß Professor Matthias Riepe zu berichten. Dazu gehören u.a. Bildgebungsverfahren zum Ausschluss von Tumoren oder Hirnblutungen als Ursache für Kognitionsstörungen.

 

Gegenwärtig besteht die Diagnose noch in der Syndromdiagnose einer Demenz, mit Übersichtsscreenings und eher komplexer Skalenverfahren. Es stehe jedoch eine Wandlung der Diagnostik hin zu mehr Einfachheit und Rationalität bevor. Bald werde nicht mehr eine Alzheimer-Demenz diagnostiziert, sondern eine Alzheimer-Erkrankung mit einem dementiellen Syndrom. Die Demenz erscheine damit als Komplikation der Erkrankung, wie z.B. auch bei der Parkinson-Erkrankung oder einer Chorea Huntington. Professor Riepe rechnet demnach mit einem Wandel der Sicht auf die Krankheit, die sich nicht mehr nur auf das Syndrom der Demenz beschränkt, sondern dieses vielmehr als Teil einer komplexen Erkrankung ansieht.

 

 

Individuelle Betrachtung der Symptome nötig

 

Ein Problem, weshalb sich dieses Krankheitsverständnis noch nicht durchgesetzt hat, sieht Professor Riepe unter anderem in der fehlenden individuellen Bewertung der Symptome. So haben z.B. Untersuchungen gezeigt, dass bei Frauen besonders die verbale Leistungsfähigkeit abnimmt, während sich die Defizite bei Männern vor allem auf den nonverbalen Bereich fokussieren. Diese Erkenntnis wird im Alltag jedoch nicht mit in die Krankheitsbewertung einbezogen, die Patienten werden geschlechtsunabhängig betrachtet und somit in pauschale Krankheitsstadien eingeteilt. Des Weiteren kritisierte Professor Riepe die isolierte Betrachtung von Testergebnissen, z.B. des Mini Mental Status-Tests (MMST). Der Test kann vor allem Aufschluss über den Zustand des Patienten geben, wenn dessen Ergebnisse im Kontext mit weiteren Untersuchungsergebnissen des Diagnoseverfahrens gesehen werden. Ein solches Einzelergebnis als absolut anzusehen, sei allerdings nicht nur problematisch, so Professor Riepe, es sei wissenschaftlich nicht haltbar.

 

Diese Pauschalisierung von Testergebnissen betrifft auch die verschiedenen Skaleninterpretationen, die sehr unterschiedliche Bewertungsmethoden darstellen. So differieren dabei die Ergebnisse sehr stark und können nicht direkt miteinander verglichen werden. Dennoch werden sie miteinander verglichen und z.B. zur Nutzenbewertung von medikamentösen Therapien verwendet.

 

 

Memantin weiterhin uneingeschränkt erstattungsfähig

 

„Die Beanspruchung des Begriffs „Nutzen" ist nicht von Effektstärken und differierenden Skalen abzuleiten", argumentierte Riepe im Hinblick auf die Bewertung des Patientennutzens von Memantin. Nach seiner Erfahrung wirkt der NMDA-Rezeptorantagonist positiv auf den Erhalt der Alltagsaktivitäten und damit auch auf Selbständigkeit und Lebensqualität des Patienten. Der Pflegeaufwand beim Einsatz von Memantin ist geringer.(3) Angehörige werden entlastet, aber auch Kosten können eingespart werden, da der Patient länger im häuslichen Umfeld verbleiben kann, anstatt in ein Pflegeheim eingewiesen werden zu müssen. Responderanalysen der europäischen Zulassungsbehörde EMA, in denen die patientenrelevanten Bereiche Alltagsaktivität, Kognition und klinischer Gesamteindruck zusammengefasst sind, bestätigen ebenfalls die Wirksamkeit von Memantin bei der Verzögerung des Krankheitsverlaufs,(4) die auch durch entsprechende Studien belegt wurde und die Grundlage der Empfehlung in internationalen Leitlinien und Fachgesellschaften sind. „Anwendungsbeobachtungen mit 10.627 Patienten haben gezeigt, dass sich durch den Einsatz von Memantin bei ca. 80 % der Patienten innerhalb von drei und sechs Monaten die Kognition verbesserte oder stabilisierte"(5), führte Professor Riepe aus. Damit konnte der zeitliche Pflegeaufwand für die Angehörigen signifikant reduziert werden. „Die Pflege eines Alzheimer-Patienten ist nicht selten ein Vollzeitjob, der bei einem Viertel der Angehörigen zu schweren psychischen Belastungen bis hin zu Depressionen führen kann", ergänzte Riepe. Eine Reduktion des täglichen Pflegeaufwandes bedeutet eine große Entlastung und kann solche Folgeerkrankungen verhindern.

 

Eine Einschränkung der Erstattungsfähigkeit im Bereich der moderaten Alzheimer-Demenz, die vom G-BA in einem Stellungnahmeverfahren derzeit zur Diskussion gestellt wird, kritisiert Professor Riepe neben medizinischen und wissenschaftlichen Aspekten auch deshalb, da diese allein in Deutschland erfolgen würde. In anderen Ländern, in denen Memantin zur Behandlung der moderaten bis schweren Alzheimer-Demenz zugelassen ist, seien keine Bedenken gegenüber dem Nutzen des Medikaments angemeldet worden. Darüber hinaus bestätigen alle relevanten Fachgesellschaften in den nationalen als auch internationalen Leitlinien ausdrücklich die Wirksamkeit von Memantin auf Kognition, Alltagsfunktion und klinischen Gesamteindruck, unter anderen auch die aktuell veröffentlichte internationale EFNS-Guideline.(6)

 

 

Über Lundbeck

 

Lundbeck ist ein international tätiges Pharmaunternehmen, das 1915 in Dänemark gegründet wurde und heute ca. 5.500 Mitarbeiter in über 55 Ländern beschäftigt. Der deutsche Firmensitz ist in Hamburg. Das „Unternehmen ZNS" hat sich auf die Entwicklung und den Vertrieb innovativer Medikamente zur Behandlung von psychischen und neurologischen Erkrankungen spezialisiert, unter anderem Ebixa® (Memantin) zur Therapie moderater bis schwerer Alzheimer‑Demenz.

 

 

Anmerkungen

 

  1. Nach einer Meldung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) zum DGN-Kongress vom 21.-25.9.2010 in Mannheim.
  2. S3-Leitlinie „Demenzen" (2009) in: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.): S3-Praxisleitlinien in Psychiatrie und Psychotherapie. Diagnose- und Behandlungsleitlinie Demenz (Springer).
  3. Wimo A et al. (2003) Resource Utilisation and Cost Analysis of Memantine in Patients with Moderate to Severe Alzheimer’s Disease. Pharmacoecon 21(5): 327-340
  4. Wilkinson D, Andersen H (2007) Analysis of the Effect of Memantine in Reducing the Worsening of Clinical Symptoms in Patients with Moderate to Severe Alzheimer’s Disease, Dement Geriatr Cogn Disord 24: 138-145
  5. Riepe M et al.(2010): Memantine for Alzheimers disease in routine clinical practice: a meta-analysis of observational studies, Poster presented at UNS Congress 2010
  6. European Federation of Neurological Societies (UNS): Hort, J. et al: UNS guidelines for the diagnosis and management of Alzheimer’s disease, European Journal of Neurology 2010, 17: 1236-1248

 

 

Quelle: „Meet the expert“ der Firma Lundbeck – „Diagnose Alzheimer-Demenz: Ändert sich etwas für den Patienten? Das Recht auf frühe Diagnose und Therapie“ am 23.09.2010 in Mannheim (Hering Schuppener Healthcare) (tB).

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