DGHO Vorsitzender beruhigt:

Keine Steigerung des Krebsrisikos durch Insulin Lantus

 

Berlin (15. Juli 2009) – Der Vorsitzende der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V. Prof. Gerhard Ehninger hat im Zusammenhang mit Berichten über ein möglicherweise erhöhtes Krebsrisiko durch das künstliche Insulin Lantus (Inhaltsstoff Glargin) vor Panikmache gewarnt. „Patienten, die damit behandelt werden, können sicher sein und sollten unbedingt dabei bleiben“, sagte der Internist und Onkologe. Eine Umstellung berge große Risiken, warnte Ehninger in Berlin und kritisierte den Mitautor der deutschen Studie, Prof. Peter Sawicki, als "Taschentrick-Spieler".

 

Sawicki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), bediene sich eines „üblen Taschenspielertricks“, um seine Verteufelung eines Medikamentes zu untermauern. Das IQWiG spricht sich seit Jahren gegen künstliche Insuline aus, die auch teurer sind als Humaninsulin. „Sawicki vergleicht, gestützt auf Versichertendaten, aber in einer neuen Untersuchung Äpfel mit Birnen", so Ehninger. Bei den Zusammenstellungen könne er nicht angeben, welcher Diabetestyp vorliege. Wichtige Angaben zu Krebsrisikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen, Diabetes-Dauer und innere Insulinproduktion werden ebenfalls vermisst. „Als Sawicki die Daten beider Gruppen vergleicht, stellt sich heraus, dass die Lantus-Gruppe sogar ein geringeres Krebsrisiko hat und die Sterblichkeit um 30 Prozent geringer ist.“ Dann habe er die Werte willkürlich geändert und „frisiert". „Er hat die Daten durch falsch angewendete mathematische Methoden so verändert, dass aus einem verminderten ein erhöhtes Krebsrisiko wird.“

 

„Insulin braucht jede Zelle, auch die Tumorzelle“, erklärte Prof. Ehninger. Diabetiker hätten insgesamt im Vergleich zu Gesunden ein höheres Krebsrisiko. Die Ursache hierfür sei letztlich nicht geklärt. Ernährungsgewohnheiten, Übergewicht und eine über längere Zeit erhöhte eigene Insulinproduktion werden als Erklärungsversuche herangezogen. Nach unseren heutigen Erkenntnissen liege dies aber nicht an einer zusätzlichen Therapie mit Insulinen.

 

Die amerikanische Arzneimittelzulassungs-Behörde FDA stufte die Beobachtungszeit der Studie von Sawicki zudem als zu kurz für eine relevante Aussage ein. „Die Ergebnisse sind verwirrend, man muss davon ausgehen und bezweifeln, dass ein wirklicher Zusammenhang zwischen Lantus-Insulin und Krebsentstehung besteht“, zitierte Ehninger die Behörde. „Für mich ist das ein Lehrbeispiel, wie man Daten so lange bearbeitet und knetet, bis das gewünschte Ergebnis herauskommt.“ Damit werde der Krebs instrumentalisiert, um ein Medikament zu diskreditieren.

 

Ehninger wirft Sawicki vor, Patienten durch seine Veröffentlichungen zu verwirren und lebensbedrohliche Umstellungen auf andere Medikamente zu riskieren. „Die Patienten sind verunsichert und machen hektisch Umstellungen auf andere Insuline“, kritisierte er. Sie würden vor einem Medikament wegrennen, das nach seinen Analysen sogar hinsichtlich der Lebenserwartung besser sei. „Mir sind Fälle bekannt, bei denen Menschen in lebensbedrohliche Schockzustände gekommen sind.“ Lantus habe gegenüber anderen Insulinen den Vorteil, das Risiko lebensbedrohlicher Unterzuckerungen zu reduzieren. „Für Panik gibt es keinen Grund“, appellierte der renommierte Mediziner.

 

Auch deutsche Diabetesexperten seien empört über diese missbräuchliche Verwendung epidemiologischer Daten und deren Fehlinterpretation. Lantus werde von vielen Diabetesärzten bevorzugt, weil es weniger lebensbedrohliche Unterzuckerungen auslöse, vor allem bei Ältern, die diese nicht spürten. „Hier wird eine öffentliche Panikmache ausgelöst, die wissenschaftlich unbegründet ist.“

 

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Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V. vom 15.07.2009.

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