Keratolyse bei Psoriasis und anderen schuppigen Hauterkrankungen

Neue Studie: Physikalisches Wirkprinzip ist Salicylsäure überlegen

 

Berlin (17. März 2015) – Es wirkt genauso effektiv, aber schneller. Es ist ergiebiger und hat eine größere therapeutische Breite als Salicylsäure: Das neue LOYON®, eine Kombination aus einem Trockenemolliens und Dimeticonen, entfernt Hautschuppen bei Kopfhaut-Psoriasis physikalisch. In einer aktuellen, verblindeten, randomisierten, klinischen Studie an 90 Patienten mit Psoriasis capitis entschuppte LOYON® genauso gut wie 10% Salicylsäure. Eine weitere Studie dokumentierte, dass LOYON® bei Milchschorf effektiv ist. Dieses Fazit zogen die Experten auf dem Mittagsseminar „Salicylsäurefreie Keratolyse: Aktuelle Studiendaten zu einem neuen Medizinprodukt“ anlässlich der 19. Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie am 17. März 2015 in Berlin.


Keratolyse ist bei Psoriasis meist unabdingbar: Sie entfernt lästige Schuppen, verbessert die Hydratation der Haut und stellt die Hautbarriere wieder her. Sie ist aber auch Voraussetzung dafür, dass topisch applizierbare, antientzündliche Wirkstoffe besser resorbiert werden können und eine Therapie mit UV-Licht überhaupt wirken kann, so Dr. Arnd Jacobi (Hamburg). Bisherige Behandlungsmöglichkeiten haben ihre Tücken: Harnstoff kann Hautirritationen und leichtes Brennen verursachen. Bei topischen Salicylsäurezubereitungen drohen chronische oder akute systemische Intoxikationen – vor allem bei langfristiger Behandlung großflächiger Körperareale oder bei Patienten mit eingeschränkter Leber- bzw. Nierenfunktion.

 

 

Neues Therapiekonzept LOYON®

 

Als neues Keratolytikum steht seit Kurzem die Kombination aus dem Trockenemolliens Dicaprylyl Carbonat  und Dimeticonen (LOYON®) zur Verfügung. Aufgrund der besonderen Kriech- und Spreiteigenschaften der Lösung, die eine nur sehr niedrige Oberflächenspannung hat, fließt sie unter die Schuppen und Krusten der Haut, breitet sich zwischen den interzellulären Spalten der Korneozyten aus und löst sie von der darunterliegenden Hautschicht ab. Durch die schonende physikalische Entfernung werden die sonst bei der mechanischen Ablösung häufig auftretenden blutigen Abrisspunkte vermieden. Das Medizinprodukt enthält keine pharmakologisch aktiven Inhaltsstoffe und Hilfsstoffe, das Allergiepotential ist entsprechend gering, die Verträglichkeit sehr hoch. Die Applikation auf die Haut ist einfach, per Pipette oder Sprühkopf. Besonders angenehm: Das neue Präparat brennt, klebt und riecht nicht –  ein Vorteil bei Kopfhaut-Psoriasis.

 

 

Vielversprechende klinische Daten

 

Jetzt zeigte eine Vergleichsuntersuchung am Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf (UKE) an 90 Patienten mit Psoriasis capitis, die entweder mit LOYON® oder mit 10% Salicylsäure behandelt worden sind: Patienten mit Kopfhaut-Psoriasis sprechen auf beide Behandlungsmöglichkeiten gleich gut an: Unter LOYON® und auch unter dem bisherigen Standard kam es zu einer gleichwertigen, statistisch signifikanten Abschuppung. Dabei wirkt LOYON® deutlich schneller als das Vergleichspräparat: Nach drei Tagen Behandlung reduzierte sich der Psoriasis Scalp Severity Index, ein Summenscore aus Schuppung, Erythem und Infiltration, unter LOYON® deutlich ausgeprägter als unter Salicylsäure-Therapie (Relative Reduktion: LOYON® 25%, Salicylsäure 14%).

 

 

Physikalische Keratolyse mit größerer therapeutischer Breite

 

Dazu hat das Trockenemolliens-Dimeticon-Gemisch eine deutlich größere therapeutische Breite als der bisherige Standard, weil es auch für Kinder, Schwangere und Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion geeignet ist. Und: Das neue Präparat ist deutlich ergiebiger: Der Verbrauch von Salicylsäure war mehr als doppelt so hoch wie der von LOYON®. Die Ergiebigkeit und auch die schnelle Wirkung  fördern die Adhärenz und Compliance von LOYON®-Patienten, so Prof. Dr. Matthias Augustin, der die Studienergebnisse auf der Pressekonferenz vorstellte.

 

Auch bei Milchschorf bewies das physikalische Behandlungskonzept seine Effektivität: In einer Pilotstudie an Kindern mit Milchschorf konnte das neue Präparat bei 80 Prozent der Studienteilnehmer einen Behandlungserfolg erzielen.(1)

 

Fazit: Das neue physikalisch wirksame Keratolytikum LOYON® ist klinisch genauso effektiv wie 10% Salicylsäure; es wirkt aber schneller – und ist weitaus besser verträglich. Deshalb ist es auch für Kinder, Schwangere und Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion geeignet.

 

 

Quelle 

  1. Hengge UR: Topical, Non-Medicated LOYON® in Facilitating the Removal of Scaling in Infants and Children with Cradle Cap: A Proof-of-Concept Pilot Study. Dermatol Ther, 2014; 4(2):221-32

 


Quelle: Pohl Boskamp, 17.03.2015 (tB).

MEDICAL NEWS

New guidance to prevent the tragedy of unrecognized esophageal intubation
Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…
Suliqua®: In komplexem Umfeld – einfach besser eingestellt
Suliqua®: Überlegene HbA1c-Senkung  im Vergleich zu Mischinsulinanalogon
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…

ERNÄHRUNG

Gesunde Ernährung: „Nicht das Salz und nicht das Fett verteufeln“
Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?

ONKOLOGIE

Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…
Mehr Lebensqualität für onkologische Patient:innen durch bessere Versorgung: Supportivtherapie, Präzisionsonkologie,…
WHO veröffentlicht erste Klassifikation von Tumoren im Kindesalter
Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Analysen aus Münster erhärten Verdacht gegen das Epstein-Barr-Virus
Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…