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Kinder schützen durch Stärkung der Eltern

 

Paderborn (26. März 2015) – Mit den Risiken von Missbrauch, Misshandlung und Vernachlässigung für die Entwicklung und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen haben sich auf der Fachtagung „Kinder schützen durch Stärkung der Eltern“ über 150 Fachleute intensiv auseinandergesetzt. Die Experten kamen aus den Bereichen der Frühen Hilfen, Kindertagesstätten, Erwachsenen- und Kinder-/Jugendpsychiatrien, Erziehungsberatung, Suchtberatung, Existenzunterstützenden Hilfen und den Diensten der öffentlichen und freien Jugendhilfe. Die Veranstaltung wurde durchgeführt vom Institut für Gesundheitsforschung und Soziale Psychiatrie der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Paderborn, und dem Caritasverband für das Erzbistum Paderborn e.V.


Prof. Dr. Albert Lenz, Professor für Klinische Psychologie und Sozialpsychologie an der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Paderborn, stellte in seinem Vortrag die weitreichenden gesundheitlichen Folgen von Kindeswohlgefährdungen dar: Neben psychischen Störungen, wie posttraumatischen Belastungsstörungen, Anpassungsstörungen, Suizidgedanken, Suizidversuchen, Depressionen, antisozialem Verhalten und Substanzkonsum, treten bei den betroffenen Kindern vermehrt somatische Beschwerden auf. Hierzu gehören zum Beispiel Diabetes oder Herzkrankheiten. Lenz machte deutlich, dass die Folgen von Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung bis ins Erwachsenenalter hineinreichen: „60 bis 80% der Menschen mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung waren in ihrer Kindheit Opfer traumatischer Lebenserfahrungen wie sexualisierter Gewalt, schwerer physischer Gewalt oder Vernachlässigung“, so der Experte. Diese Kurzzeit- und Langzeitfolgen kindeswohlgefährdenden Elternverhaltens stellen aufgrund der hohen Kosten auch ein gesamtgesellschaftliches Problem dar: In Deutschland werden die Kosten auf jährlich 11 bis 29 Milliarden Euro geschätzt.

Fokus der Veranstaltung lag insbesondere auf den Eltern mit einer psychischen Erkrankung, Suchterkrankung und von Armut betroffenen Eltern. „Die Lebensumstände dieser Eltern sind oftmals sehr belastend und überfordernd. Vielfach fällt es den Eltern schwer, diese Belastungen und die damit einhergehenden Emotionen adäquat zu bewältigen. Dies ist ein Grund, warum diese Eltern eine besondere Risikogruppe für Kindeswohlgefährdungen darstellen“, hebt Lenz hervor. In mehreren Workshops wurden daher am Nachmittag die besonderen Herausforderungen in der Arbeit mit diesen Zielgruppen aus dem Blickwinkel verschiedener Handlungsfelder beleuchtet.

„Da Kinder in den ersten fünf Lebensjahren besonders gefährdet sind, muss Prävention möglichst früh greifen“, so das einstimmige Votum der Fachkräfte. Hier setzt das Projekt „Kinder schützen durch Stärkung der Eltern“ an, das zurzeit von der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Paderborn, und dem Caritasverband für das Erzbistum Paderborn e.V. durchgeführt wird und Anlass zur Ausrichtung der Fachtagung war. Das Projekt wird gefördert durch den Sonderfonds für spezifisch-armutsorientierte Dienste der Caritas mit Mitteln vom Erzbistum Paderborn. Die Projektleitung liegt in den Händen von Paul Krane-Naumann (Diözesan-Caritasverband Paderborn e.V.) und Prof. Dr. Albert Lenz (Katholische Hochschule NRW, Abt. Paderborn). Das Projektteam aus Wissenschaftlern und Praktikern der Beratenden Dienste und Frühen Hilfen entwickelt unter der wissenschaftlichen Leitung von Albert Lenz ein Gruppeninterventionsprogramm, das sich spezifisch an die Risikogruppen der psychisch erkrankten, suchterkrankten und von Armut betroffenen Eltern mit Kindern im Altern von 0-5 Jahren richtet. Themen sind u.a. Emotionsregulation, Mentalisierung, Stresstoleranz und Soziale Unterstützung. Ziel ist es, die betroffenen Eltern in ihrem Bewältigungsverhalten – also in ihrem Umgang mit den Belastungen und den damit einhergehenden Gefühlen und Befindlichkeiten – zu stärken und zu fördern, um Kindeswohlgefährdungen gezielt entgegenzuwirken.

 

 

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Quelle: Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, 26.03.2015 (tB).

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