Kinder- und Jugendliche mit ADHS gesucht

 

Universitätsklinikum sucht Teilnehmer für placebo-kontrollierte Studie mit pflanzlichem Heilmittel

 

Mainz (20. Oktober 2008) –  Rund 4,8 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland leiden unter ADHS, der so genannten Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung. Für die Behandlung der Störung werden den Patienten häufig Stimulanzien verschrieben, die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen. Aufgrund der damit verbundenen Risiken und Nebenwirkungen haben viele Eltern oft Vorbehalte und suchen nach Alternativen. Eine Wirksamkeit, beispielsweise von pflanzlichen Präparaten, möchte nun die Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Huss, mit einer wissenschaftlichen Studie belegen. Hierbei setzen die Mediziner ein Kombinationspräparat aus Johanniskraut- und Baldrianextrakt placebo-kontrolliert ein. Wer sich für eine Teilnahme an der Studie interessiert, erhält weitere Informationen bei Frau Dönges (Sekretariat) unter Tel. 06131/17-3281 oder im Internet unter http://www.klinik.uni-mainz.de  

 

Eine beeinträchtigte Aufmerksamkeit, Impulsivität und ein verstärkter Bewegungsdrang sind die charakteristischen Anzeichen für die so genannte Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), welche verstärkt im frühen Kindesalter auftritt. Aber auch Lern- und Leistungsprobleme sowie ein vermindertes Selbstbewusstsein können Anzeichen der Krankheit sein. Um die Krankheit jedoch eindeutig zu diagnostizieren, sollten die Symptome mehr als sechs Monate vorliegen und erstmals vor dem siebten Lebensjahr aufgetreten sein.

Nach aktuellen Studien sind in Deutschland derzeit etwa 4,8 Prozent aller Schulkinder von ADHS betroffen. Dies bedeutet, dass fast in jeder Klasse mindestens ein Kind unter der Krankheit leidet. Bei Jungen wird die Diagnose doppelt so häufig gestellt wie bei Mädchen. Aber auch Erwachsene können unter ADHS leiden.

Die Ursache für die Erkrankung sehen die Forscher dabei in dem Zusammenwirken von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren. Um die Diagnose „ADHS“ zu stellen, sollte ein Psychologe oder ein Arzt aufgesucht werden.

Eine gute Behandlung der ADHS bezieht sich individuell auf den einzelnen Patienten, den Schweregrad der Krankheit und umfasst ein breites Spektrum an Therapieinstrumenten. So kann beispielsweise nach einer ersten Aufklärung und Beratung, ein Training der Eltern und des Umfeldes, eine Verhaltenstherapie sowie, je nach Schwere der Krankheit, auch eine medikamentöse Therapie erfolgen. Ziel dabei ist es, die Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Selbststeuerungsfähigkeit zu verbessern, sowie den Leidensdruck der Betroffenen zu mindern. Dabei werden bislang in erster Linie Stimulanzien und Atomoxetin eingesetzt, welche den Dopamin- bzw. Noradrenalinstoffwechsel im Gehirn beeinflussen. Dazu gehören u.a. Methylphenidat und Amphetaminderivate, auf die etwa 70 Prozent der Betroffenen ansprechen.

Eine alternative Behandlung, beispielsweise durch pflanzliche Präparate, ziehen allerdings nur die wenigsten Therapeuten in Betracht, da bislang keine wissenschaftlichen Studien deren Wirksamkeit belegen können.

Es ist nun aktuell gelungen, eine multizentrische, placebo-kontrollierte Studie unter Leitung der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Prof. Huss) zu einem Kombinationspräparat aus Johanniskraut und Baldrian zu etablieren.

Dabei soll Kindern mit ADHS keineswegs eine wirksame Behandlung mit Stimulanzien vorenthalten werden. Es geht vielmehr um den Nachweis einer wirksamen Methode, die greifen soll, bevor Stimulanzien erforderlich sind.

„Mit der Studie möchten wir zum Einen natürlich die Wirksamkeit dieses pflanzlichen Präparates belegen und zum anderen möchten wir den Betroffenen eine weitere Möglichkeit in der Therapie ihrer Erkrankung anbieten können“, erläutert Prof. Dr. Michael Huss, der Leiter der Studie und gleichzeitig Leiter der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie des Mainzer Universitätsklinikums. „Aus diesem Grund suchen wir Patienten, die dieses alternative Mittel innerhalb der Studie testen möchten.“

Weitere Informationen zur Studie und zur Teilnahme

Frau Cynthia Dönges (Sekretariat)
Tel. 06131/17-3281
Homepage:
http://www.klinik.uni-mainz.de


 

Quelle: Presseinformation der Johannes Gutenberg-Universität Mainz vom 20.10.2008.

 

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