Kontrolle ist besser:
Das neue Manual zur Bewertung klinischer Studien

 

Freiburg (2. Juni 2021) — Mit dem aktualisierten Manual „Bewertung des Biasrisikos in Interventionsstudien“ von Cochrane Deutschland und der AWMF lassen sich Studien nach allen Regeln der Review-Kunst kritisch unter die Lupe nehmen.

Um einen Cochrane Review zu erstellen, braucht es viel Sitzfleisch. Denn nachdem man die wissenschaftliche Literatur systematisch nach relevanten Studien für seine Fragestellung durchforstet hat, gilt es, den oft beachtlichen Stapel von gefundenen Studien kritisch zu bewerten. Ein Kernpunkt ist dabei die Suche nach möglichen Quellen für Verzerrungen (Biases), auch bekannt als systematische Fehler. „Systematisch“ bedeutet in diesem Fall nichts Gutes. Vielmehr ist damit gemeint, dass Studiendaten nicht zufällig um den wahren Wert streuen, sondern eben systematisch auf der einen oder anderen Seite daneben liegen und dadurch das Ergebnis verschieben. Solche Verzerrungen können aus einer ganzen Reihe von Gründen entstehen. So können sich die Vergleichsgruppen einer Studie in wichtigen Merkmalen der Teilnehmenden wie dem Alter unterscheiden. Eine Übersicht über mögliche Fehlerquellen gibt dieser Artikel.

Aufgabe von Review-Autor:innen ist es nun, solche Verzerrungsrisiken (Risk of Bias) zu erkennen und in die Bewertung der gefundenen Evidenz einfließen zu lassen. Dabei hilft das nun in aktualisierter Fassung erschienene Manual „Bewertung des Biasrisikos in Interventionsstudien“. Die initiale Version dieses Manuals wurde 2016 im Rahmen des vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Projekts „Acting on Knowledge“ in Zusammenarbeit von Cochrane Deutschland mit dem Institut für Medizinisches Wissensmanagement der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AMWF-IMWi) erstellt.

Die nun vorliegende erste Aktualisierung und Erweiterung wurde ohne externe Förderung unter Federführung von Cochrane Deutschland und in Zusammenarbeit mit dem AWMF-IMWI und dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) erstellt. Zu den wesentlichen Neuerungen der aktuellen Version gehört eine Einführung in die beiden Bewertungsinstrumente „RoB 2“ (zur Bewertung von randomisierten Interventionsstudien) und „ROBINS-I“ (zur Bewertung von nicht-randomisierten Interventionsstudien). Beide Instrumente wurden erst nach Fertigstellung der initialen Version des Manuals verfügbar. Cochrane empfiehlt sie zur Bewertung des Biasrisikos in Interventionsstudien.

Das vorliegende Manual richtet sich primär an wissenschaftlich Tätige, Autor:innen von systematischen Reviews sowie Leitlinienerstellende und -beratende, aber auch an alle anderen, die sich für die kritische Bewertung von Interventionsstudien interessieren. Es soll Nutzer:innen einen Überblick über die qualifizierte Evidenzbewertung vermitteln und in Verbindung mit praktischer Anleitung (z.B. im Rahmen eines Workshops oder Leitlinien-seminars) zur eigenständigen Bewertung des Biasrisikos befähigen.

 

  • Das komplette Manual ist unter diesem Link kostenlos abrufbar.

 

 


Quelle: Cochrane Deutschland Stiftung (CDS), 02.06.2021 (tB).

Schlagwörter: ,

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung