MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

Krebs

Gespräche verbessern Behandlungserfolg

Bonn (20. Mai 2016) – Eine gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient verbessert augenscheinlich signifikant den Erfolg einer Prostatakrebs-Therapie. In diese Richtung weisen zumindest die Ergebnisse einer Studie in der urologischen Fachzeitschrift BJU international. In der Arbeit wurden Daten von fast 1.800 Männern der HAROW-Studie ausgewertet, denen die Prostata aufgrund eines Karzinoms entnommen worden war. Dazu kooperierten Forscher der Universitäten Bonn und Köln mit der Stiftung Männergesundheit. Die vorab online veröffentlichte Studie erscheint demnächst in der Druckfassung.

Alle untersuchten Patienten waren an einem spezialisierten Prostata-Zentrum operiert worden. Nach dem Eingriff waren sie an ihren Urologen zurücküberwiesen worden, der dann die weitere Betreuung übernahm. In den drei Jahren nach ihrer Prostata-Operation bekamen sie alle sechs Monate einen Fragebogen zugeschickt, den sie ausfüllen sollten. Darin gaben sie unter anderem Auskunft zu ihrer Belastbarkeit (Bereitet es Ihnen Schwierigkeiten, einen langen Spaziergang zu machen?), zu konkreten Beschwerden (Hatten Sie in der letzten Woche Schmerzen?), aber auch zu ihrer psychischen Befindlichkeit ( Fühlten Sie sich deprimiert?).

Außerdem wurden sie zu verschiedenen Aspekten der Kommunikation mit ihrem Arzt befragt. In diesem Punkt fallen jedoch die Antworten erfahrungsgemäß häufig recht subjektiv aus: Manche Patienten sind besonders kritisch. Andere neigen eher dazu, den betreuenden Urologen durch eine rosarote Brille zu betrachten und etwaige Negativpunkte zum Beispiel mit seiner hohen Arbeitsbelastung zu entschuldigen.

Werbung

„Wir haben daher noch zusätzlich untersucht, ob die Patienten von Urologe A in den drei Jahren nach der Operation häufiger oder seltener Beschwerden entwickelten als die Patienten von Urologe B“, erläutert Prof. Dr. Nicole Ernstmann von der Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn. „Der Eingriff selbst war ja extern durchgeführt worden. Daher lassen sich systematische Unterschiede nur durch die jeweilige ärztliche Betreuung nach der OP erklären.“

Prof. Ernstmann forscht an der Universität Bonn unter anderem zu der Bedeutung einer guten Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Zusammen mit ihren Kollegen Juniorprofessorin Dr. Lena Ansmann (Universität Köln) und Prof. Dr. Lothar Weißbach (Stiftung Männergesundheit Berlin) stieß sie bei ihrer Analyse auf einen interessanten Zusammenhang: Je besser sich Arzt und Patient austauschten, desto seltener gaben letztere in den drei Jahren nach der OP eine Einschränkung ihrer Lebensqualität zu Protokoll.


Kommunikationstrainings für Ärzte

„Wenn der Arzt sich Zeit nimmt, auf die Sorgen und Bedürfnisse seines Patienten einzugehen, und ihn bei medizinischen Entscheidungen unterstützt, verbessert das spürbar das Therapieergebnis“, sagt Prof. Ernstmann. Vermutlich gibt es dafür zwei Gründe: Zum Einen erkennt ein gut informierter Arzt schneller, wenn sich der Zustand seines Patienten zum Schlechten entwickelt. Er kann dann rasch mit entsprechenden Maßnahmen gegensteuern. Zum Anderen halten sich Patienten, die sich ernst genommen fühlen, eher an therapeutische Ratschläge.

Nicht umsonst lernen angehende Mediziner heute schon während ihres Studiums, wie sie mit ihren Patienten kommunizieren sollten. Angesichts der Studienergebnisse plädiert Prof. Ernstmann nun dafür, auch in Ärztefortbildungen vermehrt verpflichtende Kommunikationsschulungen aufzunehmen.


Publikation

  • Nicole Ernstmann, Lothar Weißbach, Jan Herden, Nicola Winter und Lena Ansmann: Patient – physician communication and health-related quality of life of patients with localised prostate cancer undergoing radical prostatectomy – a longitudinal multilevel analysis; BJU International (2016); DOI: 10.1111/bju.13495


Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 20.05.2016 (tB).

MEDICAL NEWS

Monoclonal antibody therapy for COVID-19 safe, effective for transplant patients
Having trouble falling asleep predicts cognitive impairment in later life
SARS-CoV-2 detectable — though likely not transmissible — on hospital…
Waking just one hour earlier cuts depression risk by double…
Moving one step closer to personalized anesthesia

SCHMERZ PAINCARE

Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung
Risikobasiertes Brustkrebs-Screening kosteneffektiv
Krebs – eine unterschätzte finanzielle Herausforderung

MULTIPLE SKLEROSE

Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose
Patienteninformationen zu Interferon-beta-Präparaten
Zulassung des S1P Modulators Ponesimod zur Behandlung von erwachsenen Patienten…

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung