Kribbeln statt Schmerz – jetzt auch in den Leitlinien Rückenmarkstimulation wird bei chronischen Rücken- und Beinschmerzen empfohlen

 

Mannheim (7. Oktober 2010) – Die Rückenmarkstimulation (Spinal Cord Stimulation, SCS) hat sich für Patienten mit chronischen Schmerzen in Beinen oder im Rückenbereich etabliert. Im Focus der im April überarbeiteten S3-Leitlinie stehen als Indikationen Angina Pectoris oder arterielle Verschlusskrankheit, aber auch Schmerzformen wie das Failed Back Surgery Syndrome (FBSS) und das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS I). „Letztere Indikationen betreffen die größte Anzahl der Patienten, gerade sie profitieren besonders von der neuen Adaptive-Stim-Technologie, die das manuelle Einstellen der Stimulationsstärke überflüssig macht", fasst Professor Dr. Volker Tronnier, Direktor, Klinik für Neurochirurgie, Campus Lübeck, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein zusammen.

 

 

Jüngere Patienten können zum Teil wieder arbeiten

 

Die Ursachen für chronische Schmerzen sind vielfältig: Neben neuropathischen Schmerzen können Mastektomien, Leistenoperationen, Amputationen, Schlaganfall oder Multiple Sklerose zu chronischen Schmerzen führen. Das komplexe regionale Schmersyndrom (CRPS) ist mit 28 Prozent Prävalenz einer der häufigsten Gründe, warum Patienten eine Schmerztherapie anstreben. Eine weitere, stark verbreitete Indikation ist das FBSS. „Ungefähr zwei Drittel der von uns behandelten Patienten erhalten einen Neurostimulator aufgrund des FBSS", sagt Professor Tronnier. Rund jeder fünfte Patient leidet unter nicht ausreichend therapierten Schmerzen. Diese Patienten stellen den behandelnden Arzt vor besondere Herausforderungen, denn CRPS und FBSS treffen meist jüngere Patienten im Alter zwischen 36 und 42 Jahren, die bei optimaler Therapie arbeitsfähig sein könnten. „Rund die Hälfte der FBSS-Patienten sind bei erfolgreicher SCS wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig", so Professor Tronnier.

 

 

Auch die Gesundheitskosten sinken

 

Eine SCS ist eine Option, wenn die medikamentöse Therapie viele Patienten durch Neben- und Wechselwirkungen unangemessen belastet oder keine zufrieden stellende Wirkung zeigt. Bei unvollständig therapierten Schmerzen zeigt sich ein deutlicher Verlust an Mobilität und Lebensqualität der Patienten. „SCS ist eine sehr sichere und effektive Schmerztherapie", so Professor Tronnier. Einige Studien belegen dies in Zahlen (1): Auf der VAS-Skala sank die Schmerzintentsität durch epidurale Rückenmarkstimulation von ursprünglich 9 auf 1. Zudem betonen die Autoren, dass nach drei Jahren der SCS-Therapie rund 2.000 Euro geringere Gesundheitskosten pro Patient anfallen. Zusätzlich entfallen oftmals die Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie.

 

 

Implantat nach Testphase

 

Die Wirkung einer SCS kann im Vorfeld getestet werden. „Vor der Implantation kann das Ansprechen des Patienten auf die Stimulation durch Testelektroden festgestellt werden, die Testphase wird mit sechs bis 12 Tagen empfohlen. Damit kann vor Beginn der Therapie der Nutzen für den Patienten geprüft werden", weist Prof. Tronnier auf einen weiteren Vorteil hin. „Die SCS ist aber immer ein Baustein eines multimodalen Schmerzkonzeptes, bei vielen Patienten ist eine psychologische Nachbetreuung, teils auch Medikation, erforderlich." Reduzieren sich die Schmerzen mindestens um 50 Prozent und ist es der Wunsch des Patienten, einen Impulsgeber implantiert zu bekommen, kann bei verbesserter


Stimmungslage und dem Wunsch nach Medikamentenreduktion ein Stimulator implantiert werden. Bei bisherigen Geräten war es notwendig, dass der Patient selbst entsprechend seiner Bewegungen oder Körperposition die Stimulation manuell verändert und anpasst. Mit den Schrittmachern der neuesten Generation wie dem Restore Sensor wird dieses Einstellen nun überflüssig. „Dadurch steigt der Komfort für den Patienten und er wird motiviert, sich häufiger zu bewegen", so Professor Tronnier.

 

 

Literatur

 

  • Kemler et al 2008, Effect of spinal cord stimulation for chronic complex regional pain syndrome Type I: five-year final follow up of patients in randomized studies. J. Neurosurg

 

 

Download

 

 

 

 

 


Quelle: Pressekonferenz der Firma Medtronic zum Thema „Vision und Wirklichkeit in der Schmerztherapie“ am 07.10.2010 in Mannheim (tB).

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