Langzeitsicherheit von Natalizumab auf dem Prüfstand

Kompetenznetz Multiple Sklerose startet Pharmakovigilanz-Studie und sucht Probanden

 

München (26.Oktober 2010) – Die MS-Forschung hat in den vergangenen zehn Jahren deutliche Fortschritte erzielt, so dass viele Patienten über mehrere Jahre hinweg ohne größere Beeinträchtigungen leben können. Bei manchen Betroffenen halten die Schübe trotz Basistherapie jedoch weiter an. Für sie wurde im Juni 2006 der Wirkstoff Natalizumab zur Behandlung der hochaktiven, schubförmig remittierenden Multiplen Sklerose zugelassen. Im Rahmen einer Pharmakovigilanz-Studie stellt das Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) das Medikament nun auf den Prüfstand und bewertet seine Wirkmechanismen neu.

 

„Bei manchen Patienten sind unter der Behandlung mit Natalizumab unerwünschte Nebenwirkungen aufgetreten. Mit Hilfe der Studie möchten wir Indikatoren identifizieren, die uns eine individuelle Risikoabschätzung für jeden Patienten ermöglichen“, erläutert Prof. Dr. Heinz Wiendl, Vorstandssprecher des KKNMS und Studienleiter, das Ziel des Forschungsprojekts.

 

Natalizumab – unter dem Namen Tysabri auf dem Markt – ist ein monoklonaler Antikörper, der an Immunzellen bindet und sie so am Passieren der Blut- Hirn-Schranke hindert. Auf diese Weise wird das Nervensystem vor Entzündungen geschützt. Leider steigt unter Therapie mit Natalizumab das Risiko für eine progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) – eine schwere Hirninfektion, die tödlich verlaufen kann. Dadurch ist der Einsatz von Natalizumab derzeit stark eingeschränkt. „Durch unsere Studie erhoffen wir uns nun, genauer vorhersagen zu können, welche Patienten ein hohes Risiko für eine PML-Erkrankung haben und welche nicht. Gelingt uns das, könnten wir Natalizumab breiter und sicherer bei unseren MS-Patienten einsetzen“, erklärt Wiendl.

 

 

Kriterien für die Studienteilnahme

 

Für die Studie sucht das KKNMS an den Standorten Bochum, Düsseldorf, München und Münster je 30 Teilnehmer, die bereit sind, sich im Rahmen ihrer Routineuntersuchungen zusätzliche Blut- und Nervenwasserproben entnehmen zu lassen. Die Laufzeit der Studie ist vorerst auf ein Jahr begrenzt.

 

Patienten, die an der Studie teilnehmen möchten, sollten folgende Kriterien erfüllen:

 

  • Mindestalter 18 Jahre
  • Tysabri-Therapie geplant / am Anfang ODER
  • bereits max. 18 Monate mit Tysabri behandelt ODER
  • bereits max. sechs Monate Therapie mit Interferon β

 

Zum Vergleich werden auch Proben von gesunden Personen untersucht, die sich bei Interesse an eines der teilnehmenden MS-Zentren wenden können.

 

Die genauen Kontaktdaten der Projektpartner können im Internet unter http://www.kompetenznetz-multiplesklerose.de/de/aktuelle-studien/pharmakovigilanz-natalizumab eingesehen werden. Das Projekt wird im Rahmen des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

 

 

Studienkoordination

 

Prof. Heinz Wiendl

Klinik für entzündliche Erkrankungen des Nervensystems und Neuroonkologie, Universitätsmedizin Münster

eMail: heinz.wiendl@ukmuenster.de

 

 


Quelle: Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose, 26.10.2010 (tB).

MEDICAL NEWS

Meeting highlights from the Committee for Medicinal Products for Human…
Using face masks in the community: first update – Effectiveness…
Difficulties to care for ICU patients caused by COVID-19
Virtual post-sepsis recovery program may also help recovering COVID-19 patients
‘Sleep hygiene’ should be integrated into epilepsy diagnosis and management

SCHMERZ PAINCARE

Projekt PAIN2020: Wir nehmen Schmerzen frühzeitig ernst. Jetzt für alle…
Wechselwirkung zwischen psychischen Störungen und Schmerzerkrankungen besser verstehen
Wie ein Schmerz den anderen unterdrückt
Opioidtherapien im palliativen Praxisalltag: Retardierte Analgetika zeigen Vorteile
Krankenhäuser und Praxen müssen sich bei der Schmerztherapie nach Operationen…

DIABETES

Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und…
Neue Studie will Entstehung von Typ-1-Diabetes bei Kindern verhindern
Toujeo®: Ein Beitrag zu mehr Sicherheit für Menschen mit Typ-1-Diabetes
Diabetes: Neue Entdeckung könnte die Behandlung künftig verändern
Für Menschen mit Typ-2-Diabetes: Fixkombination aus Basalinsulin und GLP-1-Analogon

ERNÄHRUNG

Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…
Fast Food, Bio-Lebensmittel, Energydrinks: neue Daten zum Ernährungsverhalten in Deutschland
Neue Daten zur Ernährungssituation in deutschen Krankenhäusern und Pflegeheimen: Mangelernährung…

ONKOLOGIE

Konferenzbericht: Aktuelle Daten aus der Hämatologie vom ASH 2020
Anzeige: Aktuelle Daten zur Therapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
Aktuelle Daten zu Apalutamid und Abirateron in der Therapie des…
Forschende entwickeln neuen Ansatz, um Krebs der Bauchspeicheldrüse zu erkennen
Blasenkrebs: Wann eine Chemotherapie sinnvoll ist – Immunstatus erlaubt Abschätzung…

MULTIPLE SKLEROSE

Erste tierexperimentelle Daten zur mRNA-Impfung gegen Multiple Sklerose
Multiple Sklerose: Immuntherapie erhöht nicht das Risiko für schweren COVID-19-Verlauf
Empfehlung zur Corona-Impfung bei Multipler Sklerose (MS)
Fallstudie: Beeinflusst SARS-CoV-2 Infektion die Multiple Sklerose?
Multiple Sklerose: Novartis’ Siponimod verzögert Krankheitsprogression und Hirnatrophie bei aktiver…

PARKINSON

Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…
Putzfimmel im Gehirn
Parkinson-Patienten in der Coronakrise: Versorgungssituation und ein neuer Ratgeber
Neuer Test: Frühzeitige Differenzialdiagose der Parkinson-Erkrankung