Leichte Neugeborene kommen früher in die Pubertät

 

Bonn (1. Dezember 2009) – Bei Kindern, die zur Geburt weniger als 3.000 Gramm wiegen, tritt die Pubertät um einige Monate früher ein als bei Kindern mit einem Geburtsgewicht von 3.000 Gramm oder mehr. Das hat eine Studie des zur Universität Bonn gehörenden Forschungsinstituts für Kinderernährung sowie der Hochschule Fulda ergeben. Je früher die Pubertät, desto größer ist das Risiko, an Brust- oder Hodenkrebs zu erkranken. Die Wissenschaftler empfehlen daher werdenden Müttern, in der Schwangerschaft auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. Die Studie ist nun im American Journal of Clinical Nutrition erschienen.

 

Das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) erfasst seit 1985 Ernährungsgewohnheiten, Größe und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Die Teilnehmer werden als dreimonatige Säuglinge in die Studie aufgenommen und bis zum Erwachsenenalter regelmäßig untersucht. In die aktuelle Untersuchung wurden 215 Jungen und Mädchen eingeschlossen.

Aus den Daten haben die Forscher im Rahmen eines vom World Cancer Research Fund geförderten Gemeinschaftprojektes für jeden ihrer Probanden eine Wachstumskurve ermittelt. Daran konnten sie dann Beginn und Verlauf der Pubertät ablesen. "Kurz vor Eintritt der Pubertät wachsen Kinder am langsamsten", erklärt Dr. Anette Buyken vom FKE. "Im zweiten Pubertätsdrittel schießen sie dagegen regelrecht in die Höhe." Etwa ein Jahr nach diesem "Wachstumsspurt" haben Mädchen die erste Regelblutung.

"Wir haben nun diese Pubertätsmarker zu verschiedenen Faktoren in Bezug gesetzt – darunter Geburtsgewicht, Stillen und Gewicht der Eltern", sagt Buykens Kollegin Nadina Karaolis-Danckert. "Dabei sind wir auf zwei signifikante Zusammenhänge gestoßen: Waren die Kinder bei der Geburt leichter als 3.000 Gramm, setzte bei ihnen die Pubertät im Schnitt 7 Monate früher ein. Die Mädchen aus dieser Gruppe hatten auch früher ihre erste Regelblutung."

Der zweite Befund: Kinder, die in ihren ersten zwei Lebensjahren überproportional stark an Gewicht zulegten, kamen im Schnitt vier Monate früher in die Pubertät. Die erste Regelblutung dieser Mädchen war um neun Monate nach vorne verlegt.

 

 

Ein Jahr Verzögerung verringert das Brustkrebsrisiko um neun Prozent

 

Der Zeitpunkt der ersten Menstruation beeinflusst das Brustkrebsrisiko deutlich. Dabei gilt das Motto "je später, desto besser". Schon ein halbes Jahr Verzögerung senkt das Risiko um vier bis fünf Prozent – das wären weltweit 40.000 Brustkrebserkrankungen pro Jahr weniger.

In den westlichen Industrieländern beobachtet man allgemein den Trend, dass Jugendliche immer früher in die Pubertät kommen. Gleichzeitig hat das durchschnittliche Geburtsgewicht in den letzten Jahren leicht zugenommen. Projektleiterin Professorin Dr. Anja Kroke von der Hochschule Fulda vermutet, dass es heute zwar mehr schwere Neugeborene gebe als früher, aber auch mehr leichte. "Zu einem verringerten Geburtsgewicht kann es beispielsweise kommen, wenn Frauen in der Schwangerschaft Diät halten, um eine übermäßige Gewichtszunahme zu vermeiden", sagt sie. "Allerdings fehlt es dazu noch an belastbaren Daten. Dennoch empfehlen wir werdenden Müttern, ganz besonders auf eine ausgewogene Ernährung zu achten."

Außerdem schützt auch Rauchverzicht in der Schwangerschaft vor einem niedrigen Geburtsgewicht. Nach der Geburt kann Stillen dazu beitragen, eine schnelle Gewichtszunahme – mit ihren negativen Folgen – zu verhindern.

 

  • Birth and early life influences on the timing of puberty onset: results from the DONALD Study. Nadina Karaolis-Danckert, Anette E Buyken, Antje Sonntag, Anja Kroke; American Journal of Clinical Nutrition (1.12.2009)

 


Quelle: Pressemitteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn vom 01.12.2009 (tB).

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