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Leitlinie zur "Prävention, Diagnostik und Therapie der HPV-Infektion und präinvasiver Läsionen des weiblichen Genitale"

Gebärmutterhalskrebs vermeiden und schonend therapieren

 

Berlin (16. Juli 2008) – Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe wurde die S-2 Leitlinie zur "Prävention, Diagnostik und Therapie der HPV-Infektion und präinvasiver Läsionen des weiblichen Genitale" fertiggestellt.

In Deutschland wurden nach Angaben der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister e. V. (GEKID) und des Robert-Koch-Instituts im Jahr 2004 ca. 6.200 neue Zervixkarzinome registriert und ca. 1.660 Frauen verstarben an dieser Erkrankung. Noch in den 70-ger Jahren war der Gebärmutterhalskrebs die häufigste Krebserkrankung der Frauen. Nun besteht durch Primär- und Sekundärprävention die Möglichkeit, den Gebärmutterhalskrebs fast vollständig zu bekämpfen.

 

Primärprävention

Prof. Walter Jonat, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) empfiehlt zur Primärprävention die HPV (Humane Papillomviren)* Impfung: "Die Einführung der Impfung für Mädchen vor Aufnahme des Geschlechtsverkehrs wird den Gebärmutterhalskrebs langfristig senken. Wir rechnen mit einer Reduzierung der Sterblichkeit bis zu 70 Prozent." Durch den Impfstoff können außerdem Vorstadien von Krebs verhindert werden, wie auch Genitalwarzen. Die Dreifach-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen und von den Krankenkassen bis zum 17. Lebensjahr bezahlt. Die Impfung wird gut vertragen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Kopfschmerzen und Schmerzen an der Einstichstelle.

 

Sekundärprävention

Die Gefahr an einer HPV Infektion zu erkranken, ist nach Beginn der sexuellen Aktivität sehr hoch und einen sicheren Schutz z.B. durch die Benutzung von Kondomen gibt es nicht. Untersuchungen zeigten, dass bereits fünf Jahre nach Aufnahme der sexuellen Aktivität ca. 60% der jungen Frauen mit HPV infiziert sind. Eine effektive prophylaktische Impfung ist deshalb notwendig, aber auch die Sekundärprävention durch regelmäßige, jährliche Früherkennungsuntersuchungen ab 20 Jahren. Seit Einführung des sogenannten PAP-Test (Papanicolaou-Test, Abstrich von Zellen am Gebärmutterhals) als Angebot der gesetzlichen Krebsfrüherkennung konnte diese Krebserkrankung stark reduziert werden. Ergänzend zum Muttermundabstrich wird nun von der Leitliniengruppe ab dem 30. Lebensjahr eine Testung auf eine HPV Infektion empfohlen, sofern die Abstrichergebnisse auffällig sind, wobei die Aussagefähigkeit einer HPV Testung mit Zunahme des Lebensalters steigt.

Prof. Klaus Friese, von der DGGG mit der Erstellung der Leitlinie betraut, sieht klare Vorteile in der zusätzlichen Anwendung: "Wir wollen die Frauen frühzeitig und schonend behandeln. Durch den HPV-Test können wir Vorstufen erkennen, die wir therapieren können und damit können wir spätere große Operationen vermeiden. Der HPV Test gibt zusätzliche Sicherheit zu dem PAP-Test und ist deshalb so wichtig, da Gebärmutterhalskrebs bereits bei jungen Frauen auftreten kann. Mit einem durchschnittlichen Erkrankungsalter von 51 Jahren liegt diese Krebserkrankung 18 Jahre vor sonstigen weiblichen Krebserkrankungen und es wird deutlich, warum Krebsfrüherkennungsuntersuchungen so wichtig sind."

Die interdisziplinäre Leitliniengruppe hat eine Empfehlung zum Einsatz der Muttermundabstriche im Zusammenhang mit einer HPV Testung vorgelegt. Ebenfalls wird ausführlich auf alle diagnostischen und therapeutischen Verfahren und Maßnahmen u.a. bei HPV-assoziierten Genitalwarzen, präinvasiven Läsionen des äußeren weiblichen Genitale sowie von Muttermundauffälligkeiten (sog. Dysplasien), auch während der Schwangerschaft, eingegangen. Allerdings kann die Häufigkeit von Gebärmutterhalskrebs nur nachhaltig gesenkt werden, sofern an den jährlichen Früherkennungsuntersuchungen festgehalten wird und sich langfristig die Teilnahmerate erhöht.

Derzeit ist die Testung auf HPV noch keine Kassenleistung und kostet ca. 100€.

Prof. Walter Jonat fordert nach den vorliegenden Ergebnissen, dass die HPV Testung von den Kassen übernommen wird: "Mit der Leitlinie legen wir eine eindeutige Entscheidungsgrundlage vor, auf deren Basis der Gemeinsame Bundesausschuss die HPV Testung in die allgemeinen Leistungen der Kassen übernehmen kann.".

*Humane Papillomviren (Abkürzung HPV) sind Viren, die Zellen der Haut- und/oder der Schleimhaut infizieren. Von den bislang 118 bekannten HPV-Typen, befallen ca. 40 HPV-Typen vorrangig die Geschlechtsteile und den After. Sie werden als genitale HPV-Typen bezeichnet. Je nach Virustyp kann eine Infektion zu harmlosen Genitalwarzen oder zu auffälligen Gewebeveränderungen an Gebärmutterhals, Vulva, Penis oder After führen. Meistens verursachen sie keine Symptome. Die häufigste durch HPV hervorgerufene Krebserkrankung ist Gebärmutterhalskrebs.

An der Leitlinie beteiligte Fachgesellschaften

 

  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (Federführung)
  • Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF)
  • Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.
  • Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.
  • Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
  • Deutsche STD-Gesellschaft e.V.
  • Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V.


Quelle: Pressemeldung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften unter Federführung der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (16. Juli 2008)(tB).

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