Leitlinien und Versorgungsrealität

Therapiemöglichkeiten beim Pankreaskarzinom

 

Berlin (25. Februar 2010) – Empfehlungen zu Diagnose und Therapie des exokrinen Pankreaskarzinoms sind im Jahr 2007 in einer S3-Leitlinie publiziert worden [1]. Eine Umfrage zeigte jedoch, dass die aktuelle Versorgungssituation der Patienten noch verbessert werden kann. Erlotinib (Tarceva®), das als einzige neue Substanz in den letzten Jahren für die Behandlung des metastasierten Pankreaskarzinoms zugelassen worden ist, wird in der Leitlinie in Kombination mit Gemcitabin zur Erstlinientherapie beim metastasierten Pankreaskarzinom empfohlen. Von der Therapie profitieren vor allem die Patienten, bei denen sich eine Hautreaktion („Rash“) entwickelt. Für ein gutes Therapieergebnis ist deshalb auch ein optimales „Rash-Management“ wichtig.

 

Um die aktuelle Situation in der Versorgung von Patienten mit Pankreaskarzinom zu erfassen, führte die Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) und die Chirurgische Arbeits-gemeinschaft Onkologie (CAO) zwischen Februar 2007 und März 2008 eine Umfrage bei ihren 1.130 Mitgliedern durch [2]. Wie Professor Heinemann, München, bei einem Satelliten-symposium der Roche Pharma AG beim Deutschen Krebskongress in Berlin erläuterte [3], zeigte die Auswertung der 181 zurück gesandten Fragebögen, dass 61 % der teilnehmenden Zentren eine histologische Sicherung des Pankreaskarzinoms für notwendig erachten. In 97 % der Fälle ist eine präoperative Chemotherapie kein Standardvorgehen. Eine adjuvante Therapie mit Gemcitabin wird nach R0-Resektion in 71 % der Fälle – wie von der S3-Leitlinie empfohlen – als Standard angesehen. Nach R1-Resektion wird die adjuvante Gemcitabin-Behandlung in 62 % der Zentren als Standard angesehen, etwa 25 % führen eine Chemoradiotherapie durch, die nach der S3-Leitlinie aber nicht generell empfohlen wird.

 

Bei lokal fortgeschrittenem Tumor wählen 51,9 % der Zentren eine Chemotherapie, 16,6 % eine Radiochemotherapie. Palliativ setzen 23,2 % eine Mono-Chemotherapie, bei gutem Allgemeinzustand 59,1 % der Zentren eine Kombinations-therapie ein. Und zwar am häufigsten Gemcitabin plus Oxaliplatin (Off-Label-Use, 16 %) oder Gemcitabin plus Erlotinib (12 %). Laut S3-Leitlinie profitieren die Patienten mehr von einer Kombinationstherapie als von einer Monotherapie, diese Behandlung sollte bis zur Progression der Erkrankung durchgeführt werden, was jedoch laut Umfrage nur in 67 % der Zentren der Fall ist. Nur 28 % der Ärzte bieten den Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung eine Zweitlinientherapie an. Eine Nachsorge ist in 6,6 % der Zentren kein Standard. Diese Umfrage zeigt also, dass Diagnose und Therapie des Pankreaskarzinoms noch verbessert werden können.
 

Dosierung bis zum „Rash“?

„Bei allen EGFR-Inhibitoren treten häufig Hautausschläge („Rash“) als unerwünschte Wirkung auf“, so Professor Gutzmer, Hannover (3]. Sie sind ein wichtiger Indikator der Wirksamkeit der Substanzen. Für Erlotinib konnte bereits in der PA.3-Studie die Bedeutung des „Rash“ als prädiktiver Marker für ein längeres Überleben (OS) bei Patienten mit Pankreaskarzinom belegt werden: Das Gesamtüberleben von Patienten mit einer Hautreaktion vom Schweregrad > 1 war deutlich verlängert, nämlich von 5,3 bei Patienten ohne Hautausschlag auf 10,5 Monate (p < 0,0001) [4]. Der Frage, ob durch eine Dosiserhöhung – also eine Dosierung bis zum „Rash“ – das Ansprechen der Patienten verbessert werden kann, wird derzeit in der RACHEL-Studie nachgegangen.
 


Adäquate „Rash-Kontrolle“ unterstützt Therapieerfolg

Der „Rash“ bei Behandlung mit EGFR-Hemmern zeigt sich als follikuläres Exanthem mit akneiformen Hautveränderungen, die einem seborrhoischen Ekzem, einer Rosacea oder einem perioralen Ekzem ähneln. Die Haut kann dünn und trocken werden und es können unter anderem Rhagaden, Juckreiz, Nagelwallentzündungen (Paronychien), diffuser Haarverlust und Veränderungen an Wimpern und Augenbrauen auftreten.

Die Patienten sollten zur Prophylaxe rückfettende Hautpflegemittel verwenden, wie milde Flüssigseifen, Cremes und Salben, jedoch keine Lotionen und Gele. Die Therapie der follikulären Arzneimittelreaktion richtet sich nach klinischem Bild und Schweregrad und sollte beim ersten Auftreten von Haut-veränderungen beginnen. Bei Austrocknungsekzemen sind alle Maßnahmen, die die Haut austrocknen könnten, zu vermeiden.
 
Die Roche Pharma AG hilft mit einer“ Rash-Management-Kampagne“, die Sicherheit des Arztes im Umgang mit den Erlotinib-induzierten Hautreaktionen zu verbessern. 

 

Quellen

 

  1. Adler G, Seufferlein T, Bischoff SC, Brambs H, Feuerbach S, Grabenbauer G et al. S3-Leitlinien „Exokrines Pankreaskarzinom" 2007. Z Gastroenterol 2007; 45(6): 487–523.
  2. Boeck S, Bruns CJ, Sargent M, Schafer C, Seufferlein T, Jauch K et al. Current oncological treatment of patients with pancreatic cancer in Germany: results from a national survey on behalf of the Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie and the Chirurgische Arbeitsgemeinschaft Onkologie of the Germany Cancer Society. Oncology 2009; 77(1): 40–8.
  3. Satellitensymposium „Versorgungsrealität des Pankreaskarzinoms“, veranstaltet von der Roche Pharma AG beim 29. Deutschen Krebskongress, Berlin, 25. Februar 2010.
  4. Moore MJ, Goldstein D, Hamm J, Figer A, Hecht JR, Gallinger S et al. Erlotinib plus gemcitabine compared with gemcitabine alone in patients with advanced pancreatic cancer: a phase III trial of the National Cancer Institute of Canada Clinical Trials Group. J Clin Oncol. 2007; 25(15):
    1960–6.

 


Quelle: Roche Pharma, 25.02.2010 (medical relations) (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung