Literatur- und Forschungsüberblick zum Thema Essstörungen

 

Mannheim (26. April 2010) – Neben konstitutioneller und psychischer Disposition spielen vor allem soziale Faktoren eine wichtige Rolle bei der Entstehung der „Zivilisationskrankheit“ Essstörungen. Die neue Ausgabe des Fachinformationsdienstes „Recherche Spezial“ von GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften listet aktuelle Literatur und Forschungsprojekte zum Thema.

Essstörungen sind schwere seelische Erkrankungen, die auch dem Körper massiv schaden. Viele Faktoren wirken bei der Entstehung zusammen. Essstörungen zählen bereits bei Kindern und Jugendlichen zu den häufigsten chronischen Gesundheitsproblemen. Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2007 verweist darauf, dass die Anorexia nervosa, die Magersucht, die höchste Letalitätsrate unter allen psychiatrischen Erkrankungen habe. Die Prävalenz der Erkrankungen und latenten Essstörungen ist ganz erheblich: Für mehr als 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 11 und 17 stellt die Erhebung Symptome von Essstörungen fest. Zu den Essstörungen werden neben der Magersucht die Bulimie, die Binge Eating Disorder und auch die Adipositas (im Zusammenhang mit anderen psychischen Störungen) gezählt. Trotz der ganz unterschiedlichen Erscheinungsformen ist diesen Verhaltensauffälligkeiten gemeinsam, dass sie mit z. T. starken körperlichen Beeinträchtigungen und Gefährdungen einhergehen und dass mit der Frage Essen und Nicht-Essen nicht Genuss und Bedürfnisbefriedigung verbunden sind, sondern Verunsicherung und eine psychisch wie sozial belastende Problematik. Der Schwerpunkt der Erkrankungen liegt zwar bei Mädchen und jungen Frauen, Essstörungen können aber auch im Erwachsenenalter erstmals auftreten, die Zahl der betroffenen Männer steigt und die Zahl der nicht erkannten Erkrankungsfälle wird als hoch eingeschätzt.

Über die Auslöser von Essstörungen und deren Gewichtung gehen die Ansichten auseinander, meist wird heute von einer Kombination externer Faktoren und persönlicher Dispositionen ausgegangen. Dass soziale Faktoren hierbei eine wichtige Rolle spielen, steht außer Frage und war schon in der alten Wendung von der „Zivilisationskrankheit“ eingeschrieben. Körperbilder, Gruppendruck, familiäre Anforderungsstrukturen, geringer Selbstwert und der Verlust an Selbstverständlichkeit im Essverhalten sind ebenso Gegenstand sozialwissenschaftlicher Arbeiten zum Thema wie die empirische Erhebung von Verteilung und Einflussvariablen oder die Evaluation von Therapieerfolgen.

Die Recherche gliedert aktuelle die Literatur- und Forschungsnachweise in fünf Kapitel: das erste Kapitel versammelt Überblicksarbeiten und empirische Studien; das zweite beschäftigt sich mit Therapieformen und im engeren Sinne medizinischen Ansätzen; Kapitel drei präsentiert Untersuchungen zu Essstörungen in verschiedenen sozialen Gruppen und dem Einfluss von Variablen wie Alter, Geschlecht und sozialem Status; der darauf folgende Abschnitt nimmt die familialen Strukturen und das Umfeld der Erkrankten in den Blick; Kapitel fünf thematisiert, welche Wirkungen Körperbilder, Identitäten, gesellschaftliche Normen haben; das letzte Kapitel schließt mit Arbeiten zu Essverhalten und der Prävention von Essstörungen als einem wichtigen Bereich von Public Health.

Die Recherche kann kostenfrei als PDF heruntergeladen oder bei GESIS für einen Selbstkostenpreis von 10 € als Printversion bestellt werden:

http://www.gesis.org/forschung-lehre/gesis-publikationen/servicepublikationen/recherche-spezial  

GESIS ist die Infrastruktureinrichtung für die Sozialwissenschaften und unterstützt wissenschaftliches Arbeiten durch die Bereitstellung entsprechender Beratungen, Daten und Informationen. Aufbauend auf umfangreichen Forschungsprogrammen bietet GESIS Dienstleistungen zu Daten (Archivierung, Bereitstellung, Aufarbeitung, Recherche, Dauerbeobachtung), Methoden (Beratung, Entwicklung komplexer Methoden) und Fachinformationen (Datenbanken mit Informationen zu sozialwissenschaftlicher Literatur und zu Forschungsaktivitäten). Ein weiterer Service sind die GESIS-Portale, in denen sozialwissenschaftliche Informationen und Daten einfach und nutzerfreundlich zugänglich gemacht werden. GESIS ist ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft und u.a. an wichtigen europäischen Projekten wie dem European Social Survey, dem europäischen Archivverbund CESSDA und dem OECD-Projekt Programme for the International Assessment of Adult Competencies (PIAAC) beteiligt.

 


 

Quelle: Pressemitteilung des GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften vom 26.04.2010 (tb).

MEDICAL NEWS

Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…
Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…
Suliqua®: In komplexem Umfeld – einfach besser eingestellt
Suliqua®: Überlegene HbA1c-Senkung  im Vergleich zu Mischinsulinanalogon
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…

ERNÄHRUNG

Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen

ONKOLOGIE

Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…
Mehr Lebensqualität für onkologische Patient:innen durch bessere Versorgung: Supportivtherapie, Präzisionsonkologie,…
WHO veröffentlicht erste Klassifikation von Tumoren im Kindesalter
Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver

MULTIPLE SKLEROSE

Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…
Stellungnahme zur 3. Impfung gegen SARS-CoV2 bei Personen mit MS

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…