Löhne in der Pflege:
Bruttoverdienste von Fachkräften in Krankenhäusern und Heimen 2020 rund ein Drittel höher als 2010

 

Wiesbaden (11. Mai 2021) – Schon vor der Corona-Krise herrschte ein Mangel an Pflegekräften in Deutschland. Seit Ausbruch der Pandemie mehren sich jedoch die Berichte über Personalmangel und überlastete Pflegefachkräfte in Kliniken und Heimen sowie die Forderungen nach einer besseren Bezahlung für die Pflegenden. Die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste für vollzeitbeschäftigte Fachkräfte in Krankenhäusern und Heimen, zu denen auch Pflegefachkräfte zählen, sind in den vergangenen zehn Jahren um rund ein Drittel gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, verdienten etwa vollzeitbeschäftigte Fachkräfte in Krankenhäusern, wie Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger, im Jahr 2020 brutto 32,9 % mehr als noch 2010. Die Bruttomonatsverdienste von Fachkräften in Altenheimen stiegen im selben Zeitraum im gleichen Umfang (+32,8 %), bei Fachkräften in Pflegeheimen fiel der Anstieg mit 38,6 % noch etwas höher aus. In allen drei Gruppen stiegen die Verdienste in den vergangenen zehn Jahren deutlich stärker an als in der Gesamtwirtschaft (Produzierendes Gewerbe und Dienstleistungen) mit 21,2 %.

 

 

 

Bruttoverdienste in der Pflege 2020 erstmals höher als in der Gesamtwirtschaft 

Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger verdienten im Jahr 2020 im Durchschnitt 3.578 Euro brutto im Monat. Fachkräfte in Pflegeheimen kamen auf durchschnittlich 3.363 Euro, jene in Altenheimen, darunter Altenpflegerinnen und -pfleger, auf 3.291 Euro. Die Unterschiede sind unter anderem darauf zurückzuführen, dass in der Krankenpflege vielfach Tariflöhne gezahlt werden. Über einen flächendeckenden Tarifvertrag in der Altenpflege wird derzeit debattiert. Insgesamt verdienten alle drei Gruppen im vergangenen Jahr erstmals mehr als Beschäftigte mit vergleichbarer Qualifikation in der Gesamtwirtschaft (Produzierendes Gewerbe und Dienstleistungen), die durchschnittlich 3.286 Euro im Monat bekamen. Allerdings war die gesamtwirtschaftliche Lohnentwicklung 2020 stark durch den vermehrten Einsatz von Kurzarbeit im Zuge der Corona-Krise beeinflusst. In den Vorjahren hatten die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste von Fachkräften in Pflegeheimen (2019: 3.203 Euro) und Altenheimen (2019: 3.116 Euro) stets unter denen in der Gesamtwirtschaft (2019: 3.327 Euro) gelegen. Allein die Fachkräfte in Krankenhäusern hatten jeden Monat durchschnittlich mehr auf dem Gehaltszettel als jene in der Gesamtwirtschaft (2019: 3.502). Für angelernte oder ungelernte Pflegekräfte fallen die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste deutlich geringer aus.

 

 

Bruttomonatsverdienste vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Jahr 2020 (ohne Sonderzahlungen)
Branche Arbeitnehmer/-innen in leitender Stellung
(Leistungsgruppe 1)
Herausgehobene
Fachkräfte
(Leistungs-gruppe 2)
Fachkräfte
(Leistungs-gruppe 3)
Angelernte Arbeit-nehmer/-innen
(Leistungs-
gruppe 4)
Ungelernte
Arbeitnehmer/-innen
(Leistungs-
gruppe 5)
Insgesamt
a:   ( ) = Aussagewert eingeschränkt, da Zahlenwert statistisch relativ unsicher ist.
Krankenhäuser 8 736 4 692 3 578 2 796 2 460 4 909
Pflegeheime 5 626 4 054 3 363 2 529 2 303 3 408
Altenheime, Alten- und Behindertenwohnheime 5 719 4 204 3 291 2 495 (2 494)a 3 348
Produzierendes Gewerbe und
Dienstleistungsbereich (Gesamtwirtschaft)
7 275 4 756 3 286 2 611 2 227 3 975

 

Überwiegender Teil der Pflegekräfte arbeitete 2019 in Heimen 

1,41 Millionen Menschen waren 2019 in Deutschland mit der Pflege, Betreuung oder Unterstützung Pflegebedürftiger beschäftigt. Gut zwei Fünftel von ihnen arbeiteten in Pflegeheimen (593.000), etwa ein Viertel in ambulanten Pflegediensten (361.000) sowie gut ein Drittel im Pflegedienst in Krankenhäusern (458.000).

 

74 % der Kranken- und 79 % der Altenpfleger/-innen arbeiten regelmäßig am Wochenende 

Pflegekräfte sind häufiger rund um die Uhr im Einsatz als die meisten anderen Erwerbstätigen, Schicht- und Wochenendarbeit verlangen ihnen auch ohne eine pandemische Ausnahmesituation viel ab. Rund 60 % der Krankenpflegerinnen und -pfleger und deutlich mehr als die Hälfte (57 %) der Altenpflegerinnen und -pfleger arbeiteten im Jahr 2019 im Schichtdienst. Insgesamt traf das nur auf jede siebte erwerbstätige Person in Deutschland zu (14 %). Noch häufiger als vom Schichtdienst waren Pflegekräfte von Wochenendarbeit betroffen: 74 % der Kranken- und 79 % der Altenpflegerinnen und -pfleger arbeiteten 2019 regelmäßig samstags und sonntags. Insgesamt traf das nur auf gut jede dritte erwerbstätige Person zu (36 %).

Die unregelmäßigen Arbeitszeiten können mit ein Grund dafür sein, dass die Teilzeitquote in Pflegeberufen deutlich höher ausfällt als bei den Erwerbstätigen insgesamt. So war im Jahr 2019 gut ein Drittel (37 %) aller Krankenpflegerinnen und -pfleger in Teilzeit beschäftigt, unter den in der Altenpflege Tätigen war es nahezu jeder und jede zweite (46 %). Zum Vergleich: Über alle Berufsgruppen hinweg lag die Teilzeitquote bei 29 %. Vor allem dürfte die höhere Teilzeitquote aber dem Umstand geschuldet sein, dass vier von fünf Pflegekräften Frauen sind (79 %) – erwerbstätige Frauen arbeiten allgemein aus vielfältigen Gründen häufiger in Teilzeit als Männer.

 

44.900 Ausbildungsabschlüsse im Jahr 2019: +25 % gegenüber 2009

Trotz der unregelmäßigen Arbeitszeiten hatten die Pflegeberufe vor Ausbruch der Corona-Pandemie für den Nachwuchs nicht an Attraktivität verloren – im Gegenteil. Im Jahr 2019 begannen 71.300 Menschen eine Ausbildung in einem Pflegeberuf. Das waren 8 % mehr als im Vorjahr und 39 % mehr als noch zehn Jahre zuvor. 44.900 Nachwuchskräfte schlossen 2019 ihre Ausbildung in einem Pflegeberuf erfolgreich ab – auch hier gab es einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr (+3 %) und im Zehnjahresvergleich (+25 %).

 

 

 

 

 

Zahl der anerkannten Auslandsabschlüsse in der Krankenpflege seit 2013 kontinuierlich gestiegen 

Die wachsende Zahl Auszubildender hat nichts daran geändert, dass die Bundesregierung seit Jahren einen Fachkräftemangel in allen Pflegeberufen konstatiert. Um diesen auszugleichen, wird verstärkt auf Pflegekräfte aus dem Ausland gesetzt. Allein 2019 wurden 15.500 ausländische Abschlüsse in der Gesundheits- und Krankenpflege anerkannt – 49 % mehr als im Jahr zuvor. Im Vergleich zum Jahr 2013 – dem ersten Jahr seit Start der Erhebung – hat sich die Zahl mehr als versechsfacht (2.400). Im Jahr 2019 wurden knapp zwei Drittel der anerkannten Abschlüsse in Europa (9.700) gemacht, knapp ein Drittel in Asien (4.500). Am häufigsten hatten die Gesundheits- und Krankenpflegekräfte, die in Deutschland arbeiten wollten, ihre Ausbildung auf den Philippinen (2.900 anerkannte Abschlüsse), in Bosnien und Herzegowina (2.300) sowie in Serbien (2.000) absolviert.

In der Altenpflege, in der vielfach auch ungelernte Kräfte zum Einsatz kommen, spielt die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse eine deutlich geringere Rolle: 2019 wurde in nur 87 Fällen die im Ausland absolvierte Ausbildung zum Altenpfleger oder zur Altenpflegerin anerkannt.

 

 

Methodischer Hinweis

Die Ergebnisse zur Entwicklung der Bruttomonatsverdienste basieren auf der Vierteljährlichen Verdiensterhebung. Für die Analyse der Verdienste werden Leistungsgruppen gebildet, die eine grobe Abstufung der Arbeitnehmertätigkeiten nach dem Qualifikationsprofil des Arbeitsplatzes darstellen. Die verwendeten Zahlen beziehen sich auf die Leistungsgruppe 3 (Fachkräfte); darin enthalten sind Arbeitnehmer/-innen mit schwierigen Fachtätigkeiten, für deren Ausübung in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung, zum Teil verbunden mit Berufserfahrung, erforderlich ist.

Für die Daten zu Schülerinnen und Schülern sowie Absolventinnen und Absolventen und Abgängerinnen und Abgängern erfolgte mit dem Schuljahr 2012/13 die Umstellung von der Klassifikation der Berufe (KldB) 1992 auf die KldB 2010, wodurch die zeitliche Vergleichbarkeit teilweise beeinträchtigt ist. Unter Anfänger/-innen sind die Personen erfasst, die als Schüler/-innen in Pflegeberufen im 1. Schuljahrgang gemeldet sind.

 


Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 11.05.2021 (tB).

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