Elisabeth Hübler-Umemoto, Pfarrerin der Evangelischen Kirche von Westfalen, ist seit Augsut 2003 von der Evangelischen Kirche in Deutschland als Auslandspfarrerin nach Tokio entsandt. Sie ist mit einem japanischen Theologen verheiratet. Das Ehepaar hat einen Sohn, der die japanische Schule besucht. Die Pfarrerin betreut die 1885 gegründete Gemeinde, deren Kirchengebäude im Stadtteil Gotanda liegt. Photo: EKD„Man kann im Grunde nur hoffen und beten“

Pfarrerin Elisabeth Hübler-Umemoto berichtet aus der deutschsprachigen Gemeinde in Tokyo

Tokyo, Japan (14. März 2011) – Seit 2003 leitet die westfälische Pfarrerin Elisabeth Hübler-Umemoto die deutschsprachige Auslandsgemeinde der EKD in Tokyo. Aus Japan berichtete sie am vergangenen Sonntag über das, was nach dem schweren Erdbeben und dem Tsunami kam:

„Liebe Freundinnen und Freunde, ab Morgen wird stundenweise der Strom abgeschaltet, deshalb melde ich mich jetzt noch einmal. Inzwischen sind die meisten deutschen Familien weggefahren. Die Firmen möchten ihre Mitarbeiter auch möglichst in Sicherheit wissen.

Wir hören weiterhin die aktuellen Nachrichten von den Kernkraftwerken, warten und hoffen, dass wir nicht evakuiert werden müssen. Die Menschen sind weiterhin gelassen. Man kann im Grunde nur hoffen und beten, dass die Experten ihre Arbeit erfolgreich tun.

Inzwischen sehen wir Bilder von Menschen, die glücklich sind, am Leben zu sein, bzw. sich wieder zu sehen, von Menschen, die gerettet werden.

Auch von Menschen, die verzweifelt ihre Angehörigen suchen, in den Notunterkünften nachfragen und sich dann gegenseitig Mut geben: Gambatte kudasai! Halten Sie sich so gut Sie können! Und der Angesprochene bedankt sich für diese Ermunterung.

Ja, man ist hier mit Durchhalten beschäftigt. An vielen Orten sind jetzt große Räummaschinen zu sehen, die Aufräumarbeiten haben begonnen. Traurige erste Pflicht ist dabei das Auffinden der Toten unter all den unglaublichen Trümmern.

Zum ersten Mal wird mir deutlich, warum die japanische Kultur so oft eine Atmosphäre der Traurigkeit enthält. Japanische Bücher, zumal ins Deutsche übersetzt, haben oft eine etwas hölzerne, fatalistische, nüchterne, Einsamkeit ausstrahlende Grundstimmung. Das ist nicht die Überalterung der Gesellschaft, die manches hier wie mit grauer Patina überzogen erscheinen lässt, vielleicht auch die. Das ist nicht nur die Unübersetzbarkeit der japanischen Sprache, in der einzelne Buchstaben der grammatischen Form tiefes Gefühl ausdrücken. Aber eine Nation, die solche Katastrophen erlebt und damit weiterlebt, trägt etwas davon in der Seele.

Inzwischen gibt uns ein Sender Tipps, wie wir bei Stromsperre unsere Lebensmittel retten und andere Hilfen.

Man ist einfach pragmatisch. Eine Freundin sagte mir eben am Telefon, dass sie die Bilder aus Japan in Tränen aufgelöst verfolgt und es kaum erträgt.

Wir hier sind mehr mit der Anspannung beschäftigt, mitzubekommen, was jetzt zu tun ist, Entscheidungen zu treffen, Gottesdienst vorzubereiten, Telefonate zu führen, alle zu informieren. Das Entsetzen ist so groß und so nah, dass ich es nicht fühlen kann. Es passt in eine Seele nicht hinein.

Vor zwei Tagen hatte ich ein Gespräch mit einem Gemeindeglied, das ganz aufgelöst davon erzählte, wie gespenstisch es sich anfühlt, weiter zu funktionieren, zu arbeiten wie immer während gleichzeitig Menschen sterben, Welten zusammen brechen, nichts mehr so ist wie vorher.

Was ist wichtig in solchen Erfahrungen? Ist unser sonst so wichtiges Leben und Geldverdienen und Beherrschen und Gestalten nicht einfach nur äußerlich? Ganz nichtig, ganz eitel?

Der Prediger Salomo fällt mir ein: alles ist eitel und ein Haschen nach Wind.

Die Parameter verschieben sich. Das eigentlich Wichtige sind die anderen Menschen, sind die Beziehungen, der direkte Kontakt, das miteinander Teilen von Gedanken, Gefühlen, das Sich gegenseitig erzählen, wie es mir ergeht.

Und dennoch machen wir weiter, tun, was uns aufgetragen ist und beten um die Gegenwart Gottes, die uns Kraft und Gelassenheit gibt. Begeben uns in die Obhut des Unverfügbaren. In einer Hörpredigt hörte ich dazu den Kommentar: Mehr haben wir nicht: Beten und tun, was uns aufgetragen ist.

Mehr nicht, aber das ist nicht wenig.“

Elisabeth Hübler-Umemoto, Pfarrerin der Evangelischen Kirche von Westfalen, ist seit Augsut 2003 von der Evangelischen Kirche in Deutschland als Auslandspfarrerin nach Tokio entsandt. Sie ist mit einem japanischen Theologen verheiratet. Das Ehepaar hat einen Sohn, der die japanische Schule besucht. Die Pfarrerin betreut die 1885 gegründete Gemeinde, deren Kirchengebäude im Stadtteil Gotanda liegt.


Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), 14.03.2011 (tB).

HERRNHUTER LOSUNGEN

MEDICAL NEWS

After old age, intellectual disability is greatest risk factor for…
New Corona test developed
Smoking cessation drug may treat Parkinson’s in women
Meeting highlights from the Committee for Medicinal Products for Human…
Using face masks in the community: first update – Effectiveness…

SCHMERZ PAINCARE

Projekt PAIN2020: Wir nehmen Schmerzen frühzeitig ernst. Jetzt für alle…
Wechselwirkung zwischen psychischen Störungen und Schmerzerkrankungen besser verstehen
Lisa Olstein: Weh – Über den Schmerz und das Leben
Wie ein Schmerz den anderen unterdrückt
Opioidtherapien im palliativen Praxisalltag: Retardierte Analgetika zeigen Vorteile

DIABETES

Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und…
Neue Studie will Entstehung von Typ-1-Diabetes bei Kindern verhindern
Toujeo®: Ein Beitrag zu mehr Sicherheit für Menschen mit Typ-1-Diabetes
Diabetes: Neue Entdeckung könnte die Behandlung künftig verändern
Für Menschen mit Typ-2-Diabetes: Fixkombination aus Basalinsulin und GLP-1-Analogon

ERNÄHRUNG

Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…
Fast Food, Bio-Lebensmittel, Energydrinks: neue Daten zum Ernährungsverhalten in Deutschland

ONKOLOGIE

Krebsüberleben hängt von der Adresse ab
Vitamin D-Supplementierung: möglicher Gewinn an Lebensjahren bei gleichzeitiger Kostenersparnis
Konferenzbericht: Aktuelle Daten aus der Hämatologie vom ASH 2020
Anzeige: Aktuelle Daten zur Therapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
Aktuelle Daten zu Apalutamid und Abirateron in der Therapie des…

MULTIPLE SKLEROSE

Erste tierexperimentelle Daten zur mRNA-Impfung gegen Multiple Sklerose
Multiple Sklerose: Immuntherapie erhöht nicht das Risiko für schweren COVID-19-Verlauf
Empfehlung zur Corona-Impfung bei Multipler Sklerose (MS)
Fallstudie: Beeinflusst SARS-CoV-2 Infektion die Multiple Sklerose?
Multiple Sklerose: Novartis’ Siponimod verzögert Krankheitsprogression und Hirnatrophie bei aktiver…

PARKINSON

Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit
Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…