Manche unerwünschten Wirkungen von Arzneimitteln fallen erst nach längerer Anwendung auf
Patientinnen und Patienten sollen rasch Zugang zu neuen Medikamenten haben – aber auch die damit verbundenen Risiken kennen

Berlin (17. Dezember 2009) – Wenn jemand erkrankt, kann eine medizinische Behandlung häufig Linderung verschaffen. Wird bei der Therapie jedoch ein neueres Medikament angewendet, sind einige Nebenwirkungen noch nicht bekannt. Denn bei einem von fünf Medikamenten werden wichtige Sicherheitsprobleme vor der Zulassung nicht entdeckt. Darauf weist das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in seinen auf Gesundheitsinformation.de veröffentlichten Informationen hin.

Von unerwünschten Wirkungen oder Nebenwirkungen spricht man, wenn ein Medikament einen Schaden verursacht. Bei einer Impfung kann beispielsweise die Injektionsstelle rot werden und jucken. Manchmal reagiert der ganze Körper auf eine Behandlung, etwa mit Übelkeit oder Schwindel. Möglich ist auch, dass sich die behandelte Krankheit nicht bessert, sondern verschlimmert und neue Symptome auftreten.

Unerwünschte Wirkungen lassen sich nicht vollständig vermeiden

Wer sich mit den möglichen unerwünschten Wirkungen eines Arzneimittels beschäftigt, ist oft verunsichert. Lohnt sich eine Therapie angesichts der im Beipackzettel genannten möglichen Risiken überhaupt? "Jedes Medikament, das helfen kann, kann auch schaden – wichtig ist, dass man die möglichen Risiken kennt", stellt Professor Dr. med. Peter Sawicki, der Leiter des IQWiG, nüchtern fest. Während ältere Medikamente in der Regel gut untersucht sind und man deren erwünschte und unerwünschte Wirkungen weitgehend kennt, ist dies bei neueren Medikamenten meist nicht der Fall. "Wenn man die Wahl hat, sollte man altbewährte Medikamente bevorzugen."

"Für Menschen mit ernsthaften Erkrankungen, die sich nicht gut behandeln lassen, ist es aber wichtig, dass sie rasch Zugang zu neuen Medikamenten erhalten", so Sawicki. "Doch Patientinnen und Patienten müssen wissen, dass sie ein gewisses Risiko in Kauf nehmen, wenn sie sich für ein neues Arzneimittel entscheiden. Vor allem seltene oder erst nach längerer Anwendung auftretende unerwünschte Wirkungen eines Medikamentes werden oft erst bekannt, wenn ein Präparat schon erhältlich ist. Aber auch häufigere Nebenwirkungen können anfangs übersehen werden."

Durch Nebenwirkungen nicht zu schnell von einer Behandlung abschrecken lassen

Auf der anderen Seite können Medikamente und andere Behandlungsmethoden Beschwerden oft deutlich lindern und die Lebensqualität verbessern. Daher spricht einiges dagegen, sich nur aus Furcht vor möglichen unerwünschten Wirkungen gegen eine Behandlung zu entscheiden. "Die Folgen einer unterlassenen Behandlung können viel schwerwiegender sein als die unerwünschten Wirkungen einer Therapie", gibt Sawicki zu bedenken. Außerdem verschwinden die meisten Nebenwirkungen wieder, wenn man das Medikament absetzt. "Um die für sich persönlich beste Versorgung zu erhalten, ist es wichtig, sich gut zu informieren und den möglichen Nutzen und Schaden einer Therapie gegeneinander abzuwägen."


Quelle: Pressemitteilung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vom 17.12.2009 (tB).

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