Martin Dichter

Unsere Pflegeausbildung lässt sich nicht in die Philippinen „outsourcen“

Hannover (9. November 2016) – Verschiedene Medien, u.a. das Deutsche Ärzteblatt, Spiegel Online und der Focus, berichten aktuell, dass die Bundesagentur für Arbeit beabsichtige, künftig aktiv und verstärkt Pflegefachpersonen aus den Philippinen anzuwerben und in Deutschland zu beschäftigen. Diverse Modelle, wie beispielsweise das seit 2012 laufende Projekt Triple Win von der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, arbeiten bereits mit dem Ziel, im Ausland qualifizierte Pflegefachpersonen nach Deutschland zu vermitteln. Die aktuelle Berichterstattung wärmt einen als Problemlösung diskutierten Ansatz auf, der seitens professionell Pflegender in Deutschland insbesondere im Kontext des aktuellen Reformstillstands nicht zielführend ist.

„Die aktive Anwerbung ausländischer Pflegefachpersonen stellt keinesfalls per se eine Strategie dar, um einem Pflegepersonalmangel hierzulande nachhaltig zu begegnen“, so Martin Dichter, Vorsitzender des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest e.V. Nachhaltig wären laut Dichter die berufliche Aufwertung und eine konsequente Ausbildungsreform der Pflegeberufe, wie sie aktuell mit dem Gesetzentwurf zum Pflegeberufereformgesetz (PflBRefG) vorliegt. „Deutschland ist europäisches Schlusslicht in der Pflegebildung und anstatt dies zu ändern, wird versucht Pflegefachpersonen im Ausland zu gewinnen, und damit quasi den eigenen Bildungsauftrag outzusourcen“, so Dichter.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Anwerbung und Integration ausländischer Pflegefachpersonen grundsätzlich gelingen könne, dies unter den aktuellen prekären Arbeitsbedingungen jedoch nicht möglich sei. Dichter: „Treffen gut ausgebildete ausländische Pflegefachpersonen in Deutschland auf Rahmenbedingungen, die sich nicht mit ihrem Verständnis professioneller Pflege vereinbaren lassen, so buchen sie ihr Rückflugticket oder gehen in ein anderes Land mit besseren Rahmenbedingungen“.

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Auch vor dem Hintergrund der häufig negativen Wirkung der Migration von Pflegefachpersonen für die jeweiligen Gesundheitssysteme der Herkunftsländer kann die Anwerbung von Pflegefachpersonen im Ausland keine Lösungsstrategie für den hierzulande herrschenden Pflegenotstand sein. Der eklatante Mangel an gut ausgebildetem Pflegepersonal in Deutschland ist auf Jahrzehnte währende Versäumnisse von Politik, Arbeitgebern und Kostenträgern zurückzuführen. Die Lösung des Problems muss innerhalb Deutschlands gefunden werden.

Dichter fordert im Namen des DBfK Nordwest e.V. deshalb, dass die innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte erarbeitete Ausbildungsreform der Pflegeberufe jetzt endlich konsequent umgesetzt wird. Hierzu hat vor allem die CDU/CSU Fraktion im Deutschen Bundestag ihre Blockadehaltung zum Pflegeberufereformgesetz unverzüglich aufzugeben.


Quelle: Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe, DBfK Nordwest e.V. , 09.11.2016 (tB).

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