Mit Bewegungs- und Hörtraining gegen Alzheimer vorgehen

Wissenschaftler suchen 150 Teilnehmer für Studie

 

Konstanz (31. Juli 2009) – Das kennen alle nur zu gut: Der Schlüssel ist plötzlich verlegt. Wir können uns plötzlich nicht mehr an einen Namen erinnern oder die Geheimzahl von der Bankkarte ist aus unserem Gedächtnis verschwunden – ganz normale Vergesslichkeit. Die einen sind mehr, die anderen sind weniger betroffen, und zwar in allen Altersgruppen.

Aufmerksam sollten wir werden, wenn sich plötzlich massivere Veränderungen einstellen, das Gedächtnis aus Sicht der Betroffenen oder Angehörigen merklich schlechter geworden ist als im vergangenen Jahr oder ein Mensch sich plötzlich in seiner gewohnten Umgebung nicht mehr zurechtfinden kann, gewohnte Gegenstände nicht mehr benennen kann. Dann ist der Gang zum Neurologen angeraten. Bei älteren Menschen kann unter Umständen eine langsam beginnende Alzheimer-Demenz vorliegen.

Alzheimer kann ganz unterschiedliche Ausprägungen haben: Gedächtnisstörungen können ebenso auftreten wie Orientierungslosigkeit und Gereiztheit. Sprachstörungen oder auch starke Veränderungen der sozialen Verhaltensweisen können im weiteren Voranschreiten noch hinzukommen. Auch starke Stimmungsschwankungen können ein Symptom sein. Bislang kann die Alzheimer-Demenz nicht geheilt werden, wohl aber gibt es medikamentöse und nicht-medikamentöse Möglichkeiten, ein Voranschreiten der Krankheit hinauszuzögern. Bereits ab dem 50. Lebensjahr können Alzheimer-Erkrankungen auftreten und unsere Gesellschaft wird zunehmend älter. Immer mehr ältere Menschen erkranken an Alzheimer. Im Jahr 2020 sollen laut Schätzungen allein in Deutschland etwa 1,5 Millionen Menschen von der bisher nicht heilbaren Demenzart betroffen sein – eine Herausforderung für Angehörige und Gesundheitssystem.


Ein Forscherteam aus Neuropsychologen, Sportwissenschaftlern und Chemikern der Universität Konstanz sowie Neurologen der Universität Ulm geht jetzt in einer Studie der Frage nach, inwieweit ein wissenschaftlich fundiertes, computerbasiertes Hörtraining und ein körperliches Bewegungstraining das Voranschreiten einer beginnenden Demenz hinauszögern oder gar aufhalten können. Gefördert wird das Projekt, an dem insgesamt 150 Probanden in Konstanz und Ulm teilnehmen können, von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und der EU.

Diplompsychologin Franka Glöckner sagt: "Wir wollen mit der Studie Menschen mit Alzheimer und ihren Angehörigen auch Mut machen, sich mit der Krankheit auseinandersetzen. Dabei suchen wir zum einen nach Versuchsteilnehmern, bei denen eine leichte Form von Alzheimer bereits diagnostiziert wurde. Zum anderen wollen wir ältere Menschen erreichen, die noch nicht dement sind, aber bei sich feststellen: Ich vergesse immer mehr. Ich verhalte mich ganz anders. Ich suche ständig nach Begriffen, die ich früher mühelos abrufen konnte."

Bereits jetzt ist aus zahlreichen Studien bekannt, dass sowohl das computerbasierte Hörtraining als auch körperliche Bewegung bei gesunden Senioren sehr positive Effekte auf deren kognitive Leistungsfähigkeit erzielen kann.

Im Rahmen der Studie erhalten die Teilnehmer/innen kostenfrei

 

  • eine Umfassende neuropsychologische und psychodiagnostische Untersuchung,
  • eine kernspintomographische Untersuchung (MRT) des Gehirns,
  • Blutuntersuchungen,
  • die Möglichkeit zur Nervenwasseruntersuchung mittels Lumbalpunktion für eine genauere Prognoseerstellung bzgl. des Krankheitsverlaufs sowie zu Forschungszwecken,
  • die Möglichkeit der Teilnahme an einem entsprechenden Training über 10 Wochen (ggf. nach Wartezeit),
  • direkte Betreuung über den gesamten Verlauf des Trainings und der Studie.

 

Interessierte Personen, die gerne an den Trainings und der Studie teilnehmen wollen und denen dies zeitlich möglich ist, können sich bei der Studienkoordinatorin melden. Studienteilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 60 Euro. Studienbeginn ist Juli 2009 bis Ende 2010. Die Patientendaten werden ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken gespeichert und nicht an Dritte weitergegeben.

Weitere Informationen

Franka Glöckner, Dipl. Psych.
Klinische Psychologie und Klinische Neuropsychologie
Universitätsstraße 10
D-78457 Konstanz
Fon +49 7531 88-4630
Fax +49 7531 88-4601
Franka.Gloeckner@uni-konstanz.de

Informationsmaterial für den Standort Konstanz finden Sie auch bei niedergelassenen Ärzten.

Eine multizentrische Studie gefördert von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (http://www.haw.uni-heidelberg.de/ ) und der EU.



 

Quelle: Pressemitteilung der Universität Konstanz vom 31.07.2009.

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