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Mit den Flavonolignanen der Mariendistel gegen Hepatitis C und NASH

 

München (4. August 2011) – Silymarin, der Wirkstoff der Mariendistel mit der Hauptkom­ponente Silibinin, verfügt über wesentliche, bei der Behandlung von Lebererkrankungen relevante pharmakodynamische Eigenschaften. Die Substanz weist unter anderem deutliche antioxidative, antiinflammatorische, antifibrotische und regenerative Effekte auf. Neue Daten zeigen, dass Silibinin (Legalon® SIL) auch Hepatitis C Viren erfolgreich bekämpft. Der Einsatz von Silymarin (Legalon® forte) bei NASH (nichtalkoholische Steatohepatitis) wird aktuell in Multicenterstudien getestet.

 

Ein Team um Professor Peter Ferenci (Wien) überraschte 2008 die Fachwelt mit spektakulären Pilotdaten, so Professor Thomas Berg (Berlin). Eine intravenöse Silibiningabe (Legalon® SIL) hemmte dosisabhängig die Replikation des Hepatitis C Virus (HCV) signi-fikant bei Patienten, die nicht auf die Standardtherapie mit pegyliertem Interferon und Ribavirin angesprochen hatten. Der hinter dem Phänomen stehende Wirkmechanismus wird zur Zeit intensiv erforscht. Bisher konnte durch in vitro Untersuchungen gezeigt werden, dass  Silibinin die HCV-Replikation durch direkte Blockade der NS5B RNA-abhängigen RNA-Polymerase-Aktivität hemmt. Voraussetzung für eine therapeutische Wirkung beim HCV-Patienten ist eine entsprechend hohe Dosierung (20 mg/kg Körpergewicht).

 

Es wird vermutet, dass das Flavonolignangemisch Silymarin in der Lage ist, weitere wichtige Phasen des HCV-Vermehrungszyklus zu beeinflussen, erklärte Berg, wie beispielsweise das Eindringen in die Wirtszelle und die Virusübertragung. Außerdem verfügt Silymarin über immunologische Effekte. Es konnte in vitro gezeigt werden, dass es die Proliferation der T-Zellen und die Zytokin-Bildung beeinflusst. Oral zugeführtes Silymarin zeigte in klinischen Studien bisher keine antiviralen Effekte im zugelassenen Dosisbereich.

 

In Anlehnung an die Arbeit von Ferenci behandelten Berg und Kollegen Patienten, die nur teilweise auf die Standardtherapie ansprachen, erfolgreich mit Silibinin i. v. Hierbei reichte es sogar aus, die Substanz nur wenige Tage zu verabreichen. Darüber hinaus berichtete Berg über die erfolgreiche Silibinin-Monotherapie zur Verhinderung einer frühzeitigen HCV-Wiedererkrankung nach einer orthotopen Lebertransplantation (OLT). Allerdings geht Berg davon aus, dass eine niedrige Viruslast vor der Transplantation notwendig ist, damit die Silibinin-Monotherapie nachhaltig anspricht. Insgesamt seien die vorliegenden Einzel­befunde beeindruckend und regten zu weiteren Studien an. Die klinischen Erfolge mit intravenös verabreichtem Silibinin bei schwierig zu behandelnden HCV-Patienten unterstützen das Konzept einer interferonfreien HCV-Therapie mit einer gezielt antiviral wirkenden Substanz, so das Resümee von Berg.

 

 

Anwendung von oralem Silymarin bei NASH wird in Multicenterstudie getestet

 

Die nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH) entsteht auf dem Boden einer nicht-alkoholischen Fettleber (NAFLD). Eine wesentliche Rolle bei der NASH-Entstehung spielt oxidativer Stress, erläutert Dr. Victor J. Navarro (Philadelphia, USA): Pathophysiologisch bedeutsam hierfür ist eine Insulinresistenz. Sie bedingt, dass sich in der Leber Lipide anreichern; es kommt zu oxidativem Stress und einer Lipidperoxidation. Entzündungs­fördernde Substanzen werden freigesetzt, die zu Zelluntergang (Apoptose) führen. Durch die Zunahme der Apoptose entwickelt sich eine NASH. Die Erkrankung ist mit entzündlichen Prozessen und der pathologischen Vermehrung von Bindegewebe  assoziiert, das nach und nach die untergegangenen Leberzellen ersetzt (Fibrose). Es besteht dabei das Risiko der Entwicklung einer progressiven Lebererkrankung, die zu einer Leberzirrhose führen kann – was bei ungefähr 20 Prozent der Betroffenen innerhalb von 10 Jahren der Fall ist. Da Patienten mit NAFLD und NASH in der Regel ein Metabolisches Syndrom oder zumindest einzelne Komponenten dieses Symptom­komplexes aufweisen, können normalerweise eine reduzierte Kalorienzufuhr und erhöhte körperliche Aktivität über eine Gewichtsreduktion therapeutische Effekte erzielen. Inzwischen wurde eine ganze Reihe von Medikamenten bezüglich ihres Einflusses auf die Verbesserung der klinischen Parameter für den Zustand der Leber getestet. Antioxidantien, wie die Vitamine C, E oder auch Betaine konnten in klinischen Untersuchungen bei der Behandlung einer NASH erfolgreich unterstützend eingesetzt werden. Eine Gruppe von amerikanischen Wissenschaftlern initiierte deshalb eine multizentrische Studie, die vom amerikanischen National Institute of Health gesponsert wurde. Im Rahmen der Studie sollten Wirkung und klinischer Nutzen von oralem Silymarin bei NASH geprüft werden ("SyNCH"-Trial). Eine Phase-I-Studie belegte zunächst die Sicherheit und Verträglichkeit und ermittelte mit Hilfe von pharmakokinetischen Untersuchungen die zu erwartende wirksame Dosierung von Silymarin bei Patienten mit nicht-zirrhotischer NASH. In der anschließend gestarteten placebokontrollierten Phase-II-Studie wird die Wirkung von Silymarin in unterschiedlichen Dosierungen anhand des NASH Aktivitäts-Grades untersucht.

 

Das Fazit von Navarro: Bei Silymarin (Legalon® forte) handelt es sich um ein Antioxidans, das von NASH- Patienten in hohen Dosen sehr gut vertragen wird. Die Studienergebnisse werden Mitte 2013 erwartet. 

 

 

Rottapharm l Madaus GmbH

 

Seit 01.03.2010 vereint die in Köln ansässige Rottapharm l Madaus GmbH unter einem Dach die Stärken der deutschen Traditionsunternehmen Opfermann Arzneimittel GmbH, Madaus GmbH sowie der italienischen Rottapharm-Gruppe. Als Teil eines international agierenden Familien­unternehmens verfügt die Rottapharm l Madaus GmbH dank der langjährigen Expertise in den Kompetenzfeldern „Orthopädie“, „Gynäkologie“, „Urologie“ und „Phytophar­maka“ über eine Vielzahl wissenschaftlich belegter Produkte und etablierter Marken in pharmazeutischer Qualität. Während die Rottapharm l Madaus GmbH für den Vertrieb dieser Produkte in Deutschland verantwortlich zeichnet, ist die Madaus GmbH auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung aktiv und produziert am Standort Troisdorf nach modernsten Qualitätsanforderungen Produkte für den Weltmarkt.

 


 

Quelle: Internationaler Leberkongress 2011 anlässlich der 46. Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft zum Studium der Leber (EASL) in Berlin; Satelliten-Symposium: „Silymarin/Silibinin: Updates on the medical management of HCV and NASH“, 2. April 2011 (AdLexis) (tB).

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