Möglicher Zusammenhang zwischen Schlaf-Wach-Rhythmus und Diabetes entdeckt

Neue Genvariante beeinflusst den Blutzuckerspiegel über den Melatoninhaushalt

 

Neuherberg (15. Januar 2009) – Einem internationalen Forscherteam mit deutscher Beteiligung unter anderem durch das Helmholtz Zentrum München ist es gelungen, eine neue Genvariante zu identifizieren, die mit höheren Blutzuckerspiegeln und einem erhöhten Typ 2 Diabetes-Risiko verbunden ist.
Das Gen beeinflusst die Insulinfreisetzung indirekt über den Melatoninspiegel, was auf einen bislang unbekannten Zusammenhang zwischen Schlaf-Wach-Rhythmus und Blutzuckerspiegel hindeutet. Der Befund könnte neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen, die weit über die bisher weitgehend symptomatischen Therapieansätze von Diabetes hinausgehen.

 

Diabetes mellitus und diabetesassoziierte Spätkomplikationen gehören weltweit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen und Todesursachen. In Deutschland leiden etwa sechs Millionen Menschen an Typ 2 Diabetes, die von ihrer Erkrankung wissen, hinzu kommt eine relativ hohe Dunkelziffer unerkannter Diabetiker. Neben Lebensstilfaktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel spielen genetische Ursachen eine wichtige Rolle in der Entstehung dieser Erkrankung.

Das internationale MAGIC-Consortium (MAGIC = Meta-Analyses of Glucose and Insulin-related traits Consortium) hat Daten aus 13 Fall-Kontroll-Studien mit über 18.000 diabetischen und 64.000 nichtdiabetischen Studienteilnehmern kombiniert und konnte eine Variante des MTNR1B-Gens identifizieren, die sowohl mit höheren Blutzuckerspiegeln als auch erhöhtem Typ 2 Diabetes-Risiko verbunden ist. Ziel des MAGIC-Consortiums ist es, Genvarianten zu identifizieren, die den Blutzuckerspiegel in gesunden Personen bestimmen. Die Studienergebnisse sind im Januar-Heft von Nature Genetics veröffentlicht*.

Deutschland ist im Rahmen der KORA-Studien durch Wissenschaftler des des Helmholtz Zentrums München (PD Dr. Thomas Illig; Leiter der KORA-Studien: Prof. Dr. H.-Erich Wichmann) und des Deutschen Diabetes-Zentrums in Düsseldorf (Dr. Wolfgang Rathmann, Dr. Christian Herder; Direktor: Prof. Dr. Michael Roden) vertreten.

Das MTNR1B-Gen wird unter anderem in insulinproduzierenden Inselzellen exprimiert und kodiert für einen der beiden bekannten Melatonin-Rezeptoren. Man nimmt an, dass dieser über das Neurohormon Melatonin die Insulinfreisetzung hemmt. Melatoninspiegel im Körper sind nachts hoch und fallen bei Tageslicht ab, während Insulinspiegel tagsüber höher sind als in der Nacht. Insgesamt deuten diese neuen Daten auf eine Verbindung zwischen dem Schlaf-Wach-Rhythmus, dem so genannten zirkadianem Rhythmus, und dem Blutzuckerspiegel hin, die bislang nicht bekannt war.

Bislang fehlt es in der Diabetesforschung an effizienten Strategien zur Prävention als auch an Therapien zur kausalen Behandlung der Patienten. Das Helmholtz Zentrum München arbeitet intensiv an neuen Ansätzen in der Erforschung und Behandlung von Diabetes. Weitere Studien werden nun zeigen, welche Rolle Melatonin in der Regulation von Insulinfreisetzung, Blutzuckerspiegeln und Diabetesentwicklung spielt und ob dieser Befund neue Behandlungsoptionen ermöglicht.

*Inga Prokopenko et al. Variants in MTNR1B influence fasting glucose levels. Nature Genetics 2009, 41: 77-81 Online-Publikation (doi 10.1038/ng.290)
http://www.nature.com/ng/journal/v41/n1/abs/ng.290.html


 

Quelle: Presseinformation des Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt vom 15.01.2009.

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung