Prof. Reichmann auf dem DGN-Kongress 2011. Photo: Orion PharmaMorbus Parkinson: Therapie nach dem Honeymoon

 

Flexible Wearing-off-Therapie mit Stalevo®

 

Wiesbaden (29. September 2011) – Aktuelle Fragen zur Therapie des Morbus Parkinson und seiner Komplikationen wurden auf einem Satellitensymposium im Rahmen des DGN-Kongresses 2011 diskutiert.1 Nachdem die motorischen und nicht-motorischen Symptome eines Wearing-off die Patienten in ihrer Alltagsbewältigung und Lebensqualität stark beeinträchtigen können, sollte ihre Erkennung im Behandlungsalltag verbessert werden. Eine wichtige therapeutische Option besteht in der individuellen Anpassung der Medikation durch das Entacapon-optimierte Levodopa/Carbidopa (LCE, Stalevo®), das dem behandelnden Arzt durch sechs Dosisstärken eine hohe Flexibilität für den Einzelfall bietet. Studien und klinische Erfahrungen zeigen, dass LCE die motorischen Funktionen der Patienten, die Aktivitäten des täglichen Lebens und ihre Lebensqualität bessern können.

 

Nach dem symptomatisch sehr gut behandelbaren Honeymoon stellt die Therapie deutlich höhere Anforderungen an den Arzt. „Leider bleibt die Parkinson-Krankheit nicht so gut behandelbar wie am Anfang“, berichtete Professor Dr. med. Heinz Reichmann von der Neurologischen Klinik der Technischen Universität Dresden. Bereits vor Ablauf eines Jahres können sich Komplikationen wie Wearing-off und Dyskinesien einstellen. Dabei tritt, wie u.a. die Studie ELLDOPA zeigt, ein Wearing-off häufiger und zeitlich zumeist vor Dyskinesien (30% vs. 17% nach neun Monaten 600 mg/d des herkömmlichen Levodopa) auf.2 Reichmann bestätigte aus seinen klinischen Erfahrungen, dass „das Wearing-off ein großes Problem“ ist. Dieses Nachlassen der Wirkung vor Einnahme der nächsten regulären Dosis betrifft dabei keineswegs nur die Beweglichkeit. Die heute immer stärker im Fokus stehenden nicht-motorischen Symptome (NMS), darunter Schmerzen, Verlangsamung des Denkens, Depressivität, Angst oder vegetative Funktionsstörungen wie vermehrtes Schwitzen etc. können am Ende des regulären Dosisintervalls ebenfalls zunehmen.

 

 

Plasmaspiegeltäler vermeiden, Lebensqualität gewinnen

 

Mit dem auch heute noch symptomatisch wirksamsten Parkinson-Medikament Levodopa erzielen wir „hervorragende Ergebnisse“, so Reichmann. Komplikationen wie Wearing-off und Dyskinesien gehen in erster Linie auf den fortschreitenden Verlust der dopaminergen Neuronen zurück. Mit Abnahme der Speicherfähigkeit für den Neurotransmitter im Gehirn werden dessen Konzentrationen zunehmend vom Levodopa-Blutplasmaspiegel abhängig, die umso stärker schwanken, je „unkontrollierter die Medikamente anfluten“, so Reichmann in Wiesbaden. Unter herkömmlichen Levodopa-Präparaten kommt es dabei insbesondere zu tiefen Tälern („Troughs”) der Plasmakonzentrationen des Medikaments, die sich in fortgeschrittenen Parkinson-Stadien unmittelbar auf die Konzentrationen des Dopamin im Gehirn auswirken. Mit dem Ziel einer möglichst tonischen Stimulation der Dopaminrezeptoren „sollte man physiologischerweise wenig Schwankungen in den Dopaminspiegeln haben“.

 

Dass eine mehrmals am Tag zunehmende Symptomverschlechterung die Alltagsverrichtungen der Patienten und deren Lebensqualität beeinträchtigen, ist durch Studien belegt.3,4 In der Tat beurteilten in einer Untersuchung 55% der Patienten ein Wearing-off als das größte Problem im Rahmen ihrer Levodopa-Behandlung, Dyskinesien dagegen nur 23%.5

 

 

Therapieoptimierung nach dem Honeymoon

 

Sobald Komplikationen auftreten, ist eine auf den Einzelfall maßgeschneiderte Medikation erforderlich, um die Symptome weiterhin gut zu beherrschen und die Lebensqualität zu erhalten. Ein Wearing-off markiert das Ende des Honeymoon, so Reichmann, und der Zeitpunkt zur Anpassung der Medikamente sollte im Interesse des Patienten nicht verpasst werden. Zur Therapie des Wearing-off zugelassen und in den Leitlinien der DGN als eine First-line-Option empfohlen, kann LCE die  Plasmahalbwertszeit des Wirkstoffs verlängern und die Troughs seiner Plasmaspiegel gegenüber herkömmlichem Levodopa deutlich verringern.6 Dies belegen u.a. die höheren Cmin-Werte in einer pharmakokinetischen Studie.7 Dass die „Triple-Therapie“ mit LCE zu maßgeblich verringerten Off-Zeiten und entsprechend längeren Zeiten der Patienten im On führt, ist gut belegt. Daneben können sich, wie Reichmann anhand einer neueren Studie erläuterte, auch die im Rahmen eines Wearing-off auftretenden NMS deutlich verringern.4

 

 

Flexible Therapie durch sechs Dosisstärken

 

Von großer praktischer Bedeutung für die individuelle Anpassung der Therapie mit dem optimierten Levodopa ist, dass LCE mittlerweile in einem großen Dosisspektrum zur Verfügung steht. Der Arzt kann heute unter sechs Stärken wählen, die 50, 75, 100, 125, 150 oder 200 mg Levodopa enthalten. Nach Reichmanns Erfahrungen geht es Patienten mit Wearing-off-Symptomen häufig am Morgen am schlechtesten. Um dem entgegenzuwirken, verwendet er morgens eine höhere Dosis von Stalevo® (z.B. um 25 mg Levodopa) und senkt die weiteren Tagesdosen etwas ab. Dieses Vorgehen, das „bei mir in der Praxis gut funktioniert” und „ich mittlerweile ziemlich konsequent mache“, so der Dresdner Neurologe, wird untermauert durch die Pharmakokinetik-Studie NEWSTA.8

 

 

Fragebogen erleichtert frühzeitige Diagnosestellung

 

Angesichts wirksamer Behandlungsmöglichkeiten bedauerte Reichmann, dass ein beginnendes Wearing-off bisweilen übersehen wird. Zur Erkennung im Behandlungsalltag hat sich der Einsatz eines geeigneten Screeninginstrumentes wie der Wearing-off-Questionnaire mit 9 Items (WOQ-9) bewährt. Dieser einfache, aber wirkungsvolle Fragebogen wurde in einem langen Validierungsprozess entwickelt und fragt mit hoher Sensitivität sowohl die wichtigsten motorischen als auch nicht-motorischen Symptome ab.9 Nach Reichmann lässt sich der WOQ-9 ohne großen Aufwand im Wartezimmer von den Patienten ausfüllen. So kann dieser Fragebogen folglich dazu beitragen, dass die Patienten rechtzeitig behandelt werden. Denn „wenn Sie bei einem Patienten ein Wearing-off feststellen“, empfahl Reichmann abschließend, „ist es vernünftig, früh eine Veränderung der Therapie herbeizuführen.“

 

 

Quellen

  1. Satellitensymposium „Parkinson: neue Daten und Therapieoptionen“ im Rahmen der 84. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) am 29.9.2011 in Wiesbaden
  2. Parkinson Study Group, N Engl J Med 2004; 351: 2498- 2508
  3. Chapuis S et al., Mov Disord 2005; 20(2): 224-230
  4. Eggert K et al., J Neural Transm 2010; 117: 333-342
  5. Lieberman AN et al., Eur J Neurol 2004; 11 (Suppl 2): 109
  6. Diener HC, Putzki N (Hrsg.). Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, 4. überarbeitete Auflage, Thieme Verlag 2008, Seite 82–112
  7. Kuoppamäki M et al., Eur J Clin Pharmacol 2009; 65: 443-455
  8. Ingman K et al., Poster P36.05 beim 2. World Parkinson Congress, 2010
  9. Stacy M, J Neural Transm 2010; 17: 837-846

 


Quelle: Satellitensymposium der Firma Orion Pharma zum Thema „Parkinson: neue Daten und Therapieoptionen“ im Rahmen der 84. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) am 29.9.2011 in Wiesbaden (tB).

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