Multiple Sklerose Forschung:

Möglicher Therapieansatz entdeckt

 

Düsseldorf  (8. Juni 2009) – Die Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), bei der das fehlgeleitete Immunsystem die Markscheiden des Gehirns und Rückenmarks angreift und zerstört. Wie nun die Arbeitsgruppe um Priv. Doz. Dr. Patrick Küry an der Neurologischen Klinik (Direktor Prof. Dr. Hans-Peter Hartung) zeigen konnte, beruht die fehlende Regenerationsfähigkeit der Markscheiden, die von Oligodendrozyten gebildet werden, u.a. auf dem Vorkommen eines hemmenden Eiweißes namens "p57kip2".

Die Multiple Sklerose ist die häufigste Ursache für eine bleibende neurologische Behinderung im jüngeren Erwachsenenalter. Sie ist eine Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), bei der das fehlgeleitete Immunsystem die Markscheiden des Gehirns und Rückenmarks angreift und zerstört. Diese Markscheiden isolieren die Nervenkabel (Axonen). Sie werden von den sogenannten Oligodendrozyten gebildet, Zellen, die für die Weiterleitung der elektrischen Reize zwischen den Nervenzellen verantwortlich sind. In Folge der fortgesetzten Krankheitsattacken degenerieren und sterben diese Oligodendrozyten, was zu einer Beeinträchtigung der Nervenzellleistung führt.

Die größte Schwäche des Zentralnervensystems ist seine eingeschränkte Regenerationsfähigkeit. Dies trifft auch für eine Wiederherstellung der Markscheiden der Nervenkabel zu. Sie können nach wiederholten Krankheitsschüben nicht mehr effizient nachgebildet werden. So entstehen schließlich irreversible Schäden und eine dauerhafte Behinderung.

Wie nun die Arbeitsgruppe um Priv. Doz. Dr. Patrick Küry an der Neurologischen Klinik (Direktor Prof. Dr. Hans-Peter Hartung) zeigen konnte, beruht die fehlende Regenerationsfähigkeit der Oligodendrozyten u.a. auf dem Vorkommen eines hemmenden Eiweißes namens p57kip2. Die in der jüngsten Ausgabe der international renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences U.S.A. Anfang Juni von der Düsseldorfer Forschergruppe vorgestellten Ergebnisse deuten darauf hin, dass in frühen Krankheitsphasen dieser Hemmstoff (p57kip2) aktiv vom Körper unterdrückt werden kann, jedoch bei späteren Stadien diese Fähigkeit zunehmend verloren geht.

Dies lässt darauf schließen, dass die Reparatur von Markscheiden, die in geringem Umfang wohl auch natürlicherweise stattfindet, durch zielgerichtete Hemmung von p57kip2 gefördert werden könnte. Bisherige Ansätze, die Multiple Sklerose zu bekämpfen und die Folgen akuter Schübe einzudämmen, beruhen auf der Beeinflussung des Immunsystems. Die von der Gruppe nun vorgestellten Forschungsergebnisse könnten somit den Weg für neue Therapien bereiten, die die Regenerationsfähigkeit der Oligodendrozyten auf direktem Wege verbessern und damit den krankheitsauslösenden Zellverlust reduzieren. (Quelle: Kremer et al., 2009; Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A.; Ausgabe vom 2. Juni), Online: http://www.pnas.org/content/106/22/9087.abstract


 

Quelle: Pressemitteilung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf vom 08.06.2009.

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Suliqua®: Überlegene HbA1c-Senkung  im Vergleich zu Mischinsulinanalogon
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern

ERNÄHRUNG

Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen

ONKOLOGIE

WHO veröffentlicht erste Klassifikation von Tumoren im Kindesalter
Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…
Stellungnahme zur 3. Impfung gegen SARS-CoV2 bei Personen mit MS
NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…