MS‑Therapie als Herausforderung für die Pflege

Bedeutung der Patientenmotivation für den Therapieerfolg

 

Hattenheim (3.Juli 2007) – Therapieziel bei Multipler Sklerose (MS) ist die Verzögerung der Krankheits-Progression. Erreicht werden kann dies aber nur durch eine konsequente Dauertherapie von Anfang an. Therapieabbrüche bei der Behandlung sind in diesem Zusammenhang daher besonders problematisch: Aktuelle Daten zeigen, dass über 1/4 der MS-Patienten die Therapie bereits innerhalb der ersten drei Monate eigenmächtig beenden. Gleichzeitig hat ein strukturiertes Betreuungsprogramm gezeigt, dass eigens für MS geschultes Pflegepersonal die Adhärenz an die Behandlung steigern und die Abbruchrate deutlich verringern kann (1).

 

Hohe Abbruchraten im ersten Therapiejahr

Die Behandlung mit immunmodulatorischen Substanzen wie z. B. Rebif® (Interferon beta-1a s.c.) verbessert langfristig den Krankheitsverlauf. Dies bestätigen auch Empfehlungen des ärztlichen Beirates des Bundesverbandes der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG)(2). Obwohl der langfristige Effekt einer Behandlung mit Interferon beta-1 a jedoch frühestens nach zwölf Monaten ununterbrochener Anwendung eingeschätzt werden kann, brechen viele Patienten die Therapie schon vorher ab. Die Gründe dafür sind vielfältig: Fehlende Einsicht in die Therapienotwendigkeit auch in schubfreien Phasen sowie die Angst vor (Selbst-)Injektionen und möglichen Nebenwirkungen gehören dazu.

 

Mit persönlichem Schwesternservice Adhärenz steigern

Als eine gute Möglichkeit, Therapieabbrüche zu verhindern, hat sich im Rahmen einer Interferon beta-1a-Behandlung der persönliche RebiSTAR™ Schwesternservice gezeigt. Dieses Programm bietet Patienten ein strukturiertes Beratungs- und Betreuungsangebot vor allem in den ersten Monaten der Therapie mit Rebif; die Schwestern unterstützen die Betroffenen sowohl in praktischen Alltagsfragen als auch durch individuelle Gespräche.

 

Sobald ein Patient an diesem Programm teilnehmen möchte, nimmt eine MS‑Schwester Kontakt zu ihm auf ‑ innerhalb der ersten fünfzehn Therapiewochen insgesamt sieben Mal. Zu Beginn der Patientenschulung wird der Umgang mit den Fertigspritzen und der Injektionshilfe (Rebiject IITM) geübt. Zugleich bekommt der Patient Informationen über die vorbeugende Wirkung der Therapie sowie mögliche Nebenwirkungen. Alle durchgeführten Maßnahmen werden von den MS-Betreuerinnen dokumentiert und an den behandelnden Neurologen weitergegeben.

 

Vor Einbindung in den MS-Schwesternservice werden die Betreuerinnen und Betreuer intensiv geschult. In speziellen Kursen lernen sie, auf psychische Probleme der Patienten einzugehen und ihnen die zu erwartenden Therapieeffekte und damit verbundenen Anforderungen realistisch und nachvollziehbar zu vermitteln.

 

Aktive Betreuung für ein optimales Therapieergebnis

Die Zwischenergebnisse einer wissenschaftlichen Studie mit 924 Patienten über 15 Wochen belegen eine Reduktion der Abbruchrate durch den RebiSTAR™ Schwesternservice von 26 auf 6,1 Prozent. Dies verdeutlicht, wie wichtig eine persönliche Betreuung ist, um Patienten mit schubförmiger MS vor allem in der Frühphase der Therapie zu unterstützen. Denn nur eine dauerhafte MS-Therapie kann wirklich wirksam sein, dementsprechend trägt das strukturierte Betreuungsprogramm langfristig zu einer besseren Krankheitskontrolle bei.

 

Anmerkungen

 

(1)     Während "Compliance" die Bereitschaft des Patienten bezeichnet, eine medizinische Behandlung zu befolgen, steht der Begriff "Adhärenz" für die Einhaltung der gemeinsam von Patient und Arzt gesetzten Therapieziele. Der Patient versteht sie und ist mit ihnen einverstanden.

(2) Therapie-Compliance. Ärztlicher Beirat des DMSG Bundesverbandes gibt Empfehlungen. in: Aktiv (Fachzeitschrift der DMSG) 03/2004, Nr. 204, pp. 17f.

 


Quelle: Fachpresse-Workshop der Firma Merck Serono zum Thema “Hoffen, Bangen und Verdrängen: MS-Therapie als Herausforderung für die Pflege“ am 03.07.2007 in Hattenheim (the messengers) (tB).

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