Umfassende Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose (MS)

Multiple Sklerose und ihre Begleiterkrankungen

  • Novartis startet Forschungsprogamme zu Folgeerkrankungen bei MS
  • Osteoporose bei Multipler Sklerose: verkanntes Risiko gefährdet die Patienten
  • Kognitive Fähigkeiten entscheiden maßgeblich über Arbeitsfähigkeit

 

Nürnberg (29. Juni 2009) – Multiple Sklerose gilt als Krankheit mit den tausend Gesichtern: Das zentrale Nervensystem ist genauso betroffen wie unter anderem die Muskelkontrolle und Muskelkraft, wie der Gleichgewichtssinn oder kognitive Funktionen. Symptome, die weitere Erkrankungen nach sich ziehen. „Diese Zusammenhänge zwischen MS und möglichen Folgeerkrankungen wie Osteoporose oder Demenz sind aber kaum erforscht“, so Dr. med. Ferenc Tracik, Leiter der klinischen Forschung Spezialitätenmedizin bei Novartis Pharma aus Nürnberg. „Eine Situation, die wir durch umfangreiche Forschungsprojekte ändern wollen“, erklärt der Mediziner. Novartis unterstreicht durch die breit angelegten Studienprogramme bei MS-Begleiterkrankungen sowie durch die Entwicklung der oralen MS-Therapie (Fingolimod) den hohen Anspruch eines forschenden Arzneimittelherstellers.

 

So startete Novartis zwei Proof-of-Concept Studien, die den Alltag des MS-Patienten langfristig erleichtern sollen: Eine Studie mit dem transdermal applizierten Cholinesterasehemmer Rivastigmin (Exelon® transdermales Pflaster) prüft, inwieweit sich die kognitiven Beeinträchtigungen der MS-Patienten günstig beeinflussen lassen. Eine zweite Studie mit dem einmal jährlich i.v. verabreichten Bisphosphonat Zoledronsäure
5 mg (Aclasta®) widmet sich dem bislang stark vernachlässigten Problem der Osteoporose bei MS. Möglich wurde dies durch die Einführung des bewährten Multiple Sklerose-Therapeutikums Interferon beta-1b unter dem Handelsnamen EXTAVIA®.

 


Osteoporose bei Multipler Sklerose: verkanntes Risiko gefährdet die Patienten

„Osteoporose ist ein unterschätztes und häufig unbeachtetes Risiko im Langzeitverlauf der MS“, sagte Prof. Dr. med. Judith Haas, Neurologische Klinik am Jüdischen Krankenhaus in Berlin. Ein Risikofaktor für Osteoporose bei MS-Patienten ist Bewegungsmangel. Hinzu kommen oft Vitamin D-Mangel, einseitige Ernährung, Laxanziengebrauch sowie – bei postmenopausalen Frauen – der Hormonstatus. Einzelne Kortison-Stöße zur MS-Schubtherapie beeinflussen die Knochendichte laut einer Studie nicht1. Dennoch war die Knochendichte der Patienten gegenüber gesunden Kontroll-Personen deutlich reduziert. In einer anderen Studie zeigte sich – durch die kurzzeitige Gabe hoch dosierter Steroide – ein nachteiliger Effekt auf den Knochenstoffwechsel2: „Kortison ist also für den Knochenstoffwechsel nicht unbedeutend – auch wenn wir es kurz und hoch dosiert geben“, betonte Haas. Die erhöhte Fallneigung in fortgeschrittenen Krankheitsstadien steigert das Frakturrisiko von MS-Patienten zusätzlich. Ist ein Patient nach einer Schenkelhalsfraktur längere Zeit ans Bett gefesselt, droht die Gefahr des endgültigen Verlustes der Gehfähigkeit.

 

Bewährtes Osteoporose-Therapeutikum bei MS-Patienten auf dem Prüfstand

In einer Fall-Kontroll-Studie erlitten innerhalb von zwei Jahren 22 Prozent der MS-Patienten, aber nur zwei Prozent der gesunden Kontroll-Personen eine Fraktur3. In einer weiteren Studie war bei 81 Prozent der MS-Patienten eine Osteopenie oder Osteoporose nachweisbar4. Jeder Fünfte hatte bereits eine Fraktur erlitten; 38 Prozent wiesen erniedrigte Vitamin D-Spiegel auf. Im Fall der Substitution mit Vitamin D (und Kalzium) könnten MS-Patienten nicht nur von der günstigen Wirkung auf den Knochen profitieren. Zusätzlich besitzt Vitamin D immunmodulierende Effekte bei Th1-vermittelten Autoimmunerkrankungen5. Spezifische Medikamente zur Behandlung der Osteoporose sind Bisphosphonate, unter denen Zoledronsäure 5 mg (Aclasta) nur einmal jährlich als i.v. Kurzinfusion gegeben werden muss. Die im Herbst beginnende Novartis-Studie EXALT (EXperience with AcLasta in OsTeoporotic MS Patients) wird an über 200 Patienten prüfen, inwieweit die Therapie mit Aclasta MS-Patienten mit bereits reduzierter Knochendichte – unter einer stabilen Therapie mit EXTAVIA – vor Osteoporose zu schützen vermag.

 

Frühtherapie mit Interferon beta-1b beeinflusst Kognition günstig

Schon in den ersten zehn Jahren nach Krankheitsbeginn scheiden 45 Prozent der MS-Patienten aus dem Arbeitsprozess aus. Dies ist nicht allein durch die körperlichen Beschwerden bedingt. Vielmehr bestätigen Studien, dass die kognitiven Fähigkeiten ein wesentlicher Faktor für den Verbleib der Patienten im Arbeitsleben sind6. Wie PD Dr. med. Matthias Mäurer, Klinik für Neurologie am Caritas Krankenhaus Bad Mergentheim, berichtete, weisen die Patienten kein globales Defizit auf. Es handelt sich vielmehr um eine Teilleistungsschwäche in den Bereichen Lernen und Problemlösung sowie Aufmerksamkeit und Konzentration. Beta-Interferone zeigten positive Wirkungen in einigen kognitiven Tests. „Greifbar und wegweisend“ ist aus Sicht von Mäurer ein Nebenergebnis der BENEFIT (BEtaferon in Newly Emerging Multiple Sclerosis For Initial Treatment)-Studie. Denn in dieser Studie zur Frühtherapie der MS verbesserte Interferon beta-1b im Vergleich mit Plazebo nachhaltig die kognitiven Fähigkeiten7. Jedem Patienten im Frühstadium der MS sollte deshalb eine wirksame Basistherapie empfohlen werden. Einen günstigen Einfluss zeigen möglicherweise auch die bei Demenzerkrankungen eingesetzten Acetylcholinesterase-Hemmer wie Rivastigmin. Dieser Frage geht Novartis in der plazebokontrollierten Doppelblindstudie EXCITING (Exelon/EXtavia CognITion Study In MS PatieNts in Germany) nach, bei der MS-Patienten unter stabiler Therapie mit EXTAVIA zusätzlich transdermales Rivastigmin (EXELON-Pflaster) erhalten. An die 16-wöchige Doppelblindphase wird sich eine einjährige offene Behandlungsphase anschließen. Die EXCITING-Studie hat im April die ersten Patienten eingeschlossen. Insgeamt werden in der größten Kognitionsstudie bei MS etwa 200 Patienten in 40 Zentren eingeschlossen.

 


 

Literatur

  1. Schwid SR et al. Arch Neurol 1996; 53: 753-757
  2. Divio A et al. J Clin Endocrinol Metab 2004; 89: 4923-4928
  3. Cosman F et al. Neurology 1998; 51: 1161-1165
  4. Weinstock-Guttman G et al. Mult Scler 2004; 10: 170-175
  5. Arnson Y et al. Ann Rheum Dis 2007; 66: 1137-1142
  6. Amato MP et al. Arch Neurol 2001; 58: 1602-1606
  7. Freedman MS et al. 1st World Congress on Treatment and Research in Multiple Sclerosis (WCTRIMS), Montreal, Kanada, 2008

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Firma Novartis vom 29.06.2009 (3K-Agentur für Kommunikation).

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