Mythen und Fakten rund um die Blutgruppe

Blutgruppentyp entscheidet nicht über Charakter oder Diäterfolg

 

München (6. November 2019) – Nenne mir deine Blutgruppe und ich sage dir, was für ein Mensch du bist. In Japan ist die Blutgruppendeutung so verbreitet wie hierzulande Horoskope. In den USA landete ein Naturheilkundler vor Jahren einen Bestseller mit einem Buch über „Blutgruppendiät” – eine Methode, die auch in Deutschland Anhänger fand. Was an diesen Mythen dran ist und welche Rolle die Blutgruppe trotzdem spielt, erläutern Experten der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI).

In Japan gelten Menschen mit Blutgruppe Null als neugierig und großzügig, aber auch als hartnäckig. Menschen mit Blutgruppe AB wird dagegen eine künstlerische Ader nachgesagt. Sie sollen mysteriös und unberechenbar sein. „Solche Aussagen entbehren natürlich jeder wissenschaftlichen Grundlage: Blutgruppen sagen nichts über den Charakter aus“, entgegnet Professor Dr. med. Hermann Eichler vom Institut für Klinische Hämostaseologie und Transfusionsmedizin an der Universität des Saarlandes in Homburg/Saar und 1. Vorsitzender der DGTI. „Der Blutgruppe Null ist jedoch tatsächlich eine Besonderheit zuzusprechen: Die roten Blutkörperchen dieser Spender können in der Regel an jeden Menschen transfundiert werden, egal welche AB0-Blutgruppe er geerbt hat. Sie gelten also als sogenannte ‚Universalspender‘“, erläutert der Experte.

Auch die Blutgruppe AB unterscheidet sich von anderen Gruppen. Diese Tatsache ist jedoch keine Frage des Charakters, sondern der Gene. Genau genommen ist es ein Gen, das AB0-Gen. Es bestimmt, ob auf den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) die Eigenschaft A oder B vorhanden ist. Fehlen beide Anlagen, liegt die Blutgruppe Null vor. Null macht die Erythrozyten unangreifbar für solche natürlichen Antikörper, die gegen die Eigenschaften A oder B gerichtet sind. Darum sind Menschen mit Blutgruppe Null als Blutspender begehrt. Als Empfänger sind Menschen mit Blutgruppe Null jedoch „wählerisch“. In ihrem Blut sind Antikörper gegen die Merkmale A und B vorhanden, die die Erythrozyten dieser Blutgruppen erkennen und sich an sie binden mit der negativen Folge einer Zerstörung dieser Blutzellen. Menschen mit Blutgruppe Null können deshalb nur Blut der eigenen Blutgruppe erhalten. Im Unterschied dazu führt die Blutgruppe AB dazu, dass der Träger ein „Universalempfänger“ ist. Im Bedarfsfall können Menschen mit dieser Blutgruppe Erythrozyten jeder AB0-Blutgruppe erhalten.

Um den Zusammenhang der Blutgruppe und der Ernährung ranken sich ebenso viele Mythen. „Die Blutgruppe hat auf den Diäterfolg keinerlei Einfluss“, klärt Eichler auf. Die sogenannte Blutgruppendiät besagt beispielsweise, dass Menschen mit Blutgruppe Null als Höhlenbewohner-Typ mehr Fleisch benötigen als andere Menschen. „Diese Aussage ist wissenschaftlich nicht belegt. Es gibt auch keinen Grund, warum Menschen mit Blutgruppe A sich vegetarisch ernähren und Menschen mit Blutgruppe B Milchprodukte bevorzugen sollten“, so der Experte.

Ganz ohne Einfluss auf die Gesundheit sind die Blutgruppen jedoch nicht: So erkranken Menschen mit Blutgruppe Null seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Unter Magenbeschwerden leiden sie dagegen häufiger als die anderen Blutgruppen-Typen. Bei Menschen mit der Blutgruppe AB ist der Blutdruck seltener erhöht. Bei Menschen mit Blutgruppe B kommt es seltener zu Infektionen mit Noroviren, ihr Risiko, sich mit Malaria zu infizieren, ist jedoch etwas erhöht. „Die Ursachen für diese möglichen Anfälligkeiten beziehungsweise Widerstandsfähigkeiten bei bestimmten Krankheiten sind aktuell nicht bekannt“, sagt Eichler. Die Blutgruppeneigenschaften sind jedoch nicht nur auf den Erythrozyten, sondern auf den meisten Zellen des Körpers vorhanden. Sie beeinflussen damit möglicherweise die Bindung von Krankheitserregern und den Stoffwechsel. Auch eine Auswirkung auf das Krebswachstum ließe sich so erklären, sagt der Mediziner: „Die Krankheitsrisiken sind jedoch gering und Unterschiede in der Lebenserwartung deshalb kaum zu erwarten.“ Dennoch haben Menschen in der Regel ein starkes Interesse, ihre eigene Blutgruppe zu kennen. Welcher AB0-Blutgruppe man selbst angehört, kann man im Rahmen einer Blutspende ganz einfach erfahren.

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI), 06.11.2019 (tB).

Schlagwörter:

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung