Nachhaltige vollständige Remission als neues Therapieziel bei Morbus Crohn

Patienten profitieren von frühem Biologika-Einsatz

Stuttgart (16. September 2010) – Die Einführung von Biologika hat die Therapie schwergradiger, aktiver Erkrankungsverläufe des Morbus Crohn in den letzen Jahren deutlich verbessert. Wie Experten auf einem von Abbott Deutschland veranstalteten Symposium beim DGVS-Kongress in Stuttgart erläuterten, können mit diesen Wirkstoffen aber auch wesentlich anspruchsvollere Behandlungserfolge als „nur“ eine klinischen Remission erzielt werden. Da TNF-α-Inhibitoren wie Adalimumab eine vollständige Mukosaheilung bewirken können, ist nun auch eine nachhaltige vollständige Remission erreichbar, wofür die Chancen bei einem frühen Therapiebeginn am größten sind. Zum Erreichen dieses Behandlungsziels könnte künftig auch eine Optimierung der Versorgungsstrukturen für Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) beitragen. Denn eine engere Vernetzung von niedergelassenen Ärzten und spezialisierten Zentren kann eine bessere Umsetzung bestehender Therapieleitlinien begünstigen.

„Bisher ist eine klinische Remission bei Morbus Crohn als das Erreichen eines Wertes von <150 im Crohn’s Disease Activity Index (CDAI) definiert“, erläuterte Prof. Stefan Schreiber, Kiel. „Dies bedeutet aber noch nicht, dass der Patient symptomfrei ist und eine normale Lebensqualität hat.“ Das gelinge in der Regel erst durch eine vollständige Remission, die neben der Beruhigung der Symptome auch durch eine Abheilung der Darmmukosa gekennzeichnet ist. Eine vollständige Remission kann vor allem durch den Einsatz von TNF-α-Inhibitoren erreicht werden und führt zu einer deutlich besseren Langzeitprognose der Patienten im Hinblick auf Remissionserhalt und weiteren Verlauf. So zeigte etwa ADHERE, eine offene Erweiterung der 56-wöchigen Adalimumab-Zulassungsstudie CHARM, dass unter einer Monotherapie mit dem Antikörper eine einmal erreichte Remission bei knapp zwei Dritteln der Patienten über mindestens drei Jahre erhalten werden konnte.1 Eine Subanalyse von CHARM ergab zudem, dass die Adalimumab-Therapie das Risiko für krankheitsassoziierte Hospitalisierungen und Operationen gegenüber Plazebo im einjährigen Studienzeitraum signifikant senkte.2 Die Wirksamkeit von Adalimumab im Hinblick auf langfristigen Remissionserhalt und die Reduktion der Hospitalisierungs- und Operationsrate wurde mittlerweile in die Fachinformation aufgenommen.

Von der Mukosaheilung zur nachhaltigen vollständigen Remission

Die Möglichkeit, durch den Einsatz von TNF-α-Inhibitoren eine Mukosaheilung zu bewirken, hat ein neues Therapieziel in den Fokus des Interesses gerückt – die nachhaltige vollständige Remission. „Ein solcher Behandlungserfolg bedeutet, dass die Patienten weitgehend symptomfrei sind, vielleicht sogar ohne dass wir die immunsuppressive Therapie fortsetzen müssen“, so Schreiber. „Es besteht die Hoffnung, dies durch einen frühzeitigen Einsatz einer Anti-TNF-Therapie zu erreichen, wobei sicher noch weitere Studien notwendig sind, um diese Strategie zu optimieren.“ Auf die Bedeutung eines frühen Therapiebeginns weisen auch die Daten der Adalimumab-Studie EXTEND hin, der ersten randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie mit Mukosaheilung als primärem Endpunkt. Sie schloss 135 Patienten mit mittel- bis schwergradigem Morbus Crohn ein, die zu Studienbeginn endoskopisch belegte Mukosa-Ulzerationen aufwiesen. Alle Teilnehmer erhielten eine vierwöchige Induktionstherapie mit Adalimumab und wurden dann weiter mit dem Antikörper oder Plazebo behandelt.

Von den dauerhaft mit Adalimumab behandelten Patienten erreichten 27,4 Prozent nach zwölf Wochen eine Mukosaheilung, verglichen mit 13,1 Prozent in der Plazebo-Gruppe.3 16,1 Prozent der Patienten im Adalimumab-Arm wiesen zu diesem Zeitpunkt sogar eine tiefe Remission auf, definiert als das gleichzeitige Vorliegen von klinischer Remission (CDAI <150) und Mukosaheilung, was in der Vergleichsgruppe bei 9,8 Prozent der Patienten der Fall war (p=0,034). Nach 52 Wochen lag in der Plazebo-Gruppe jedoch bei keinem Patienten mehr eine tiefe Remission vor, im Vergleich zu 19,4 Prozent unter Verum (p<0,001).4 Je früher nach der Diagnosestellung mit der Adalimumab-Therapie begonnen wurde, desto höher war zudem der Anteil an Patienten, die eine Mukosaheilung erreichten (<2 Jahre: 44 Prozent; 2-5 Jahre: 40 Prozent; >5 Jahre: 21 Prozent).5 „Eine frühzeitige Anti-TNF-Therapie mit Adalimumab erhöht somit die Chancen für eine komplette Mukosaheilung, was Voraussetzung für das Erreichen einer nachhaltigen vollständigen Remission ist“, fasste Schreiber zusammen.“

Risikopatienten frühzeitig identifizieren

Prof. Andreas Stallmach, Jena, erläuterte, dass ein komplizierter Morbus Crohn insbesondere bei jüngeren Patienten auftritt, die im akuten Schub Steroide benötigen. Sie sind in der Regel von einem ungünstigen Krankheitsverlauf betroffen, der durch häufige Hospitalisierungen und Operationen mit negativen privaten und beruflichen Folgen gekennzeichnet ist. „Um Patienten, bei denen diese Gefahr besteht, kurz- und auch langfristig adäquat behandeln zu können, ist es wichtig, Risikofaktoren für einen schweren Verlauf zu kennen“, erläuterte Stallmach. Bisher identifizierte Faktoren sind u. a. eine initial hohe Krankheitsaktivität, perianaler Befall, der früh notwendige Einsatz von Steroiden sowie ein Erkrankungsbeginn im Alter von unter 40 Jahren.6

Wie Stallmach darlegte, ist es für die Patienten entscheidend, ob der natürliche Verlauf eines komplizierten Morbus Crohn durch eine therapeutische Intervention gebessert werden kann. „Verschiedene Untersuchungen7 haben dabei gezeigt, dass höhere Remissionsraten und eine signifikant häufigere Abheilung der Mukosa vor allem dann bewirkt werden können, wenn Immunsuppressiva und vor allem TNF-α-Inhibitoren so früh wie möglich eingesetzt werden“, so der Experte.

Möglichkeiten zur besseren Versorgung

„Die oft komplexe Therapie von CED-Patienten erfordert vielfach eine interdisziplinäre Zusammenarbeit“, so Dr. Bernd Bokemeyer, Minden. In der Praxis werden allerdings mehr als die Hälfte der rund 320.000 Patienten ausschließlich von Hausärzten oder niedergelassenen Internisten betreut, obwohl relativ häufig komplexe Krankheitsverläufe vorliegen. „Viele dieser Patienten erfahren keine adäquate Therapie, was sich etwa darin zeigt, dass die Leitlinien der DGVS zur Behandlung von CED-Patienten in Deutschland nicht sehr befriedigend umgesetzt werden“, erläuterte Bokemeyer.

Um diese Situation zu verbessern, entwickelte das Kompetenznetz Darmerkrankungen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa-Vereinigung (DCCV) neue Behandlungspfade zur Verbesserung der CED-Versorgung, die ein geschichtetes Behandlungskonzept vorsehen, das an die Schwere der Erkrankung angepasst ist.8 „Leichte Verläufe können danach beim Hausarzt bzw. den hausärztlichen Internisten behandelt werden, während schwerere in die zweite Behandlungsebene der gastroenterologischen Fachpraxis fallen“, so Bokemeyer. „Bei speziellen schweren Krankheitsverläufen kommt dann die dritte Ebene der spezialisierten Zentren oder Klinikambulanzen zum Zug.“ Dieses nach oben und unten durchlässige System wird seit 2010 in einer Musterregion in Schleswig-Holstein evaluiert. „Eine solche Optimierung der ärztlichen Zusammenarbeit in Verbindung mit einer konsequenten, intensivierten Therapie könnte in Zukunft eine bessere Versorgung von CED-Patienten in Deutschland bewirken“, bilanzierte Bokemeyer.

Über Abbott

Abbott ist ein breit aufgestelltes, weltweit tätiges Gesundheitsunternehmen, das sich auf die Erforschung, Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Arzneimitteln und medizinischen Produkten einschließlich Ernährung, Medizintechnik und Diagnostika konzentriert. Das Unternehmen beschäftigt derzeit nahezu 90.000 Mitarbeiter und vertreibt seine Produkte in mehr als 130 Ländern. In Deutschland ist Abbott mit etwa 5.000 Mitarbeitern an seinem Hauptsitz in Wiesbaden sowie den Standorten in Ludwigshafen, Wetzlar, Rangendingen, Ettlingen, Hannover und Neustadt am Rübenberge vertreten. Mehr zu Abbott finden Sie im Internet unter www.abbott.de und www.abbott.com

Literatur

  1. Panaccione R, et al. Gastroenterology. 2009; 134(4 Suppl 1): A-134
  2. Feagan BG, et al. Gastroenterol. 2008; 135(5): 1493-9.
  3. Rutgeerts P, et al. Gastroenterology. 2009; 136(5Suppl1): A-116.
  4. Colombel JF et al. DDW 2010, New Orleans: #T1239
  5. Sandborn WJ et al. DDW 2010, New Orleans: #S1031
  6. Wolters FL et al. Gut 2006, 55: 1124-1130
  7. Sandborn WJ et al. JCC 2010; 4: S36
  8. Raspe HH et al. Z. Gastroenterol 2009; 47541-562


Quelle: Symposium der Firma Abbott zum Thema „Nachhaltige vollständige Remission – das neue Therapieziel bei Morbus Crohn“ anlässlich der 65. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) am 16.09.2010 in Stuttgart (Weber Shandwick) (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung