Neoadjuvante Therapie

Sinnvolle Option bei nicht operablen Pankreaskarzinomen

 

München (26. April 2010) – Wissenschaftler des Klinikums rechts der Isar der TU München konnten in einer aktuellen Studie zeigen, dass Patienten, deren Pankreaskarzinom zunächst nicht operabel ist, in vielen Fällen von einer neoadjuvanten Therapie profitieren. Werden sie erst nach Chemotherapie und/oder Strahlentherapie operiert, ist ihre Überlebensrate ähnlich hoch wie die der sofort operierten Patienten. Die Forschungsergebnisse der Mediziner um PD Dr. Jörg Kleeff und Dr. Sonja Gillen von der Chirurgischen Klinik des Klinikums (Direktor Prof. Helmut Friess) sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift PLoS Medicine veröffentlicht.

 

Das Pankreaskarzinom ist die Krebserkrankung, die am vierthäufigsten zum Tod führt: Die Überlebensprognose ist mit durchschnittlich fünf bis acht Monaten extrem gering. Die einzige wirksame Möglichkeit, die Krankheit zu behandeln, ist bisher die chirurgische Entfernung des Tumors. Doch da die Erkrankung in frühen Stadien kaum Symptome verursacht, ist der Tumor bei der Diagnose häufig schon zu weit fortgeschritten. Er kann – zumindest zunächst – nur bei etwa 10 bis 20 Prozent aller erkrankten Patienten operativ behandelt werden.

Die Wissenschaftler des Klinikums rechts der Isar analysierten systematisch alle Studien der letzten 30 Jahre, die sich mit den Auswirkungen neoadjuvanter Therapien unter anderem auf Tumorwachstum, Resektion und Überlebensrate beim Pankreaskarzinom beschäftigten. Sie bezogen in ihre Untersuchung 111 Studien, in die rund 4.400 Patienten eingeschlossen waren, ein.


Das Ergebnis war eindeutig: Während Patienten, deren Pankreaskarzinom bei der Diagnose noch operabel war, nicht von einer neoadjuvanten Therapie profitierten, vernichteten bei den zunächst nicht operablen Patienten Chemotherapie und Bestrahlung Krebszellen und verkleinerten den sichtbaren Tumor. Etwa ein Drittel dieser Patienten konnten dann operiert werden. Ihre durchschnittliche Überlebensrate war ähnlich hoch wie die der sofort operierten Patienten. PD Dr. Jörg Kleeff: „Das zeigt ganz klar, dass Patienten, deren Pankreaskarzinom bereits lokal fortgeschritten und initial nicht operabel ist, auf jeden Fall eine neoadjuvante Behandlung erhalten sollten. Bei einer erneuten Überprüfung kann der Arzt danach in vielen Fällen doch zu einer Operation raten.“ Der Chirurg ergänzt: „Jetzt müssen randomisierte Studien erforschen, wie eine optimale neoadjuvante Therapie für diese Patientengruppe aussehen sollte.“

 

 

Literatur

 

Gillen S, Schuster T, Meyer zum Büschenfelde C, Friess H, Kleeff J (2010) Preoperative/Neoadjuvant Therapy in Pancreatic Cancer: A Systematic Review and Meta-analysis of Response and Resection Percentages. PLoS Med 7(4): e1000267. doi:10.1371/journal.pmed.1000267


 


Quelle: Presseinformation des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München vom 26.04.2010 (tB).

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