Photo: WikipediaNeue Ansätze zur Behandlung männlicher Unfruchtbarkeit

 

Düsseldorf (21. Juli 2011) – Künstliche Befruchtung – von der Keimzelle bis hin zur Geburt – steht im Mittelpunkt der Arbeit der deutschen Forschergruppe „Germ Cell Potential“. Seit drei Jahren untersuchen die beteiligten Naturwissenschaftler und Mediziner mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) den Komplex zwischen Fortpflanzung, Unfruchtbarkeit und assistierten Reproduktionstechniken. Jetzt hat die DFG der Forschergruppe für weitere drei Jahre insgesamt 4,8 Millionen Euro bewilligt, um ihre Arbeit, die Reproduktionsmedizin und Stammzellforschung kombiniert, fortzusetzen und auszuweiten.

 

„Die Forschergruppe FOR 1041, wie sie bei der DFG genannt wird, ist ein Netzwerk, in dem führende Andrologen, Reproduktionsbiologen und Reproduktionsmediziner, Stammzellforscher, Humangenetiker sowie Gynäkologen in sechs Städten zusammenarbeiten. Die Universität Münster bildet den Schwerpunkt, denn die Hälfte der insgesamt zwölf Teilprojekte ist hier lokalisiert – am Institut für Humangenetik, am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin und am CeRA, dem Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie des Universitätsklinikums“, sagt Prof. Dr. Sabine Kliesch, Chefärztin des CeRA. Als Andrologin und Urologin sowie in ihrer Funktion als Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) unterstreicht sie besonders die Erwartungen, die bezüglich der männlichen Infertilität auf der Arbeit der Forschergruppe „Germ Cell Potential“ ruhen – neue Ansätze für die Behandlung. Bisher konnten die Forscher herausfinden, dass männliche Unfruchtbarkeit stark mit epigenetischen Veränderungen korreliert – also mit Zelleigenschaften, die nicht über die DNA vererbt wurden, sondern aus einer Modifikation der DNA resultieren.

Schon heute werden zwei bis drei Prozent der Kinder in Deutschland durch künstliche Befruchtung gezeugt. Tendenz steigend. Aber ebenso wie die Ursachen der Unfruchtbarkeit noch nicht umfassend geklärt sind, sind auch die Methoden der künstlichen Befruchtung, die seit 30 Jahren verwendet werden, wissenschaftlich kaum untersucht, sagt der Sprecher der Forschergruppe „FOR 1041“, Prof. Dr. Jörg Gromoll vom CeRA. Und: „Die möglichen Risiken der derzeit angewendeten Techniken oder Behandlungen für die geborenen Kinder und für die behandelten Paare sind derzeit nicht genau bekannt.“ Die meisten Erkenntnisse beruhten nur auf beschreibenden Studien. Nach Prof. Gromolls Ansicht liegt die Hauptursache für die Zunahme künstlicher Befruchtungen darin, dass hierzulande der Kinderwunsch zeitlich immer weiter in der Lebensplanung nach hinten rückt, und gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, dass es auf natürlichem Wege zur Schwangerschaft kommt, mit steigendem Alter deutlich sinkt.

Die Teilprojekte der Forschergruppe „Germ Cell Potential“ decken ein breites Feld ab: "Wir suchen nach den genetischen Ursachen der Infertilität, wollen die Qualitätsmerkmale von Eizellen näher bestimmen und – wie der Titel der Gruppe sagt – auch das Potenzial von Stammzellen erforschen. Dabei geht es etwa um die Frage, ob solche Stammzellen aus dem Hoden des Mannes als Reserve für die Spermienbildung nutzbar sind. Aber auch die Entstehung von Eizellen aus embryonalen Stammzellen ist ein wesentlicher Forschungsgegenstand. Zudem läuft eine Studie, in der mögliche Folgen der verschiedenen Methoden einer künstlichen Befruchtung klinisch untersucht werden", erklärt Prof. Kliesch.

Der multidisziplinäre Ansatz der Forschung mit Schwerpunkt in Münster sowie die praktizierte Verzahnung von Forschung und Praxis werden nach Einschätzung von Prof. Kliesch Grundlagen für neue Ansätze zur Behandlung von Infertilität liefern.

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU), 21.07.2011 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung