Neue Daten für Insulin degludec

Mehr Flexibilität bei der Verabreichung und weniger nächtliche Hypoglykämien

 

Frankfurt am Main (28. Juni 2012) – Neue wichtige Daten, die bei der 72. Jahrestagung der American Diabetes Association (ADA) in Philadelphia, Pennsylvania, USA, zum neuen ultra-langwirksamen Insulin degludec präsentiert worden waren, fassten Dr. Tim Heise, Neuss, und PD Dr. Elmar Jaeckel, Hannover, im Rahmen einer Pressekonferenz in Frankfurt/Main zusammen: Insulin degludec, das sich in der Entwicklung von Novo Nordisk befindet, verminderte bei Erwachsenen mit Typ 2 Diabetes im Vergleich zu Insulin glargin die Rate an nächtlichen Hypoglykämien signifikant.1 Darüber hinaus ermöglicht seine ultra-lange Wirkdauer flexible Applikationszeiten des Basalinsulins, die ohne Beeinträchtigung der Wirksamkeit oder Zunahme des Risikos an Hypoglykämien, unabhängig von der Tageszeit von Tag zu Tag variieren können.2

 

Insulin degludec ist ein neues, ultra-langwirksames Basalinsulin. Es zeichnet sich durch ein flaches, stabiles und gleichmäßiges Wirkprofil sowie eine geringe intraindividuelle Variabilität aus.3,4,5 Erreicht wird dies durch die Addition einer Fettsäurekette über einen so genannten Linker (eine γ-Glutaminsäure) an Position B29 des Insulinmoleküls. Nach der Injektion ins subkutane Gewebe bildet sich ein Insulin degludec-Depot aus löslichen Multihexameren. Von deren Enden spalten sich einzelne Monomere ab, die langsam und kontinuierlich in die Blutbahn aufgenommen werden. Die Halbwertszeit von Insulin degludec ist etwa doppelt so lange wie die von Insulin glargin und die Wirkdauer des Basalinsulins liegt bei mehr als 42 Stunden.4,6

 

Von den Insulin degludec Multihexameren standen bisher nur In-vitro-Bilder zur Verfügung.6 Auf der 72. Jahrestagung der ADA im Juni 2012 wurden erstmals In-vivo-Aufnahmen des neuen Insulinmoleküls gezeigt:7 „Diese elektronenmikroskopischen Bilder liefern Evidenz für den postulierten Wirkmechanismus von Insulin degludec“, betonte Dr. Tim Heise, Profil Institut für Stoffwechselforschung, Neuss.

 

 

Neue Daten zu Pharmakokinetik und Phamakodynamik

 

Auf dem ADA 2012 wurden außerdem folgende neue pharmakokinetische und
-dynamische Daten präsentiert: Einer Studie von Heise et al. zufolge stellt sich das Steady-State-Gleichgewicht unter Insulin degludec nach zwei bis drei Tagen ein – sowohl bei Menschen mit Typ 1 als auch Typ 2 Diabetes.8 Auch in der Formulierung von 200 E/ml zeigte Insulin degludec ein flaches Wirkprofil und einen stabilen blutzuckersenkenden Effekt.9 Und: Weder eine Einschränkung der Leber- noch der Nierenfunktion hatten Einfluss auf die Pharmakokinetik von
Insulin degludec.10,11

 

 

Signifikant weniger nächtliche Hypoglykämien

 

PD Dr. Elmar Jaeckel, Medizinische Hochschule Hannover, machte anhand der großen Endpunktstudie ACCORD12 deutlich, dass Hypoglykämien bei Menschen mit Diabetes das Risiko für einen kardiovaskulären Tod erhöhen – er betonte dabei die Rolle nächtlicher Unterzuckerungen.13 Daraus leitete Jaeckel die Forderung nach einer möglichst geringen Hypoglykämierate bei modernen Basalinsulinen ab. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war die Einführung von Insulin glargin, das im Vergleich zu NPH-Insulin die Rate an nächtlichen Hypoglykämien bei Menschen mit Typ 2 Diabetes um 26 % senkte.14

 

Mit Insulin degludec kann eine weitere Verminderung des Hypoglykämierisikos im Vergleich zu Insulin glargin – bei ebenso guter Blutzuckerkontrolle – gezeigt werden, wie Daten vom ADA unterstreichen: In einer offenen Treat-to-Target-Studie wurden 1.030 insulin-naive Erwachsene mit Typ 2 Diabetes, die unter oralen Antidiabetika (OAD) keine ausreichende Blutzuckerkontrolle mehr erzielten, 1x täglich mit Insulin degludec bzw. Insulin glargin behandelt. Nach einem Jahr war die HbA1c-Senkung in beiden Studienarmen vergleichbar gut (-1,06 % versus -1,19 %), unter Insulin degludec gingen jedoch die Nüchtern-blutzuckerwerte signifikant stärker zurück als unter Insulin glargin (-67,7 versus -59,5 mg/dl; p=0,005). Bei einer vergleichbaren Gesamtrate bestätigter Hypoglykämien (1,52 versus 1,85 Ereignisse pro Patientenjahr) waren die Raten nächtlicher Unterzuckerungen unter dem neuen ultra-langwirksamen Basalinsulin signifikant niedriger (-36 %) als unter Insulin glargin (0,25 versus 0,39 Ereignisse pro Patientenjahr; p=0,04).1

 

Eine ebenfalls beim ADA 2012 präsentierte prospektiv geplante Metaanalyse bestätigt das geringere Hypoglykämierisiko: Das nächtliche Unterzuckerungsrisiko war unter Insulin degludec um 26 % geringer als unter Insulin glargin.15

 

 

Patienten profitierten von einer flexiblen Verabreichung

 

In der so genannten Flexibilitätsstudie wurde die Belastbarkeit der Therapie mit Insulin degludec in Bezug auf variierende Injektionszeitpunkte ausgelotet. Ziel war es zu überprüfen, ob eine zu späte bzw. zu frühe Injektion des Basalinsulins negative Effekte auf die Blutzuckerkontrolle und das Hypoglykämierisiko haben könnte. Die Studienteilnehmer mit Typ 1 Diabetes applizierten dazu Insulin degludec in Abständen, die zwischen acht und 40 Stunden schwankten. Ergebnis: Die variierenden Injektionszeitpunkte von Insulin degludec führten zu gleich guter glykämischer Kontrolle und Sicherheit wie die Verabreichung des Basalinsulins zur immer gleichen Uhrzeit.2

 

Aus diesen Daten zog Jaeckel folgenden Schluss: „Die lange Wirkdauer von Insulin degludec und damit die Minimierung insulinfreier Phasen sorgt bei Menschen mit Diabetes für eine sichere Insulinversorgung auch bei einem verlängerten, z.B. von Tag zu Tag variierendem Dosierungsintervall. Ein zuhause vergessener Pen hat nicht zwangsläufig eine Stoffwechselentgleisung zur Folge und auch das Ausschlafen am nächsten Tag ist nicht problematisch.“ Jaeckel betonte abschließend: „Große Erleichterung kann diese erhöhte Flexibilität von Insulin degludec bei Zeitumstellungen und Schichtarbeit bieten, aber auch die Arbeit von Pflegediensten vereinfachen, da dieses Basalinsulin nicht mehr zwingend immer genau zum gewohnten Zeitpunkt appliziert werden muss.“

 

 

 

Über Insulin degludec

 

Insulin degludec ist ein in der Forschung befindliches Basalinsulin, das nach der Injektion subkutan lösliche Multihexamere bildet. Aus diesem Depot wird Insulin degludec langsam und kontinuierlich in den Kreislauf freigesetzt. Dies führt zu einem ultra-langen und gleichmäßigen Wirkprofil.16 Novo Nordisk hat das globale Phase-3a-Programm namens BEGIN™, das über 7.000 Patienten in zwölf Studien umfasst, in 2010 abgeschlossen. Die Zulassungsanträge für Europa und für die USA wurden im September letzten Jahres eingereicht.

 

 

Über Novo Nordisk

 

Novo Nordisk ist ein international tätiges und forschendes Unternehmen der Gesundheitsbranche und mit seinen innovativen Produkten seit 89 Jahren führend in der Diabetesversorgung. Das Unternehmen hält außerdem führende Positionen auf den Gebieten Blutgerinnung (Hämostase), Wachstumshormon- sowie Hormonersatztherapie. Mit Hauptsitz in Dänemark beschäftigt Novo Nordisk derzeit etwa 32.500 Menschen in 75 Ländern, davon rund 500 in Deutschland. Seine Produkte werden in 190 Ländern vertrieben. Die B-Aktien von Novo Nordisk werden an den Börsen von Kopenhagen (Novo-B) und New York gehandelt (NVO). Weitere Informationen unter novonordisk.de.

 

 

Referenzen 

  1. Zinman B et al. Diabetes 2012;61(Suppl.1):A269
  2. Russell-Jones D et al., Diabetes 2012;61(Suppl.1):A91
  3. Jonassen I et al. Diabetes 2010;59(Suppl.1):0039-OR
  4. Heise T et al. Diabetologia 2011;54(Suppl.1):S425
  5. Heise T et al. Diabetes 2011;60(Suppl.1):A263
  6. Kurtzhals P et al. Diabetologia 2011;54 (Suppl.1):S426
  7. Seested T et al. Diabetes 2012;61(Suppl. 1):A250
  8. Heise T et al. Diabetes 2012;61(Suppl.1):A259
  9. Heise T et al. Diabetes 2012;61(Suppl.1):A91
  10. Arold G et al. T et al. Diabetes 2012;61(Suppl.1):A289
  11. Kiss I et al. Diabetes 2012;61(Suppl.1):A296
  12. NEJM 2008;358:2545-59
  13. Gill et al. Diabetologia 2009;52:42-45
  14. Rosenstock et al. Diabetes Care 2005;28:950-955
  15. Ratner R et al. Diabetes 2012;61(Suppl.1):A101
  16. Jonassen I et al. Insulin Degludec is a new generation ultra-long-acting basal insulin with a unique mechanism of protraction based on multi-hexamer formation. Oral presentation (39-OR) presented at the 71st Scientific Sessions of the American Diabetes Association, June 2010. Diabetes 2010;59 (Suppl.1) A375


 

Quelle: Pressegespräch der Firma Novo Nordisk zum Thema „Neue Daten vom ADA – Building a better Insulin Therapy“, am 28.06.2012 in Frankfurt am Main (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung