Neue Daten zur Ernährungssituation in deutschen Krankenhäusern und Pflegeheimen

Mangelernährung an der Tagesordnung

 

Berlin (10. Oktober 2019) – Wenn es um den Ernährungszustand der Deutschen geht, denken die meisten Menschen an Übergewicht. Doch auch Mangelernährung ist bundesweit ein großes Problem. Vor allem ältere und kranke, pflegebedürftige Menschen sind betroffen. Das bestätigt auch eine Vorabveröffentlichung des 14. DGE-Ernährungsberichts der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) mit aktuellen Zahlen zur Ernährungssituation in deutschen Krankenhäusern und Pflegeheimen, die im Rahmen des nutritionDays erhoben wurden. Fast ein Drittel der Patienten und ein Viertel der Bewohner zeigen Zeichen einer Mangelernährung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM), die an der gemeinsamen nationalen Aktion „nutritionDay für den DGE-Ernährungsbericht“ beteiligt war, nimmt die Veröffentlichung der Ergebnisse zum Anlass, auf die dringend erforderlichen Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungsversorgung in Krankenhäusern und Pflegeheimen aufmerksam zu machen.

Beim jährlich stattfindenden nutritionDay werden weltweit Daten zur Ernährungssituation von Patienten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen erhoben. Die seit 2006 erhobenen Daten zur Prävalenz von Mangelernährung sowie zu bestehenden Versorgungsstrukturen in Kliniken und Pflegeheimen in Deutschland wurden nun erstmalig systematisch ausgewertet. „Die Daten belegen, dass in deutschen Einrichtungen weiterhin ein großer Anteil der Patienten und Bewohner ein hohes Risiko für Mangelernährung aufweisen beziehungsweise mangelernährt sind“, sagt Professor Dr. med. Johann Ockenga, Vizepräsident der DGEM. „Fast jeder dritte Patient, der stationär in eine Klinik aufgenommen wird, zeigt entsprechende Anzeichen; in Pflegeheimen ist es jeder vierte Bewohner.“ Dieser Mangel wirkt sich schlecht auf das Wohlbefinden und den Krankheitsverlauf der Betroffenen aus.

„Besonders besorgniserregend ist zudem, dass sich die ernährungsmedizinischen Strukturen über den Untersuchungszeitraum tendenziell verschlechtert haben“, so Ockenga. So wurde ein deutliches Defizit an ernährungsmedizinischer Fachkompetenz aufgedeckt: Lediglich zehn Prozent der 2018 teilnehmenden Klinikstationen und 30 Prozent der Pflegewohnheimbereiche verfügten über eine Diätassistenz, die speziell für die ernährungstherapeutische Betreuung ausgebildet ist. Ein Viertel der teilnehmenden Stationen führt klinische Ernährung ohne Richtlinien oder Standards durch. „Da vermutlich vor allem ernährungsmedizinisch interessierte und engagierte Einrichtungen am nutritionDay teilgenommen haben, ist davon auszugehen, dass sich die Situation in deutschen Kliniken und Pflegeheimen insgesamt noch schlechter darstellt als die Daten zeigen“, ergänzt Ockenga, Klinikdirektor der Medizinischen Klinik II am Klinikum Bremen Mitte.

Um der Entwicklung von Mangelernährung präventiv entgegenzuwirken und bestehende Ernährungsprobleme adäquat zu behandeln, sind Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungsversorgung in Krankenhäusern und Pflegeheimen dringend erforderlich“, betont PD Dr. med. Frank Jochum, Präsident der DGEM. Von einem Ernährungsscreening – einer Untersuchung, mit der bestehende Mangelernährungszustände erkannt werden – und einer entsprechenden ernährungsmedizinischen Betreuung würden die Betroffenen enorm profitieren. Eine Studie hat kürzlich gezeigt, dass eine Ernährungsintervention bei Risikopatienten die Sterblichkeit signifikant reduzieren kann und zu einer deutlichen Besserung der Lebensqualität führt (1). „Es ist daher unerlässlich, Patienten und Pflegeheimbewohner bei einem Risiko oder einer bereits vorliegenden Mangelernährung in einem frühen Stadium zu identifizieren und zu therapieren“, so Jochum, der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau ist.

Eine ausführliche Auswertung der nutritionDay-Daten ist im Kapitel „Ernährungssituation in Krankenhäusern und Pflegeheimen – Auswertung der nutritionDay-Daten für Deutschland“ im Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) abgebildet. Der Bericht ist das Ergebnis eines von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM) und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) gemeinsam initiierten und vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderten Vorhabens, das vom Institut für Biomedizin des Alterns der Friedrich-Alexander-Universität gemeinsam mit nutritionDay Wien durchgeführt wurde.

  • Der Bericht kann auf der Website der DGE abgerufen werden. Der nächste nutritionDay findet am 7. November 2019 statt. Alle Details finden Interessierte auf der Website www.nutritionday.org.

 

Quellen

 

Über die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM)

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Ernährungsmedizin in Deutschland. Sie ist eine multidisziplinäre Vereinigung aller Berufsgruppen, die sich mit Ernährungsmedizin befassen – überwiegend Ärzte sowie Ernährungs- und Pflegefachkräfte und Apotheker. Die Gesellschaft vereint mehr als 3 000 Ärzte, Experten und Wissenschaftler, die ernährungsmedizinisch forschen, lehren, behandeln und beraten. Die DGEM fördert Wissenschaft, Praxis und Aus- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Ernährungsmedizin und Stoffwechselforschung. Regelmäßig veranstaltet sie Fortbildungskurse, Symposien und Kongresse, um Kenntnisse und Erfahrungen nutzbar zu machen und den interdisziplinären Austausch zu anderen in- und ausländischen Institutionen, die auf diesem Gebiet arbeiten, aufzunehmen und zu vertiefen. Gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften schreibt die DGEM Stipendien und andere Forschungsgelder für die Grundlagenforschung und die klinisch angewandte Forschung aus.

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM), 10.10.2019 (tB).

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