Neue Hoffnung für HIV-Infizierte

Neue Substanz gegen den Virenbefall

 

Köln (2. Oktober 2008) – Heute erscheinen die Ergebnisse zweier Studien von Prof. Gerd Fätkenheuer, Infektiologe an der Uniklklinik Köln und seinem Kollegen Roy Gulick aus New York mit Teams im New England Journal of Medicine, in denen ein neues Medikament zur Behandlung für die HIV- Infektion vorgestellt wird. Maraviroc, so der Name der neuen Substanz, hat einen bisher einzigartigen Wirkungsmechanismus: Es greift nicht das Virus direkt an, sondern schützt die menschlichen Zellen vor dem Befall mit dem Virus.

Durch Blockierung einer Schlüsselstelle auf der Zellmembran, des Korezeptors R5 (CCR5) wird das Virus am Eintritt in die Zelle gehindert. Für dieses Wirkprinzip gibt es ein Modell der Natur. Man weiß seit längerem, dass Menschen, bei denen CCR5 fehlt, nicht mit HIV infiziert werden, sondern gewissermaßen einen natürlichen Schutz besitzen. Das Fehlen des Korezeptors scheint keine negativen Folgen zu haben, denn diese Menschen führen ein normales Leben und zeigen keine Auffälligkeiten.

In den beiden Studien wird die Wirksamkeit von Maracviroc bei HIV-Patienten nachgewiesen, die bereits intensiv vorbehandelt waren und bei denen die herkömmlichen Medikamente nicht mehr anschlugen. Insgesamt 1049 Patienten wurden entweder mit Maraviroc (in zwei Dosierungen) oder mit Placebo behandelt, wobei alle Patienten zusätzlich eine individuell abgestimmte Kombination bereits zugelassener Medikamente erhielten.

Während in den beiden Maraviroc-Gruppen zwischen 42 und 47 Prozent der Patienten nach 48 Wochen keine nachweisbare Viruslast hatten (HIV-RNA kleiner als 50 Kopien pro Milliliter), war dies in den Placebogruppen nur bei 16 bis 18 Prozent der Fall.

In verschiedenen Untergruppen von Patienten, die ein besonders hohes Risiko für ein Therapieversagen aufweisen, zeigte sich Maraviroc eindeutig überlegen. Auch die Verträglichkeit von Maraviroc war sehr gut, es gab keinen Unterschied in den Nebenwirkungen zu Placebo. Die vorläufigen Daten aus den beiden heute veröffentichten MOTIVATE- Studien hatten bereits Ende 2007 zur Zulassung von Maraviroc in Deutschland geführt.

Bisher ist die Substanz nur zur Behandlung von HIV- Patienten zugelassen, die bereits vielfach vorbehandelt sind. Ein anderes Einsatzgebiet liegt aber in Zukunft möglicherweise in ganz anderen Bereichen. Man weiß zum Beispiel, dass CCR5 eine ganz zentrale Rolle bei der Neuinfektion mit HIV spielt. Derzeit laufen weltweit große Studien, in denen das Prinzip der Präexpositionsprophylaxe (auch PREP genannt) geprüft wird. Durch die Gabe von Medikamenten soll hier eine Infektion bei vorhandenem Risiko verhindert werden. Das Prinzip ist zum Beispiel aus der Malaria- Prophylaxe bekannt. Falls sich die grundlegende Wirksamkeit einer PREP bei HIV zeigen lässt, böte sich Maraviroc hier als ideales Medikament an: es hemmt einen zentralen Übertragungsmechanismus, es ist sehr gut verträglich und es gibt nicht die Gefahr einer Resistenzentwicklung gegen andere HIV- Medikamente.

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Universität Köln vom 02.10.2008.

 

MEDICAL NEWS

New guidance to prevent the tragedy of unrecognized esophageal intubation
Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Menschen mit Diabetes während der Corona-Pandemie unterversorgt? Studie zeigt auffällige…
Suliqua® zur Therapieoptimierung bei unzureichender BOT
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…

ERNÄHRUNG

Gesunde Ernährung: „Nicht das Salz und nicht das Fett verteufeln“
Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?

ONKOLOGIE

Nahrungsergänzungsmittel während der Krebstherapie: Es braucht mehr Bewusstsein für mögliche…
Fusobakterien und Krebs
Fortgeschrittenes Zervixkarzinom: Pembrolizumab verlängert Leben
Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Analysen aus Münster erhärten Verdacht gegen das Epstein-Barr-Virus
Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…