Neue Qualifikation für Pflegefachkräfte ermöglicht deutlich bessere Versorgung von Menschen mit Demenz

 

Greifswald/Bonn (15. Februar 2021) — In Deutschland leben aktuell 1,6 Millionen Menschen mit Demenz. Die meisten von ihnen werden zuhause von ihren Angehörigen betreut und versorgt – was alle Beteiligten vor eine Vielzahl von Herausforderungen stellt. Signifikant verbessern lässt sich die Lebens- und Versorgungssituation, wenn sie dabei von speziell qualifizierten Pflegefachkräften – so genannten „Dementia Care Managern“ betreut werden. Zu diesem klaren Ergebnis kommen Untersuchungen des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), das dieses neue Versorgungskonzept in der Praxis erprobt und bewertet hat. Auf Grundlage dieses Befundes hat das DZNE zusammen mit dem bundesweit aufgestellten Bildungsträger WBS Training ein Weiterbildungsangebot für Pflegefachkräfte entwickelt, das seit Januar 2021 bundesweit für die Versorgungspraxis angeboten wird.

Dementia Care Manager nehmen das ganze Umfeld des Menschen mit Demenz in den Blick: Ärzte, Pflegepersonal, Versorgungseinrichtungen, aber auch die Situation im häuslichen und familiären Umfeld werden in ihrem Zusammenspiel und ihren Möglichkeiten betrachtet und aufeinander abgestimmt. Im Ergebnis steht eine transparentere und besser koordinierte Versorgung. Wissenschaftliche Studien des DZNE-Standortes Rostock/Greifswald weisen nach, dass dieser Ansatz zu einer besseren medikamentösen Versorgung und einer höheren Lebensqualität der Betroffenen selbst führt und die Belastung der Angehörigen verringert. Zudem zeigte sich, dass die Patienten länger in ihrer angestammten Häuslichkeit verbleiben, und der Umzug in ein Pflegeheim verzögert werden kann.

 

Qualifikation im Sinne der „Nationalen Demenzstrategie“ der Bundesregierung

Basierend auf diesem wissenschaftlich fundierten Konzept wurde vom DZNE ein Curriculum für die Weiterbildung im Dementia Care Management entwickelt. Im Januar ist nun der erste Qualifikationskurs für Pflegefachkräfte aus der Praxis gestartet, mit dem das DZNE eine Basis schaffen möchte, um dieses Konzept deutschlandweit zu etablieren.

Die Nationale Demenzstrategie, die im September 2020 von den Bundesminister*innen Franziska Giffey (Familie, Senioren, Frauen und Jugend), Jens Spahn (Gesundheit) und Anja Karliczek (Bildung und Forschung) unterzeichnet wurde, unterstützt dieses Vorhaben. Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann, Sprecher des DZNE-Standortes Rostock/Greifswald, ist überzeugt vom Nutzen und der Notwendigkeit des Angebotes: „Eine optimale Versorgung kann den Verlauf der Erkrankung verzögern, Symptome lindern, Komplikationen vermeiden und den Betroffenen über längere Zeit ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben bei hoher Lebensqualität in der eigenen Häuslichkeit ermöglichen. Dafür muss unser Gesundheitssystem weiter entwickelt werden – wir benötigen innovative Versorgungsansätze!“

 

Ziel: Flächendeckendes Angebot für verbesserte Versorgungs- und Lebenssituation

Angestrebt ist, das Versorgungskonzept Dementia Care Management bis spätestens 2022 als bei den Versorgungsträgern abrechenbare Regelleistung in die Praxis zu überführen. Grundlegende Voraussetzung dafür ist die entsprechende Qualifikation, die im Rahmen des Kurses. Erworben wird. Der Kurs wird durchgeführt durch die WBS-Training AG, ein in diesem Feld bundesweit aktiver Bildungsträger. Pro Kurs kommen bis zu zwanzig erfahrene Fachkräfte aus der Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege von zuhause oder aus dem Büro heraus in einem virtuellen Online-Campus zusammen und durchlaufen die Qualifikation gemeinsam. Diese besteht aus mehreren Theorie- und Praxisphasen und umfasst insgesamt etwas mehr als 600 Stunden.

 

 

Über das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Das DZNE erforscht sämtliche Aspekte neurodegenerativer Erkrankungen (wie beispielsweise Alzheimer, Parkinson und ALS), um neue Ansätze der Prävention, Therapie und Patientenversorgung zu entwickeln. Durch seine zehn Standorte bündelt es bundesweite Expertise innerhalb einer Forschungsorganisation. Das DZNE kooperiert eng mit Universitäten, Universitätskliniken und anderen Partnern auf nationaler und internationaler Ebene. Das DZNE ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft.

 

 


Quelle: Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE), 15.02.2021 (tB).

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