Neue Studie

Menschen, die in der Seelsorge arbeiten, sind zufriedener mit ihrer Arbeit als die Allgemeinbevölkerung

 

Witten (18. Mai 2015) – Was, wenn Seelsorger selber in eine spirituelle Krise geraten? Fast die Hälfte der Priester in Deutschland durchlebt gelegentlich Phasen "geistlicher Trockenheit", bei zwölf Prozent tritt dieses Phänomen regelmäßig auf. Das tatsächliche Gefühl, dass Gott ihnen fern ist, erleben allerdings nur vier Prozent regelmäßig. Dies sind Ergebnisse einer Studie zur Lage der Seelsorge in Deutschland, an der sich 22 von 27 katholischen Diözesen beteiligt haben. "Unseres Wissens nach handelt es sich damit um die größte Studie zum Thema weltweit", sagt Arndt Büssing, Professor für Lebensqualität, Spiritualität und Coping an der Universität Witten/Herdecke (UW/H). Gemeinsam mit Forschern der Universität Freiburg, der Hochschule für Philosophie und der LMU in München, der Theologischen Fakultät Paderborn und der Universität Osnabrück wurden 8.600 katholische Seelsorgende (Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferenten) zu Themen wie Lebens- und Arbeitszufriedenheit, Gesundheitsbelastungen, sozialen Beziehungen und ihrer persönlichen Spiritualität befragt.


"Wichtigste die geistliche Trockenheit verstärkende Faktoren waren die mangelnde Wahrnehmung des Transzendenten im täglichen Leben, ein geringes Kohärenzgefühl (im Sinne eines Vertrauens, dass die Lebensereignisse vorhersehbar und erklärbar, mit den eigenen Ressourcen bewältigbar und der Anstrengung lohnend sind) sowie depressive Symptome und emotionale Erschöpfung", erläutert Prof. Dr. Arndt Büssing die Studienergebnisse. "Hinzu kommen die Unfähigkeit, alleine zu sein, Ängstlichkeit sowie geringe persönliche Leistungsfähigkeit im Sinne eines Burnouts. Das Vorhandensein sozialer Netzwerke, die Persönlichkeitsstruktur oder die Selbstwirksamkeitserwartung hatten dabei keinen signifikanten schützenden Einfluss gegen spirituelle Krisen. Es handelt sich also vornehmlich um ‘innere Faktoren’, die derartige Krisen von Seelsorgern entweder mit bedingen oder sie verstärken, weniger um äußere Faktoren." Wenn diese Krise besteht, hat das natürlich Auswirkungen auf die Lebenszufriedenheit der Seelsorgenden.

Wohingegen eine höhere Lebenszufriedenheit erreicht wird, wenn Faktoren wie Ehrfurcht und Dankbarkeit sowie die Wahrnehmung des Transzendenten im alltäglichen Leben von den Seelsorgenden erlebt werden. Insgesamt liegt die Lebenszufriedenheit der in der Seelsorge Tätigen höher als in der Durchschnittsbevölkerung (7,6 gegenüber 7,0 auf einer Skala von 0 bis 10), jedoch ist sie vergleichbar mit der von Menschen in anderen akademischen Berufen.

Wesentlich zur Lebenszufriedenheit tragen bei: die Zufriedenheit und die Identifikation mit der Tätigkeit, die Zufriedenheit mit der Partnerschaft (bei den Laien) bzw. mit der zölibatären Lebensform (bei den Priestern), ein unterstützendes soziales Umfeld, gute Gesundheit und positive spirituelle Erfahrungen. Die Lebenszufriedenheit hängt – wie auch in der Allgemeinbevölkerung – mit dem Alter zusammen. Die Ältesten sind am zufriedensten, die mittleren Altersgruppen am wenigsten zufrieden, die jungen Seelsorgenden liegen in der Mitte. Mehr als die Hälfte der Zufriedenheit mit der Tätigkeit hängt dabei von Anerkennung und Wertschätzung, der Qualität des Vorgesetzten, der Autonomie bei der Arbeit, einem visionären Team und dem Organisationsklima ab.

Weiterhin ergab die Studie, dass 58 Prozent der Priester, 66 Prozent der Diakone, 56 Prozent der Pastoralassistenten und 63 Prozent der Gemeindereferenten in Deutschland täglich oder auch mehrmals am Tag beten. Die Beichte hingegen scheint nicht nur bei den Laien, sondern auch bei den Priestern selbst an Bedeutung zu verlieren: 54 Prozent der Priester gehen nur einmal im Jahr oder seltener zur Beichte. Dies gilt auch für 70 Prozent der Diakone, 88 Prozent der Gemeindereferenten und 91 Prozent der Pastoralassistenten. Bestimmte Formen des religiösen Tuns scheinen also auch bei den "Profis" an Bedeutung zu verlieren.

Der viel diskutierte Zölibat wird von zwei Dritteln der Priester als "positiv" empfunden. Ein Drittel gab jedoch an, dass er sich "belastend" auf ihren Dienst auswirke, ein Viertel würde sich nicht wieder für die zölibatäre Lebensform entscheiden. Für jeden achten Priester ergeben sich laut eigener Angaben dadurch Probleme, die er nicht bewältigen kann.

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Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.100 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

 


Quelle: Private Universität Witten/Herdecke, 18.05.2015 (tB).

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