Deutscher Schmerzkongress (DGSS) 2009

Neue Wege in der Schmerztherapie: Zwei Wirkmechanismen in einer Tablette

 

Berlin (8. Oktober 2009) – Werden Schmerzpatienten in Deutschland immer adäquat versorgt? Unter anderem diese Frage wird auf dem Deutschen Schmerzkongress in Berlin diskutiert. Gerade bei chronischen Schmerzpatienten stimmen Anspruch und Realität nicht immer überein. Um hier genauere Erkenntnisse zu gewinnen, hat das Unternehmen Grünenthal gemeinsam mit verschiedenen Krankenkassen unter unabhängiger wissenschaftlicher Leitung eine Untersuchung zur Versorgungssituation initiiert. „Wir erhoffen uns, Ansatzpunkte für eine Verbesserung der Versorgungssituation zu finden und Anforderungen an neue therapeutische Optionen zu definieren", erklärt Prof. Dr. Rolf‑Detlef Treede aus Mannheim. Im Bereich der medikamentösen Behandlung könnte mit Tapentadol im nächsten Jahr so eine neue Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung stehen. In den USA ist das neue zentral wirksame Analgetikum bereits auf dem Markt. Die Zulassung für Deutschland wird für 2010 erwartet. „Tapentadol zeichnet sich aufgrund seines synergistischen Wirkmechanismus durch eine breite und hohe Wirksamkeit aus und verfügt im Vergleich zu den starken klassischen Opioiden über ein deutlich verbessertes Verträglichkeitsprofil", betont Dr. med. Ulrich Jahnel vom Unternehmen Grünenthal.

 

 

Schmerztherapie: Wie sieht die Versorgungssituation in Deutschland aus?

 

Trotz enormer Fortschritte besteht ‑ vor allem bei chronischen Schmerzpatienten ‑ in der Therapie weiter Optimierungsbedarf. Der Weg bis zu einer adäquaten Behandlung ist oft lang, Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen sind keine Seltenheit. Da es bislang keine ICD10‑Kodierung für das Symptom „Schmerz" gibt, fehlen bis dato Angaben zu den Kosten der Schmerztherapie und der Versorgungssituation in Deutschland. Im Projekt „Versorgungsatlas Schmerz" werden Daten verschiedener Krankenkassen analysiert. Man hofft, dadurch ein realistisches Bild bezüglich der aktuellen Versorgungssituation zu erlangen und Bereiche, in denen Optimierungen vorgenommen werden müssen, zu definieren.

 

 

Chronische Schmerzen ‑ mit Schwerpunkt: diabetische Polyneuropathie und lumbarer Rückenschmerz

 

Tapentadol konnte in klinischen Studien eine Wirksamkeit bei nozizeptiven und neuropathischen Schmerzen zeigen. Im Vergleich zu Opioiden wie Oxycodon und Morphin zeigte es im äquianalgetischen Dosisbereich eine mindestens gleichwertige Schmerzlinderung (Visuelle Analogskala, numerische Bewertungsskala) bei gleichzeitig verringerten Nebenwirkungen (unter anderem gastrointestinal und Juckreiz). Ungefähr 50 Prozent weniger Patienten mussten sich erbrechen oder litten an Obstipation. Rund 40 Prozent weniger Patienten litten unter Übelkeit oder Juckreiz. Durch die verbesserte Verträglichkeit im Vergleich zu Opioiden wie Oxycodon gab es in den Studien deutlich weniger (zirka 50 Prozent) nebenwirkungsbedingte Therapieabbrüche. Insgesamt führte die starke Wirkung bei weniger Nebenwirkungen zu einem erhöhten Therapieerfolg unter der Behandlung mit Tapentadol.

 

Tapentadol in der retardierten Form (PR) wurde u. a. auch in einer klinischen Studie beim chronischen lumbalen Rückenschmerz untersucht.(1) In der doppelblinden placebo‑ und aktivkontrollierten Phase 111­Studie waren 981 Patienten mit lumbalen Rückenschmerzen eingeschlossen. Sie erhielten entweder zweimal täglich 100 bis 250 mg Tapentadol PR (prolonged release) oder zweimal täglich 20 bis 50 mg Oxycodon CR (controlled release) oder Placebo. Nach einer dreiwöchigen Titrationsphase folgte eine zwölfwöchige Behandlungsphase unter stabiler Dosis. Hier war der Endpunkt die Veränderung der Schmerzintensität auf der 11‑Punkt‑NRS. Bei vergleichbarer analgetischer Wirksamkeit waren auch hier unter Tapentadol die Nebenwirkungen deutlich geringer als unter Oxycodon. Abbruchraten aufgrund von gastronitestrialen unerwünschten Ergebnissen, die mit der Behandlung assoziiert waren, betrugen unter Tapentadol 5,3 Prozent und unter Oxycodon 18,3 Prozent. Darüber hinaus konnte in dem umfangreichen Studienprogramm auch eine Wirksamkeit bei neuropathischen Schmerzen für die diabetische Polyneuropathie belegt werden, so dass ein breiter Einsatz des Wirkstoffes möglich ist. „Aus der Kombination aller Daten lässt sich schließen, dass Tapentadol mit seinen dualen Wirkmechanismus wahrscheinlich auch bei „mixed pain" wirksam sein wird, was vor allem bei der Therapie von Rückenschmerzen ein enormer Vorteil sein kann", so Prof. Dr. Ralf Baron, Kiel.

 

 

Über Tapentadol

 

Mit Tapentadol steht den Schmerzpatienten im nächsten Jahr ‑ erstmals seit über 25 Jahren ‑ wieder eine neue zentral wirksame, analgetische Substanz zur Verfügung. Die Substanz Tapentadol kombiniert μ-­Opioid‑Rezeptor (MOR)‑Agonismus und NoradrenalinWiederaufnahme‑Hemmung (NRI) in einem Molekül. Es konnte in klinischen Studien eine Wirksamkeit bei nozizeptiven und neuropathischen Schmerzen gezeigt werden. Tapentadol zeigt im äquianalgetischen Dosisbereich zu Oxycodon eine deutlich bessere Verträglichkeit vor allem hinsichtlich gastrointestinaler Nebenwirkungen. Der neue Wirkstoff stellt eine interessante neue Option für die Realisierung einer effizienten Schmerztherapie dar. Denn im Vergleich mit Oxycodon konnten die Therapieabbruchraten aufgrund unerwünschter Ereignisse deutlich verringert werden. Tapentadol wurde als retardierte Form (PR) zur Behandlung starker chronischer Schmerzen entwickelt.

 

Im Juni hat Grünenthal die Marktzulassung für Tapentadol bei mehreren europäischen Zulassungsbehörden, einschließlich des BfArM (Deutschland) beantragt. Die Markteinführung für Deutschland wird für das Jahr 2010 erwartet und voraussichtlich in den folgenden Wirkstärken zur Verfügung stehen:

 

  • PR‑Formulierung mit 50, 100, 150, 200 und 250mg.
  • Das vorgesehene Dosisintervall ist 2x täglich.

 

Zurzeit bereitet Grünenthal den Antrag auf Zulassung für Tapentadol zur Einreichung bei den Arzneimittelbehörden in Mexiko, Südamerika und Australien vor.

 

 

Synergistischer Wirkmechanismus

 

Präklinischen Studien bestätigen, dass beide Mechanismen (μ‑Opioidrezeptor‑Agonismus und Noradrenalin‑Wiederaufnahme‑Hemmung) an der analgetischen Wirkung von Tapentadol gleichermaßen beteiligt sind. μ‑Rezeptor‑Agonisten sind Substanzen, die auf unterschiedlichen Ebenen der Schmerzübertragung aktiv sind. Sie hemmen die Schmerzwahrnehmung, indem sie die Übertragung des Schmerzsignals im Gehirn beeinflussen. Die Noradrenalin‑Wiederaufnahme‑Hemmung von Tapentadol steigert maßgeblich den Anteil an Noradrenalin im synergistischen Spalt, womit der zusätzliche schmerzlindernde Effekt erklärt werden kann.

 

 

Entwicklungspartner für Tapentadol

 

Tapentadol ist eine Entdeckung Grünenthals. Die Phase llb‑und III‑Entwicklungsprogramme für Tapentadol bei akuten und chronischen Schmerzen führten Grünenthal und J&JPRD gemeinsam durch. Grünenthal hat die Vermarktungsrechte für die USA, Kanada und Japan an Ortho‑McNeil‑Janssen Pharmaceuticals, Inc. und Johnson & Johnson Pharmaceutical Research & Development, L.L.C. (J&JPRD), vergeben. Die Vermarktungsrechte für Europa und weitere Länder weltweit verbleiben bei Grünenthal.

 

 

Über Grünenthal

 

Grünenthal strebt an, weltweit der bevorzugte Partner in der Schmerzbehandlung für Patienten, Ärzte und Krankenkassen zu sein. Das Unternehmen treibt Innovation voran, um Europäischer Marktführer im moderaten bis schweren Schmerz zu sein. Grünenthal ist ein unabhängiges, deutsches Familienunternehmen, das weltweit in 34 Ländern Gesellschaften hat. Das 1946 gegründete Unternehmen beschäftigte Ende 2008 in Deutschland rund 2.000 Mitarbeiter, weltweit rund 5.200. Der Umsatz 2008 betrug rund 864 Millionen Euro. Weitere Informationen unter: www.grunenthal.de

 

 

Anmerkung

 

(1) Buynak et al. (2009) Efficacy and safety of Tapentadol extended release for chronic low back pain: results of a randomized, double‑blind, placebo‑ and active‑controlled Phase 3 study, abstract & poster presented at the 28th APS Congress, San Diego, 7‑9 May 2009; 2009.

 

 

 

Download

 

Referat Prof. Dr. med. Rolf-Detlef Treede zum Thema “Unmet needs in der Therapie starker Schmerzen – Schmerztherapie im Spannungsfeld zwischen Anspruch und Realität”:

Abstract: Treede.pdf Treede.pdf (314.33 KB)

 

Referat Dr. med. Ulrich Jahnel zum Thema "Tapentadol: Pharmakologisches Profil eines neuen stark wirksamen Analgetikums":

Abstract: Jahnel.pdf Jahnel.pdf (213.98 KB)

 

Referat Prof. Dr. med. Michael Schäfer zum Thema “Im Doppel gegen den Schmerz – neue Studiendaten zu Tapentadol: Tapentadol IR in der Akutschmerztherapie u. a. Schmerzmodellen”:

Abstract: Schaefer.pdf Schaefer.pdf (499.98 KB)

 

Prof. Dr. med. Ralf Baron zum Thema "Im Doppel gegen den Schmerz – neue Studiendaten zu Tapentadol: Chronischer Schmerz":

Abstract: Baron.pdf Baron.pdf (560.42 KB)

 

 

 

Akuter und chronischer Schmerz – Hintergrund_1.pdf Hintergrund_1.pdf (1.35 MB)

Therapie starker Schmerzen – Hintergrund_2.pdf Hintergrund_2.pdf (925.37 KB)

Rückenschmerzen – Low Back Pain – Hintergrund_3.pdf Hintergrund_3.pdf (1.24 MB)

Tapentadol – Hintergrund_4.pdf Hintergrund_4.pdf (514.69 KB)

 

 


Quelle: Lunch-Symposium der Firma Grünenthal zum Thema „Therapie starker Schmerzen: gut, besser, …?“ am 08.10.2009 in Berlin (Medical Consulting Group).

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