Natriumkanäle: Neue Zielscheiben für Schmerzmittel

 

Förderpreis für Schmerzforschung an Münchner Forscher verliehen

 

Berlin (8. Oktober 2008) – Eine über 40 Jahre alte Theorie zur Funktion von Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) haben Münchner Forscher widerlegt und damit möglicherweise einen Angriffspunkt für neue Schmerzmedikamente ausgemacht. Sie fanden heraus, dass Schmerznervenzellen ihre natürliche Hemmung zur Verhinderung chronischer Schmerzen einer Inaktivierung von Natriumkanälen verdanken – nicht wie bisher angenommen einer gesteigerten Aktivität der Natrium-Kalium-Ionenpumpe, einem Enzym in der Zellmembran. Für ihre Studie wurden die Wissenschaftler um Dr. Richard Carr und Dr. Roberto De Col beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin mit dem mit 3.500 Euro dotierten zweiten Preis der Kategorie Grundlagenforschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2008 ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).

Debug-Ausgabe

Die Anzeige wird auf dieser Seite angezeigt.

Aktueller Beitrag: Neue Zielscheiben für Schmerzmittel, ID: 1884

Anzeige: Chiesi Fortbildung (21134)
Platzierung: Inhalt (inhalt)





Lösungen in der Anleitung finden

 

40 Jahre falscher Annahmen

Nervenzellen, die Schmerzreize vermitteln, sind bei gesunden Menschen anpassungsfähig: Werden sie aktiviert, tritt eine natürlich Hemmung in Kraft, die verhindert, dass weitere Signale ausgesandt werden können und die Weiterleitung von Signalen verlangsamt. Seit über 40 Jahren nahm man an, dass diese Hemmung, die das Entstehen chronischer Schmerzen verhindert, auf einer gesteigerten Aktivität der Natrium-Kalium-Ionenpumpe (Na, K-ATPase) beruht. Sie befördert Natrium-Ionen aus der Zelle heraus und Kalium-Ionen hinein und hilft so ein elektrisches Potential aufzubauen, das zur Signalerzeugung gebraucht wird. Jetzt zeigte sich aber, dass stattdessen Natriumkanäle inaktiviert werden, so dass der Einstrom von Natrium-Ionen in die Zelle blockiert wird. Diese Kanäle – drei verschiedene Subtypen werden überwiegend in Schmerznervenzellen gebildet – rücken somit in den Fokus der Forschung.

 

Neue Möglichkeiten für Diagnostik und Therapie

Zum einen lässt sich ihre Aktivität leicht messen. Das eröffnet die Möglichkeit neuer diagnostischer Verfahren, die bei Schmerzpatienten die Ursachen der Schmerzkrankheit entlarven könnten. Von einigen seltenen Schmerzkrankheiten ist bekannt, dass Mutationen in dem Gen vorliegen, das den Bauplan für die Natriumkanäle enthält. Andererseits bieten sich die Natriumkanäle als Zielscheibe für Schmerzmedikamente an. Unspezifische Natriumkanalblocker wie das Lokalanästhetikum Lidocain werden im klinischen Alltag schon erfolgreich eingesetzt. Spezifische Natriumkanalblocker könnten sich gezielt gegen die drei in Schmerznervenzellen gebildeten Kanäle richten. „Da Natriumkanäle in alle erregbaren Zelltypen produziert werden, ist die Verabreichung von unspezifischen Natriumkanalblockern mit Nebenwirkungen verbunden“, erklärt Dr. Richard Carr. „So kann zum Beispiel Lidocain in zu hoher Konzentration zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen.“ Ein Natriumkanalblocker, der ausschließlich auf Natriumkanalsubtypen in Nozizeptoren wirkt, könnte diese Nebenwirkungen umgehen und somit in ausreichender Dosierung sehr wirkungsvoll den Schmerz hemmen.

 

Titelaufnahme

Roberto De Col, Karl Messlinger and Richard W. Carr: Conduction velocity is regulated by sodium channel inactivation in unmyelinated axons innervating the rat cranial meninges. In: The Journal of Physiology, Volume 586 Issue 4, Pages 1089-1103, DOI: 10.1113/jphysiol.2007.145383

 

Ansprechpartner

Dr. Richard Carr, Institut für Physiologische Genomik, Ludwig-Maximilians-Universität, Pettenkoferstraße 12, 80336 München, Tel. 089/218075-221/241, E-Mail: Richard.Carr@med.uni-muenchen.de

 


 

Quelle: Eröffnungspressekonferenz des Deutschen Schmerzkongresses 2008 am 08.10.2008 in Berlin.

 

MEDICAL NEWS

Fitness watches generate useful information, but increase patient anxiety
A new device provides added protection against COVID-19 during endoscopic…
81 million Americans lacking space or bathrooms to follow COVID…
Front-line physicians stressed and anxious at work and home
EULAR: High-Dose Glucocorticoids and IL-6 Receptor inhibition can reduce COVID-19…

SCHMERZ PAINCARE

Krankenhäuser und Praxen müssen sich bei der Schmerztherapie nach Operationen…
Morbus Fabry mittels Datenanalysen aus dem PraxisRegister Schmerz aufspüren
Neandertaler besaßen niedrigere Schmerzschwelle
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2020 – ONLINE
Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert Anerkennung von Nicht-Psychologen in der…

DIABETES

“Körperstolz”: Michael Krauser managt seinen Diabetes digital
Der richtige Sensor – von Anfang an
Diabetes mellitus: Ein Risikofaktor für frühe Darmkrebserkrankungen
Fastenmonat Ramadan: Alte und neue Herausforderung für chronisch Erkrankte während…
Sanofi setzt sich für die Bedürfnisse von Menschen mit Diabetes…

ERNÄHRUNG

Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…
Fast Food, Bio-Lebensmittel, Energydrinks: neue Daten zum Ernährungsverhalten in Deutschland
Neue Daten zur Ernährungssituation in deutschen Krankenhäusern und Pflegeheimen: Mangelernährung…
Baxter: Parenterale Ernährung von Patienten mit hohem Aminosäurenbedarf

ONKOLOGIE

Bestmögliche Versorgungssicherheit bei der Krebstherapie mit CAR-T-Zellen
Darolutamid bei Prostatakarzinom: Hinweis auf beträchtlichen Zusatznutzen
Multiples Myelom: Wissenschaftler überprüfen den Stellenwert der Blutstammzelltransplantation
Neues zur onkologischen Supportiv- und Misteltherapie und aktuelle Kongress-Highlights zum…
Neue Darreichungsform zur Antiemese bei Chemotherapie: Akynzeo® ist ab sofort…

MULTIPLE SKLEROSE

Geschützt: Multiple Sklerose: Novartis’ Siponimod verzögert Krankheitsprogression und Hirnatrophie bei…
Neurofilamente als Diagnose- und Prognosemarker für Multiple Sklerose
Bedeutung der Langzeittherapie bei Multipler Sklerose – mehr Sicherheit und…
Bristol Myers Squibb erhält Zulassung der Europäischen Kommission für Ozanimod…
Einige MS-Medikamente könnten vor SARS-CoV-2/COVID-19 schützen

PARKINSON

Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…
Putzfimmel im Gehirn
Parkinson-Patienten in der Coronakrise: Versorgungssituation und ein neuer Ratgeber
Neuer Test: Frühzeitige Differenzialdiagose der Parkinson-Erkrankung
Gegen das Zittern: Parkinson- und essentiellen Tremor mit Ultraschall behandeln…