Neuer Leitfaden für die Hausarztpraxis:

Einfluss der Triglyceride auf das KHK-Risiko

 

Werner O. Richter: Hypertriglyceridämie - Ein klinischer LeitfadenAlsdorf (20. Januar 2009) – Hypertriglyceridämien werden in der hausärztlichen Praxis sehr häufig diagnostiziert. Die medikamentöse Behandlung von Fettstoffwechselstörungen bleibt jedoch oft monotherapeutisch auf die Senkung des LDL-Cholesterins hin ausgerichtet, da vielen Ärzten nicht bewusst ist, dass auch erhöhte Triglyceride die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflussen. Daher sollte neben einer Statin-Therapie immer auch eine effektive  triglyceridsenkende Behandlung eingeleitet werden. Professor Werner O. Richter, Leiter des Instituts für Fettstoffwechsel und Hämorheologie in Windach, weckt Aufmerksamkeit für das in der Praxis nur allzu oft „vergessene“ Risikopotenzial der Triglyceride. In seinem aktuell erschienenen Buch „Hypertriglyceridämie. Ein klinischer Leitfaden“ erläutert Richter dem Hausarzt leicht verständlich die unterschiedlichen Formen der Hypertriglyceridämie, beleuchtet besondere therapeutische Situationen und gibt Hinweise zur Diagnostik. Hinsichtlich der Therapie hebt Richter die besondere Rolle hochkonzentrierter Omega-3-Fettsäuren als Ethylester (z. B. Zodin®) hervor, die einen zweifachen kardiovaskulären Schutz bieten: Zum einen senken sie effektiv und zuverlässig die Triglyceride, zum anderen wirken sie antiarrhythmisch auf die Herzmuskelzelle und schützen so vor tödlichem Kammerflimmern, der Hauptursache des plötzlichen Herztodes.

 

Eine Hypertriglyceridämie sollte immer behandelt werden

Richter arbeitet zunächst heraus, dass das atherogene Potenzial von Triglyceriden – anders als beim LDL-Cholesterin – nicht per se durch die Höhe bestimmt wird. Vielmehr muss zur Risikobeurteilung vor allem die Zusammensetzung der triglyceridreichen Lipoproteine herangezogen werden. Und bei diesen wiederum bedeutet eine abnorme Zusammensetzung nicht automatisch, dass die Entstehung einer Arteriosklerose gefördert wird. Richter führt das National Cholesterol Education Program der USA an, das triglyceridarme VLDL sowie intermediate-density-Lipoproteine und Chylomikronen-Remnants in zu hoher Konzentration als atherogene Lipoproteine definiert. Als nicht atherogen hingegen gelten Chylomikronen und triglyceridreiche VLDL. Auf dieser Basis beschreibt der Autor ausführlich die unterschiedlichen Formen der Hypertriglyceridämie und differenziert sie hinsichtlich ihrer atherogenen Wirkung. Unabhängig vom vorhandenen atherogenen Potenzial empfiehlt Richter jedoch eindringlich, jede Hypertriglyceridämie zu behandeln. Der Grund: Hypertriglyceridämien gehen immer mit einer erhöhten Konzentration an freien Fettsäuren im Blut einher, die Arrhytmien begünstigen und damit das Risiko eines plötzlichen Herztodes massiv befördern.

 

Zur Therapie stehen Omega-3-Säurenethylester 90, Fibrate und Nikotinsäure sowie ergänzende ernährungstherapeutische Maßnahmen zur Verfügung. Aufgrund ihrer hohen kardioprotektiven Wirkung lenkt Richter den Schwerpunkt seiner Ausführungen zur Therapie jedoch auf Omega-3-Säurenethylester 90 (z.B. Zodin®).

 

Omega-3-Säurenethylester 90 normalisieren den Triglycerid-Spiegel und stabilisieren

die Herzmuskelzellen

Die hochkonzentrierten Ethylester aus den Omega-3-Fettsäuren Docosahexaensäure und Eicosapentaensäure haben neben ihrer potenten Wirkung den Vorteil, dass praktisch keine unerwünschten Nebenwirkungen auftreten. Fibrate und Nikotinsäure hingegen sind bei einigen systemischen Erkrankungen (z. B. Lebererkrankungen; Herzinsuffizienz und frischer Herzinfarkt bei Nikotinsäure) kontraindiziert. Auf welchen Wirkmechanismen die triglyceridsenkenden Eigenschaften von Omega-3-Säurenethylester 90 beruhen, stellt Richter ausführlich dar: Zum einen wird die Neu-Synthese von VLDL vermindert und gleichzeitig der Abbau des VLDL gesteigert. Die Triglyceridkonzentration im Blut sinkt. Durch den vermehrten VLDL-Abbau kommt es zum Anstieg von normalem LDL, so dass der Anteil von hochatherogenen small dense LDL sinkt. Darüber hinaus kommt es zu einer HDLErhöhung durch vermehrte Synthese von Apolipoprotein A-I und A-II. Auf diese Weise senken Omega-3-Säurenethylester 90 den Triglycerid-Spiegel um bis zu 30 %. Die Wirkung tritt ab einer Dosierung der Omega-3-Fettsäuren von 1,5 -2,5 g/Tag auf. Dies entspricht 2 – 4 Kapseln Zodin pro Tag.

 

Neben der triglyceridsenkenden Wirkung haben Omega-3-Säurenethylester 90 noch eine zweite kardioprotektive Wirkung, die direkt in den Myokardzellen ansetzt und die Richter in seinem Buch hervorhebt: Aufgrund antiarrhytmischer Eigenschaften sind Omega-3-Säurenentylester 90 in der Lage, Kammerflimmern zu verhindern, das als einer der wichtigsten Risikofaktoren für den plötzlichen Herztod gilt. Der Autor erläutert insbesondere die GISSI-Präventionsstudie, in der erstmals in einer großangelegten Endpunkt-Studie der hohe mortalitäts- und morbiditätssenkende Nutzen hochkonzentrierter Omega-3-Fettsäuren gezeigt werden konnte. Richter hebt besonders den Rückgang des plötzlichen Herztodes um 45 % in der GISSI-P hervor, der – dieser Umstand ist enorm wichtig für die Praxis – bei Patienten beobachtet werden konnte, die bereits mit dem Standard-Therapieprogramm aus Thrombozytenaggregations-, ACE- oder CSE-Hemmer sowie β-Blocker versorgt waren. Die günstige Wirkung trat also additiv ein. Neben der Abnahme ischämisch ausgelöster tödicher ventrikulärer Herzrhythmusstörungen gibt es weitere nachgewiesene Effekte von Omega-3-Säurenethylester 90, die für den hohen kardioprotektiven Nutzen verantwortlich sind. Hierzu zählen vor allem plaquestablisierende und entzündungshemmende Eigenschaften sowie eine verminderte Thrombozytenaggregation.

 

Richter rundet sein Buch durch Ausführungen über die Unterschiede zwischen Omega-3- Säurenethylester 90 und nativen Fischölen ab, stellt verschiedene Patientenbeispiele vor und erläutert die Vorgehensweise in speziellen therapeutischen Situationen wie HIV / AIDS. Wertvolle Hilfen bieten darüber hinaus ein Glossar zum Fettstoffwechsel und weiterführende Literaturhinweise. Das Buch von Werner O. Richter dient allen interessierten Ärzten als Leitfaden, um schnell und präzise einen Überblick über alle wesentlichen Aspekte der  Hypertriglyceridämie zu gewinnen und sich insbesondere im Bereich effektiver therapeutischer Möglichkeiten zu orientieren.

 

Werner O. Richter

Hypertriglyceridämie

Ein klinischer Leitfaden

Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2008
107 S. m. 17 farb.
Abb. u. 29 Tab.
ISBN: 3804724515
14,80 Euro

 

Zu beziehen über den Buchhandel.

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Firma Trommsdorff vom 20.01.2009 (Medical Consulting Group) (tB).

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