Neuer Meilenstein in der Anästhesie: Innovation im Muskelrelaxanzien‑Management

Neuer Therapieansatz für Anästhesisten zur raschen und verlässlichen Reversierung von flachen und tiefen Muskelrelaxationen

 

Berlin (7. November 2008) – Führende deutsche Experten haben auf einer Einführungspressekonferenz in Berlin mit BRIDION® (Sugammadex) ein neues innovatives therapeutisches Konzept und eine neue Substanzklasse vorgestellt. Mit dem neuen steroidalen Muskelrelaxanz‑Enkapsulator (SMRE) ist es möglich, durch Rocuronium oder Vecuronium induzierte neuromuskuläre Blockaden gezielt und schnell aufzuheben. Den neuartigen Therapieansatz mit dem innovativen Wirkmechanismus bezeichneten Experten als einen Meilenstein in der Anästhesie und betonten den Nutzen für das Muskelrelaxanzien‑Management. Sie machten deutlich, dass damit das Problem der postoperativen Restcurarisierung (PORC) verhindert werden kann.

 

Muskelrelaxanzien sind routinemäßiger Bestandteil der Allgemeinanästhesie: sie werden eingesetzt, um die endotracheale Intubation zu erleichtern und optimale Operationsbedingungen zu schaffen. Leider können sie auch eine unerwünschte Wirkung haben: Neuromuskuläre Restblockaden. „Werden neuromuskuläre Restblockaden nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, erhöhen postoperative Restblockaden (PORC) das Risiko für Muskelschwäche und Hypoventilation (1) sowie für Schluckstörungen und Aspiration (2)", erklärt Prof. Manfred Blobner aus München. Dass PORC ein schwerwiegendes Problem im klinischen Alltag ist, belegt auch eine Studie von Maybauer (3), die sich mit großen bauchchirurgischen Eingriffen befasst. So lag die Anzahl der Patienten, bei denen nach Ende der OP eine neuromuskuläre Restblockade auftrat, bei etwa der Hälfte. Diese postoperativen Restblockaden können bereits nach Anwendung klinisch gebräuchlicher Dosierungen auftreten. Im klinischen Alltag sollten neuromuskuläre Restblockaden durch ein neuromuskuläres Monitoring erkannt und am Ende der Operation durch Reversierung behandelt werden. (4)

 

Gefahren durch PORC in der klinischen Routine

„PORC ist nicht nur lästig für den OP‑Manager, sondern auch potenziell gefährlich für den Patienten", wie Blobner weiter dazu ausführt. Denn durch PORC können Komplikationen auftreten, die in der klinischen Routine oftmals unterschätzt werden. Dies zeigt sich in einer reduzierten Flussvolumenkurve und hypoxischen Atemantwort, durch Atemwegsobstruktion und Schluckstörungen. Damit kann PORC im klinischen Alltag zu einer bedrohlichen Realität werden und durch die Komplikationen einen deutlichen Einfluss auf das postoperative Outcome nehmen.

 

PORC vermeiden und Muskelrelaxation optimieren

Reversoren können helfen, PORC zu kontrollieren. Sie heben die Wirkung der Muskelrelaxanzien auf und ermöglichen den Patienten, die natürliche Muskelfunktion schneller wiederzugewinnen und damit schneller selbstständig zu atmen. Aktuell im Markt befindliche Reversoren sind nicht in der Lage, sowohl flache als auch tiefe Muskelrelaxationen schnell und sicher zu reversieren. Sie wirken langsamer und werden mit Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen oder gastrointestinalen und pulmonalen Folgen assoziiert. Daher sind nun neue Ansätze gefragt, die dem Anspruch an ein „ideales Muskelrelaxanz" gerecht werden, so dass eine bedarfsgerechte Steuerung sowie optimale Voraussetzung für die Operation und Extubation des Patienten geschaffen werden ‑ ohne die typischen Begleiterscheinungen der Acetylcholinesterase­Inhibitoren.

 

Neuer Ansatz zur zielgerichteten Reversierung

Experten fordern schon länger neue Ansätze, die nicht nur das Risiko von PORC reduzieren, sondern es gleichzeitig ermöglichen, die Tiefe und Wirkungsdauer der Relaxation zu kontrollieren. Ein neuer therapeutischer Ansatz mit BRIDION® wird jetzt den Anforderungen der modernen Anästhesie gerecht. „Auch wenn die Suche nach einem idealen Muskelrelaxanz bislang erfolglos blieb, so ist es nun gelungen, einen idealen Reversor zu entwickeln°, sagt Prof. Jens Scholz aus Kiel.

Neuromuskuläre Blockaden werden bisher fast ausschließlich über eine Hemmung der Acetylcholinesterase reversiert. Dadurch steigt die Konzentration von Acetylcholin im synaptischen Spalt. Am häufigsten verwendet wird zurzeit Neostigmin. Jedoch sind die bisherigen Reversoren nicht in der Lage, eine tiefe neuromuskuläre Blockade schnell zu reversieren. Mit dem neuartigen steroidalen Muskelrelaxanz‑Enkapsulator (SMRE) ist es nun möglich, neuromuskuläre Blockaden durch Muskelrelaxanzien vom Aminosteroid‑Typ wie Rocuroniumbromid rasch, effektiv und verlässlich aufzuheben. Auch tiefe neuromuskuläre Blockaden können innerhalb von drei Minuten reversiert werden ‑ deutlich schneller als mit Acetylcholinesterasehemmern wie Neostigmin.

 

Enkapsulierung als Basis für einen innovativen Wirkmechanismus

Ein völlig neuer und innovativer Wirkmechanismus ermöglicht erstmals, das Ende der neuromuskulären Blockade gezielt zu kontrollieren. Hierbei kommt ein völlig neuartiges Konzept der Reversierung zum Einsatz: Steroidale Muskelrelaxanzien werden fernab des Rezeptors in der Blutbahn durch ein Zuckermolekül in einen stabilen Komplex eingefangen (enkapsuliert). „Durch die Enkapsulierung wird das Muskelrelaxanz inaktiviert und von seinem Wirkort entfernt", erklärt Prof. Gabriele Nöldge‑Schomburg aus Rostock.

Der Enkapsulator wurde gezielt entwickelt, um eine durch Rocuronium (Esmeron®) oder Vecuronium (Norcuron®) induzierte Muskelrelaxation während der Allgemeinanästhesie innerhalb weniger Minuten zu reversieren. In klinischen Studien mit BRIDION® lag die mediane Zeit bis zur Reversierung von Rocuronium bei etwa drei Minuten (tiefe neuromuskuläre Blockade, routinemäßige Reversierung).

 

Muskelrelaxation punktgenau steuern

Aufgrund der Molekülstruktur hat der neue Muskelrelaxanz‑Enkapsulator eine hohe Bindungsaffinität zu Rocuronium und Vecuronium. So kann die Muskelrelaxation schnell durch Rocuronium „angeschaltet" und mit dem neuen Muskelrelaxanz‑Enkapsulator punktgenau „abgeschaltet" (On/Off‑Wirkung) werden. Auf diese Weise kommt die Kombination dem Anspruch nach einem „idealen Muskelrelaxanz" sehr nahe. Unabhängig von der Operationsdauer ist so eine kurze Erholungsphase möglich. Eine kürzlich veröffentlichte Studie (5) zeigte, dass BRIDION® eine signifikant schnellere Erholung einer tiefen Rocuronium‑induzierten Muskelrelaxation bewirkt als der herkömmliche Antagonist Neostigmin. In dieser multizentrischen, randomisierten, doppelblinden Phase‑III‑Vergleichsstudie (Signal‑Studie) betrug die mediane Zeit bis zur Erholung in der Sugammadex‑Gruppe 2,7 Minuten, in der Neostigmin‑Gruppe hingegen 49 Minuten.

 

Optimale Kontrolle in jeder Phase des Muskelrelaxanzien‑Managements

Eine schnellere Reversierung der Muskelrelaxation am Ende der Operation bedeutet, dass Patienten innerhalb kürzester Zeit zu voller Muskelfunktion zurückkehren und schneller wieder in der Lage sind, selbstständig zu atmen. Mit BRIDION® erhält der Anästhesist bessere Kontrollmöglichkeiten, eine tiefe neuromuskuläre Blockade bis zum Ende eines chirurgischen Eingriffs aufrechtzuerhalten. Dies könnte zur Vereinfachung bei Millionen von Operationen beitragen, bei denen Muskelrelaxanzien eingesetzt werden. Das neue Therapieprinzip ist der erste wichtige pharmazeutische Fortschritt auf dem Gebiet der Anästhesie seit zwei Jahrzehnten. Es vereinfacht das moderne Muskelrelaxanzien‑Management, denn erstmals werden Anästhesisten in der Lage sein, die Wirkung sowohl flacher als auch tiefer Muskelrelaxationen schnell und verlässlich zu reversieren ‑ etwas, das mit anderen derzeit verfügbaren Reversoren nicht möglich ist.

 

Über BRIDION® (Sugammadex)

Die Europäische Kommission erteilte die Zulassung auf Basis eines positiven Votums des Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA). Sugammadex ist seit Ende Juli 2008 von der EMEA unter dem Namen BRIDION® zugelassen. Die Zulassung von BRIDION® durch die Europäische Kommission erfolgte auf der Grundlage einer umfassenden Datenbasis klinischer Studien, an denen ungefähr 1.800 Patienten und Probanden teilgenommen haben.

BRIDION® ist indiziert zur routinemäßigen Reversierung einer durch die häufig eingesetzten Muskelrelaxanzien Rocuronium und Vecuronium hervorgerufenen neuromuskulären Blockade. BRIDION® ist ebenfalls zugelassen zur sofortigen Reversierung von Rocuronium bei Erwachsenen und zur routinemäßigen Reversierung einer durch Rocuronium induzierten Blockade bei Kindern und Jugendlichen (2‑17 Jahre).

 

Quellen

1. Eriksson LI. Acta Anaesthesiol Scand 1996; 40: 520‑523

2. Eriksson LI et al. Anesthesiology 1997; 87: 1035‑1043

3. Maybauer DM et al. Anaesthesia 2007; 62: 12‑17

4. Baillard C. et al. Br J Anaesth 2005; 95: 622‑626 5. Jones RK et al. Anesthesiology 2008; 109: 816‑824

 

Abb.: Enkapsulierung des Rocuronium-Moleküls durch das Sugammadex-Molekül: Durch den steroidalen Muskelrelaxanz-Enkapsulator Sugammadex wird das Muskelrelaxanz Rocuronium eingefangen (enkapsuliert). Sie bilden durch die Enkapsulierung einen stabilen Komplex.

Abb. 1: Enkapsulierung des Rocuronium-Moleküls durch das Sugammadex-Molekül: Durch den steroidalen Muskelrelaxanz-Enkapsulator Sugammadex wird das Muskelrelaxanz Rocuronium eingefangen (enkapsuliert). Sie bilden durch die Enkapsulierung einen stabilen Komplex.

 

Abb.: Rocuronium-Sugammadex-Komplex: Das Rocuronium-Molekül wird fernab des Rezeptors in der Blutbahn durch Sugammadex in einen stabilen Komplex eingefangen (enkapsuliert). Durch die Enkapsulierung wird das Muskelrelaxanz inaktiviert und von seinem Wirkort entfernt.

Abb. 2: Rocuronium-Sugammadex-Komplex: Das Rocuronium-Molekül wird fernab des Rezeptors in der Blutbahn durch Sugammadex in einen stabilen Komplex eingefangen (enkapsuliert). Durch die Enkapsulierung wird das Muskelrelaxanz inaktiviert und von seinem Wirkort entfernt.

 

 

Abb.: Verpackung bridion® (Durchstechflaschen à 2 ml): Bridion® kann aus jeder Blockadetiefe schnell, vollständig und sicher reversieren. Damit bietet es eine optimale Kontrolle in jeder Phase der Muskelrelaxation und vereinfacht so das Muskelrelaxanzien-Management.

Abb. 3: Verpackung bridion® (Durchstechflaschen à 2 ml): Bridion® kann aus jeder Blockadetiefe schnell, vollständig und sicher reversieren. Damit bietet es eine optimale Kontrolle in jeder Phase der Muskelrelaxation und vereinfacht so das Muskelrelaxanzien-Management. Bridion® wird auch in Durchstechflaschen à 5 ml angeboten.

 

 

 

Über Essex Pharma

Die Essex Pharma GmbH mit Sitz in München ist die deutsche Tochtergesellschaft der Schering­Plough (S‑P) Corporation, einem innovativen, forschenden pharmazeutischen Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Kenilworth, New Jersey (USA) hat. Durch seine eigene biopharmazeutische Forschung und durch die Zusammenarbeit mit Partnern entwickelt S‑P Therapien, die weltweit die Gesundheit der Menschen verbessern und Leben retten. Das Unternehmen nutzt seine Forschungs‑ und Entwicklungsplattform für Humanarzneimittel, Consumer‑Produkte und Tierarzneimittel. Die Vision des Unternehmens lautet „Vertrauen gewinnen, jeden Tag" ‑ das Vertrauen der Ärzte, der Patienten, der Kunden und aller anderen Geschäftspartner, die von den Mitarbeitern weltweit betreut werden. In Deutschland vertreibt Essex Pharma eine breite Produktpalette an innovativen verschreibungspflichtigen Humanarzneimitteln, insbesondere für die Therapiefelder Allergologie, Anästhesie, Neurologie, Dermatologie, Fertilität, Gynäkologie, Hepatologie, Herz‑Kreislauf, Immunologie, Mykologie und Onkologie. Die deutsche Website des Unternehmens ist www.essex.de.

 


 

Quelle: Launch Pressekonferenz „Bridion®“ der Firma Essex Pharma zum Thema Neuer Meilenstein in der Anästhesie: Innovation im Muskelrelaxtanzien-Management“ am 07.11.2008 in Berlin (Hill & Knowlton Communications).

MEDICAL NEWS

Fitness watches generate useful information, but increase patient anxiety
A new device provides added protection against COVID-19 during endoscopic…
81 million Americans lacking space or bathrooms to follow COVID…
Front-line physicians stressed and anxious at work and home
EULAR: High-Dose Glucocorticoids and IL-6 Receptor inhibition can reduce COVID-19…

SCHMERZ PAINCARE

Morbus Fabry mittels Datenanalysen aus dem PraxisRegister Schmerz aufspüren
Neandertaler besaßen niedrigere Schmerzschwelle
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2020 – ONLINE
Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert Anerkennung von Nicht-Psychologen in der…
DBfK: Besondere Rolle für Pflegeexpert/innen Schmerz – nicht nur in…

DIABETES

“Körperstolz”: Michael Krauser managt seinen Diabetes digital
Der richtige Sensor – von Anfang an
Diabetes mellitus: Ein Risikofaktor für frühe Darmkrebserkrankungen
Fastenmonat Ramadan: Alte und neue Herausforderung für chronisch Erkrankte während…
Sanofi setzt sich für die Bedürfnisse von Menschen mit Diabetes…

ERNÄHRUNG

Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…
Fast Food, Bio-Lebensmittel, Energydrinks: neue Daten zum Ernährungsverhalten in Deutschland
Neue Daten zur Ernährungssituation in deutschen Krankenhäusern und Pflegeheimen: Mangelernährung…
Baxter: Parenterale Ernährung von Patienten mit hohem Aminosäurenbedarf

ONKOLOGIE

Darolutamid bei Prostatakarzinom: Hinweis auf beträchtlichen Zusatznutzen
Multiples Myelom: Wissenschaftler überprüfen den Stellenwert der Blutstammzelltransplantation
Neues zur onkologischen Supportiv- und Misteltherapie und aktuelle Kongress-Highlights zum…
Finanzierung der ambulanten Krebsberatung weiterhin nicht gesichert
Lungenkrebsscreening mittels Low-Dose-CT

MULTIPLE SKLEROSE

Geschützt: Multiple Sklerose: Novartis’ Siponimod verzögert Krankheitsprogression und Hirnatrophie bei…
Neurofilamente als Diagnose- und Prognosemarker für Multiple Sklerose
Bedeutung der Langzeittherapie bei Multipler Sklerose – mehr Sicherheit und…
Bristol Myers Squibb erhält Zulassung der Europäischen Kommission für Ozanimod…
Einige MS-Medikamente könnten vor SARS-CoV-2/COVID-19 schützen

PARKINSON

Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…
Putzfimmel im Gehirn
Parkinson-Patienten in der Coronakrise: Versorgungssituation und ein neuer Ratgeber
Neuer Test: Frühzeitige Differenzialdiagose der Parkinson-Erkrankung
Gegen das Zittern: Parkinson- und essentiellen Tremor mit Ultraschall behandeln…