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Neues zur Anämie-Therapie in der Onkologie

NCCN-Guidelines und Therapiehinweis des G-BA

 

Berlin (1. Oktober 2010) – Laut G-BA und den aktuellen NCCN-Guidelines sollte vor der Behandlung einer tumorbedingten oder Chemotherapie-induzierten Anämie mit Erythropoesestimulierenden Agenzien (ESAs) der Eisenstatus des Patienten überprüft werden. In den meisten Fällen liegt der Anämie ein funktioneller Eisenmangel (FEM) zugrunde, der jedoch häufig weder adäquat diagnostiziert noch therapiert wird. Er ist gekennzeichnet durch normale oder erhöhte Serum-Ferritin-Werte und eine gleichzeitige Transferyin-Sättigung unter 20%. Die Leitlinien und der G-BA empfehlen bei einem FEM die intravenöse Eisengabe – die orale Supplementation wird als unwirksam eingestuft. Durch eine i.v. Eisengabe kann die Response auf eine antianämische Therapie mit ESAs signifikant gesteigert werden. Im Rahmen einer in Deutschland durchgeführten nicht-interventionellen Studie (NIS) konnte im Praxisalltag die Effektivität einer Anämiebehandlung bei 422 Tumorpatienten mit ferinject® belegt werden. Bei 86% der Patienten konnte die Anämie sogar durch die alleinige i.v. Eisengabe (durchschnittlich 1.357 mg pro Patient) ohne ESA korrigiert werden – sowohl bei einem funktionellen als auch bei einem absoluten Eisenmangel.

 

Die Anämie gehört zu den häufigsten Begleiterscheinungen bei Tumorerkrankungen. Im Rahmen einer Chemotherapie, kann die Prävalenz auf bis zu 75% ansteigen. Zu den Hauptursachen der tumorbedingten Anämie zählt der funktionelle Eisenmangel (FEM), der durch eine Eisenverwertungsstörung gekennzeichnet ist: Aufgrund des hohen Entzündungsstatus wird vermehrt das Typ II Akut-Phase-Peptid Hepcidin ausgeschüttet. Dieses hemmt die intestinale Eisenresorption, die Eisenfreisetzung aus den Enterozyten und die Eisenmobilisation aus den Eisenspeichern (Retikuloendotheliales System, RES). Aber auch ohne Anämie kann der alleinige Eisenmangel bereits Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität haben. (1,2) Die Häufigkeit des FEM bei Patienten mit tumorbedingter Anämie liegt bei 10 bis 40%. Dieser Anteil kann auf bis zu 90% ansteigen, wenn die Patienten mit Erythropoese-stimulierenden Agenzien (ESAs) behandelt werden. (3,4)

 

Laut Prof. Hartmut Link wird dies jedoch häufig bei der Behandlung der tumorbedingten und Chemotherapie-induzierten Anämie nicht beachtet. Die Folgen sind ein suboptimales Ansprechen auf die ESA-Therapie, das meist zu einer Dosissteigerung und somit erhöhte Kosten führt. Um dies zu vermeiden, wird in dem aktuellen Therapiehinweis des G-BA vor der ESA-Verordnung eine Eisendiagnostik empfohlen.(5) Entsprechend der gerade erschienenen Leitlinien des „National Comprehensive Cancer Network" (NCCN)(6) der USA liegt ein absoluter Eisenmangel bei Serum-Ferritin-Werten unter 30 ng/ml vor.

 

Ferritin-Konzentrationen über 30 ng/ml zusammen mit einer Transferrinsättigung (TSAT) unter 20% weisen auf einen FEM hin. In diesem Fall ist laut G-BA und NCCN eine kombinierte Anämie-Therapie mit intravenösem (i.v.) Eisen und ESAs zu erwägen. Die orale Eisentherapie wird als nicht effektiv eingestuft und kann nachweislich die hämatopoetische Response auf eine antianämische Therapie nicht verbessern.(7) Die i.v. Eisensubstitution kann die Anämiekorrektur mit ESAs signifikant beschleunigen, die Response signifikant steigern und zusätzlich die erforderliche ESA-Dosierung um bis zu 25% senken.(3, 4, 8, 9, 10)

 

 

Anämie-Korrektur bei Tumorpatienten durch i.v. Eisen-Monotherapie möglich

 

Im Rahmen einer deutschen nicht-interventionellen Studie (NIS) konnte erstmals unter praxisnahen Bedingungen gezeigt werden, dass bei Tumorpatienten mit Eisenmangel die Anämie mit einer alleinigen i.v. Eisengabe ohne ESA korrigiert werden kann.(11) „Die NIS zu ferinjecC war in jeder Hinsicht ein außerordentliches Projekt mit wegweisenden Daten für die Behandlung der tumorbegleitenden oder Chemotherapie-induzierten Anämie", so Dr. Norbert Marschner (Studienarzt). Die Auswertung umfasste 422 anämische Patienten aus 73 deutschen Zentren mit unterschiedlichen Tumorarten, deren Anämie durch die alleinige Gabe von ferinjec® (86%) oder in Kombination mit EPO (14%) behandelt wurde. Im Durchschnitt konnte einer Normalisierung des Hb-Wertes (11-12 g/dl) bereits fünf Wochen nach Therapiebeginn beobachtet werden. Über den gesamten Beobachtungszeitraum (12 Wochen) konnte der Hb-Wert im Durchschnitt um 1.4 g/dl angehoben werden (Abb.1.) – sowohl bei einem absoluten als auch bei einem funktionellen Eisenmangel.

 

Die Patienten erhielten im Durchschnitt eine Gesamtdosis von 1357 mg ferinject®. Die Therapie zeigte eine gute Verträglichkeit: 4% der Patienten berichteten über Nebenwirkungen.

 

Moderne gutverträgliche parenterale Präparate wie Eisencarboxymaltose (ferinject®) können in hohen Dosen von bis zu 1.000 mg in mindestens 15 min als Kurzinfusion verabreicht werden. Aufgrund der Dextranfreiheit ist keine Testdosis notwendig.

 

 

Abb. 1. Anämiekorrektur mit Eisencarboxymaltose (FCM; ferinject®). Innerhalb von 12 Wochen konnte bei 422 Tumorpatienten mit Anämie und Eisenmangel der Hb-Wert um durchschnittlich 1.4 g/dl angehoben werden. Die ferinject®-Monotherapie zeigte den gleichen therapeutischen Benefit wie eine Kombination mit EPO 

 

Abb. 1. Anämiekorrektur mit Eisencarboxymaltose (FCM; ferinject®). Innerhalb von 12 Wochen konnte bei 422 Tumorpatienten mit Anämie und Eisenmangel der Hb-Wert um durchschnittlich 1.4 g/dl angehoben werden. Die ferinject®-Monotherapie zeigte den gleichen therapeutischen Benefit wie eine Kombination mit EPO.

 

  

 

Vifor Pharma

 

Vifor Pharma – zu der die Vifor Pharma Deutschland GmbH gehört – ist eine integrierte und spezialisierte Pharmagruppe, die pharmazeutische Spezialitäten erforscht, entwickelt, produziert und weltweit vermarktet. Sie konzentriert sich auf die Kernkompetenzen Anämie, Nephrologie und Consumer Health. Mit ihren parenteralen und oralen Eisenpräparaten ist Vifor Pharma weltweit marktführend bei den Medikamenten zur Behandlung von Eisenmangelerscheinungen. Im Bereich Consumer Health stellt Vifor Pharma eigene, lizenzierte oder vertretene Produkte im Rx- und OTCBereich her und vermarktet diese in der Schweiz und in ausgewählten Exportländern. Vifor Pharma ist ein Unternehmen der Galenica Gruppe.

 

 

Weitere Informationen zu Anwendung, Wirkungen und Nebenwirkungen von ferinject® entnehmen Sie bitte der Fachinformation.

 

 

Literatur 

  1. Anker et al., N Engl J Med 2009;361: 2436‑2448
  2. Jankowska et al., Eur Heart J. 2010 Jun 21. [Epub ahead of print] doi: 10.1093/eurheartj/ehq158
  3. Hedenus et al. Leukemia 2007;21:627‑632
  4. Henry et al. Oncologist 2007;12:231‑242
  5. Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinie (AM‑RL) in Anlage IV: Therapiehinweis zu Erythropoese-stimulierenden Wirkstoffen (zur Behandlung der symptomatischen Anämie bei Tumorpatienten, die eine Chemotherapie erhalten) Vom 17. Juni 2010
  6. NCCN Practice Guidelines in Oncology – v.2.2010
  7. Kim et al., Gynecol Oncol 2007;105(1):199‑204
  8. Auerbach et al. J Clin Oncol 2004;22:1301‑1307
  9. Bastfit et al. J Clin Oncol 2008;26:1611‑1618
  10. Pedrazzoli et al. J Clin Oncol 2008;26:1619‑1625
  11. Steinmetz et al., Poster, DGHO 1.-5. Okt 2010 (P250)

 

 


Quelle: Symposium der Firma Vifor Pharma zum Thema “Neue Therapieempfehlungen bei Anämie – die NCCN-Guidelines” am 01.10.2010 in Berlin, anlässlich der gemeinsamen Jahrestagung 2010 der DGHO (tB).

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