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IQWIG: Neueste Forschung zu Allergien – Hyposensibilisierung kann helfen

 

  • Die spezifische Immuntherapie wirkt bei vielen Menschen

  • Der Versuch, Hausstaubmilben zu beseitigen, ist jedoch meist nicht hilfreich

 

Berlin (11. Juni 2008) – Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat aktuelle Forschungsarbeiten zu Allergien geprüft. Dabei zeigte sich, dass die früher umstrittene spezifische Immuntherapie gegen allergische Beschwerden tatsächlich vielen Menschen helfen kann.

Wenn alles grünt und blüht, erreicht die Allergiesaison ihren Höhepunkt. Immer mehr Menschen sind betroffen: In Deutschland hat mindestens einer von fünf Einwohnern Heuschnupfen. Fast die Hälfte der Bevölkerung reagiert wenigstens zeitweise auf Allergene wie Pollen oder Hausstaubmilben. Es ist aber immer noch unklar, warum Allergien in den letzten Jahrzehnten so stark zugenommen haben. Der Leiter des IQWiG, Prof. Dr. med. Peter Sawicki, sagte, bisher sei noch keine der Theorien zur Häufung von Allergien wissenschaftlich nachgewiesen. So ist zum Beispiel die Annahme, dass Impfungen im Kindesalter für die Zunahme der Allergien verantwortlich sein könnten, offenbar nicht belegt.

 

"Es gibt viele unbewiesene Behauptungen über Allergien", so Peter Sawicki, "aber es gibt auch immer mehr Forschungsergebnisse, die die Fakten von den Mythen trennen. Zum Beispiel hat sich gezeigt, dass teure und zeitraubende Versuche, Hausstaubmilben in der Wohnung zu bekämpfen, wie das Entfernen von Teppichen und häufiges Waschen des Bettzeugs, meistens nichts nützen: Es ist einfach unmöglich, alle Milben zu beseitigen – egal, wie viel Mühe man sich macht. Aber es stehen inzwischen wirksame Allergiebehandlungen zur Verfügung, zum Beispiel die spezifische Immuntherapie, und eine ganze Reihe von Medikamenten, die die Beschwerden lindern."

 

Das Institut hat die neuesten unabhängigen Forschungsarbeiten zu Allergien analysiert, um herauszufinden, welche Therapien oder vorbeugenden Maßnahmen tatsächlich wirken. Das Ergebnis: Die spezifische Immuntherapie gegen allergische Beschwerden kann vielen Menschen helfen. Bei dieser auch Hyposensibilisierung genannten Behandlung wird der Wirkstoff, ein Allergenextrakt, als Spritze unter die Haut oder in Form von Tropfen, Tabletten oder Spray unter die Zunge (sublingual) gegeben. Sie wird immer häufiger eingesetzt: Der Arzneiverordnungs-Report 2007 zeigt, dass mehr als ein Dutzend dieser Extrakte mittlerweile zu den 3.000 Medikamenten zählen, die in Deutschland am häufigsten verschrieben werden.

 

Peter Sawicki: "Besonders die sublinguale Immuntherapie wird in Europa immer beliebter. Die Forschung hat gezeigt, dass sie bestimmte allergische Reaktionen bei Erwachsenen verringern kann und weniger unerwünschte Wirkungen auslöst als die Injektionsbehandlung. Wir sind noch nicht völlig sicher, ob die sublinguale Therapie genauso wirksam ist wie die Behandlung mit Spritzen, und ob sie auch bei Kindern wirkt. Aber wir denken, dass die vielen Studien, die diese Fragen derzeit untersuchen, bald gute Antworten liefern werden."

 

Der Einsatz von so genannten Antihistaminika ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Das IQWiG hat auch die aktuelle Forschung zu einigen der meistverkauften Antihistaminika untersucht. Demnach können all diese Wirkstoffe Allergiesymptome lindern, sie haben häufig aber auch unerwünschte Wirkungen. Wie schnell sie wirken und wie oft sie Nebenwirkungen haben, ist verschieden.

 

Das Institut hat außerdem geprüft, wie man Allergien bei Kindern vorbeugen könnte, und folgende Schlüsse gezogen: Eltern können ihre Kinder schützen, indem sie aufhören zu rauchen. Säuglings-Ersatznahrung kann gelegentlich Allergien auslösen. Und es gibt erste Hinweise, dass es vorbeugend wirken könnte, in den letzten Schwangerschaftswochen probiotische Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen. "Die Wirkung von Probiotika in der Schwangerschaft ist ein Forschungsgebiet, das das IQWiG weiterhin aufmerksam beobachten wird", so Sawicki.


Quelle: Presseinformation des Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) vom 11.06.2008 (tB).

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