Neurowoche 2010 – State-of-the-Art Therapiemanagement der MS

Frühzeitiger Einsatz und Therapiekonzept mit Langzeit-Perspektive

 

Mannheim (24. September 2010) – Bei der Behandlung der Multiplen Sklerose ist der Basistherapie mit Interferonen unbestritten ein hoher Stellenwert beizumessen. Neben der zuverlässigen Wirkung auf die MS Symptome rücken zusehends auch kognitive Beeinträchtigungen durch die MS in den Fokus. Darüber hinaus sind Langzeit-Erfahrungen für die Therapieentscheidung von besonderem Interesse, wie bei einer Pressekonferenz von Bayer Vital im Rahmen der Neurowoche 2010 in Mannheim deutlich wurde.

 

Die Multiple Sklerose gilt nach Professor Dr. Heinz Wiendl, Münster, als Prototyp einer entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Bei der Behandlung setzen die Mediziner auf Immunmodulatoren, wobei nach Wiendl Interferon beta-1b (Betaferon®) als Mittel der Wahl für verschiedene Krankheitsformen wie die schubförmig-remittierende MS, die sekundär-progrediente MS und auch das Klinisch isolierte Syndrom (CIS) ist. Einer der Forschungsschwerpunkte ist nach Darstellung des Mediziners dabei die Suche nach Biomarkern, mit deren Hilfe sich das Ansprechen der Patienten auf die Therapie vorhersagen lässt.

 

 

Langzeiterfahrungen über 16 Jahre

 

Neben der guten klinischen Wirksamkeit ist für Interferon beta-1b auch ein gutes Sicher-heitsprofil dokumentiert worden. So liegen mittlerweile Daten über einen Behandlungs-zeitraum von mehr als 16 Jahren bei Patienten mit schubförmig-remittierender MS vor. „Es werden dabei Therapieerfahrungen von mehr als 1784 Jahren aus der Nachbeob-achtung der Zulassungsstudien überblickt“, berichtete Privatdozent Dr. Andrew Chan aus Bochum. Damit stellen die 16-Jahresdaten der RRMS-Zulassungsstudie in Bezug auf diesen Parameter die größte Langzeitbeobachtung eines krankheitsmodifizierenden Medikaments zur MS-Behandlung. Die vorliegenden Daten zeigen nach seinen Ausführungen, dass Patienten, die nur kurzfristig (unter 1,6 Jahren) mit Interferon beta-1b behandelt worden waren, ein deutlich höheres Risiko hatten, eine EDSS (Expanded Disability Status Scale) von 6,0 zu erreichen als Patienten, die den Immunmodulator über einen längeren Zeitraum (1,6 bis 12,8 Jahre) erhielten. Bei Patienten mit nur kurzer Behandlungsdauer war nach Chan zudem der Anteil der Patienten, bei denen eine Konversion zu einer sekundär progredienten MS diagnostiziert wurde, höher als bei Patienten unter einer langfristigeren Therapie mit Interferon beta-1b. Die 16-Jahresdaten bestätigen auch die aus anderen Studien gewonnenen Erfahrungen zur guten Verträglichkeit und günstigem Sicherheitsprofil von Interferon beta-1b. Die Auswertung der 16-Jahresdaten ergab keine neuen unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Demgegen-über ist bei den neuen, zum Teil als immunsuppressiv einzustufenden Wirkstoffen, die ursprünglich für die Onkologie bzw. Organtransplantation entwickelt wurden, eine klare Nutzen-Risiko-Bewertung noch nicht etabliert. Es ist bisher davon auszugehen, dass das zukünftige Therapiesetting dieser Wirkstoffe unter anderem auch ein zusätzliches Monitoring durch weitere Facharztgruppen erforderlich machen wird.

 

Kognition im neuen Licht

 

In einer weiteren Langzeitstudie wurden CIS-Patienten über einen Zeitraum von 5 Jahren untersucht. Dabei wurde in einer ersten zweijährigen Studienphase placebokontrolliert mit dem Immunmodulator behandelt und für die Frühtherapie eine Reduktion der Schubrate belegt. Es wurde ferner anhand des PASAT (Paced Auditory Serial Addition Test) nachgewiesen, dass bei einer frühzeitigen Behandlung mit Interferon beta-1b die kognitive Leistungsfähigkeit der Patienten gegenüber einem verzögerten Therapiebeginn besser erhalten bleibt.

 

Das ist nach Privatdozent Dr. Michael Haupts, Isselburg, ein relevanter Befund. Denn die MS geht bei vielen Patienten mit deutlichen Einbußen der Kognition einher. Es handelt sich hierbei meist nicht um massive Defizite, die ähnlich wie bei einer Demenz offen zu Tage treten. Doch können viele Betroffene in Belastungssituationen Schwierigkeiten entwickeln, zum Beispiel, wenn eine besonders schnelle Informationsverarbeitung oder eine anhaltende mentale Konzentration gefragt ist.

 

„Etwa 20 Prozent der MS-Patienten zeigen bereits im Frühstadium der Erkrankung Defizite in bestimmten Domänen der Kognition wie der Aufmerksamkeit, dem Gedächtnis oder der planenden Handlungskontrolle“, erklärte Haupts in Mannheim. Die BENEFIT-Studie hat nach seinen Worten gezeigt, dass die kognitiven Fähigkeiten unter Interferon beta-1b über den gesamten Studienzeitraum von fünf Jahren besser erhalten bleiben als in der Kontrollgruppe, die in den ersten zwei Studienjahren statt des Immunmodulators Placebo erhalten hatten.

 

 

Neuroprotektion – auf der Suche nach effektiven Strategien

 

Als weiteren Forschungsschwerpunkt nannte Professor Dr. Peter Rieckmann aus Bamberg die Suche nach Strategien, mit denen sich eine Neuroprotektion bei der MS realisieren lässt. Dabei geht es darum, die bei Immunmodulatoren wie Interferon beta-1b in Studien nachgewiesenen eindämmenden Effekte auf die Entzündungsaktivität zu nutzen und dabei möglichst auch neuroprotektive Effekte zu erzielen. Denn die  Erkrankung verläuft in aller Regel progredient und ist durch einen Abbau des Myelins und eine Reduktion der axonalen Integrität gekennzeichnet. Es fehlen bislang noch eindeutige Kriterien, um neuroprotektive Effekte nachweisen zu können, doch gibt es andererseits Hinweise, dass die verfügbaren Therapieoptionen durchaus auch in dieser Hinsicht effektiv sein können. So scheint die Behandlung mit Interferon beta-1b die Expression antioxidativ wirksamer Verbindungen hochzuregulieren. „Damit können die Axone möglicherweise vor oxidativem Stress geschützt werden“, erklärt der Neurologe. Damit aber scheint eine Hemmung der weiteren Destruktion von Axonen verbunden zu sein, was, sofern sich die Beobachtungen eindeutig nachweisen lassen, nach Rieckmann einem neuroprotektiven Effekt gleichkommen dürfte.

 

Darauf, dass solche Wirkungen von Interferon beta-1b nicht von der Hand zu weisen sind, deuten auch die Daten der BENEFIT-Studie (BEtaferon®/Betaseron® in Newly Emerging Multiple Sclerosis For Initial Treatment) an, in der unter anderem eine Hemmung der Behinderungsprogression unter Interferon beta-1b gezeigt wurde.

 

 

Über Bayer Vital

 

Die Bayer Vital GmbH vertreibt in Deutschland die Produkte der in der Bayer HealthCare AG zusammengeführten Divisionen Animal Health, Consumer Care, Diabetes Care und Bayer Schering Pharma. Bayer Vital konzentriert sich auf das Ziel, in Deutschland innovative Produkte in Zusammenarbeit mit den Partnern im Gesundheitswesen zu erforschen und Ärzten, Apothekern und Patienten anzubieten. Die Produkte dienen der Diagnose, der Vorsorge und der Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin. Damit will das Unternehmen einen nachhaltigen Beitrag leisten, die Gesundheit von Mensch und Tier zu verbessern. Mehr über Bayer Vital steht im Internet: www.bayervital.de

 

 


Quelle: Pressekonferenz der Firma Bayer HealthCare zum Thema „MS-Therapie heute und morgen meistern“ am 23.09.2010 anlässlich der Neurowoche 2010 in Mannheim (tB).

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