Offener Leserbrief des Kompetenznetzes Maligne Lymphome e.V. zum Artikel "Schlicht obszön" in DER SPIEGEL 20/2010

 

Köln (7. Juni 2010) – Die Wochenzeitschrift DER SPIEGEL veröffentlichte in seiner Ausgabe 20/2010 einen Artikel, in dem für neue Krebsmedikamente ein Auseinanderklaffen von hohen Kosten und geringem Nutzen beschrieben wurde. Da unabhängige Therapieoptimierungsstudien in verschiedenen Bereichen der Lymphomtherapie sehr wohl den Nutzen des im Text genannten Wirkstoffs Rituximab nachgewiesen haben, möchte das Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. (KML) mit diesem offenen Leserbrief eine Richtigstellung erzielen. Ärzte und Patienten können sich jederzeit an den Konsiliardienst des Kompetenznetzes Maligne Lymphome e.V. wenden, um unabhängige Informationen über die Therapieverfahren bei bösartigen Lymphomen zu erhalten.

 


Sehr geehrte Damen und Herren des SPIEGEL-Verlages,

zu dem Artikel "Schlicht obszön" (Ausgabe 20/2010, S. 166-171) möchten wir kurz Stellung nehmen:

Zugegeben: Es ist kein Vorteil, würde durch eine kostenintensive und nebenwirkungsreiche Therapie eine Lebensverlängerung um wenige Wochen erreicht. Aber leider stimmt dies nicht für alle von Ihnen erwähnten Therapien. So wurde beispielsweise bei der Therapie der Lymphome offensichtlich schlampig recherchiert. Die Therapiekosten des Lymphozyten-spezifischen Antikörpers Rituximab liegen bei etwa 24.000 €, nicht bei 134.280 € jährlich. Mehrere unabhängige Studien haben nachgewiesen, dass das Gesamtüberleben sowohl bei follikulärem Lymphom als auch diffus großzelligem Lymphom im Durchschnitt um mehrere Jahre (!) verlängert wird, und zwar ohne wesentliche Nebenwirkungen.

Zu betonen ist auch, dass ein wesentlicher Mechanismus, um den Sinn und Nutzen von neuen Medikamenten im Versorgungsalltag kritisch zu prüfen, Therapieoptimierungsstudien sind. Leider haben sich die administrativen Kosten dieser unabhängigen Forschung durch die gesetzlichen Vorgaben in den letzten Jahren um etwa den Faktor 10 erhöht. So wird die unabhängige klinische Forschung, für die die deutschen Studiengruppen zu den Leukämien und Lymphomen weltweit anerkannt sind, in Deutschland sehr verteuert und behindert. Für diese ungute Entwicklung ist vor allem die Politik verantwortlich.

Mit freundlichen Grüßen

Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.
Prof. Dr. Martin Dreyling (München)
Prof. Dr. Michael Hallek (Köln)
Dr. Birgit Fath (Köln)


Literaturhinweise

H. Schulz, J. F . Bohlius, S. Trelle, N. Skoetz, M. Reiser, T. Kober, G. Schwarzer, M. Herold, M. Dreyling, M. Hallek, A.: Immunochemotherapy With Rituximab and Overall Survival in Patients With Indolent or Mantle Cell Lymphoma: A Systematic Review and Meta-analysis. In: J Natl Cancer Inst 2007;99:706-14

P. Feugier, A. Van Hoof, C. Sebban, P. Solal-Celigny, R. Bouabdallah, C. Fermé, B. Christian, E. Lepage, H. Tilly, F. Morschhauser, P. Gaulard, G. Salles, A. Bosly, C. Gisselbrecht, F. Reyes, and B. Coiffier: Long-Term Results of the R-CHOP Study in the Treatment of Elderly Patients With Diffuse Large B-Cell Lymphoma: A Study by the Groupe d’Etude des Lymphomes de l’Adulte. In: J Clin Oncol 23:4117-4126.

Im Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. haben sich die führenden Lymphom-Studiengruppen und Versorgungseinrichtungen zusammengeschlossen. Die Kooperation trägt dazu bei, die Kommunikation und den Wissenstransfer zwischen Wissenschaftlern, Ärzten und Betroffenen zu verbessern und neue Ergebnisse aus der Forschung schnellstmöglich in die Patientenversorgung zu überführen. Auch Patienten und Selbsthilfeverbände sind eingebunden, so dass ihre Fragen und Bedürfnisse in die Gestaltung der Forschungsprojekte einfließen. Das Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. ist eines von inzwischen 21 Kompetenznetzen in der Medizin und wurde zwischen 1999 und 2009 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

 

Weitere Informationen

 

http://www.lymphome.de – Internetseiten des Kompetenznetzes Maligne Lymphome e.V.


Quelle: Kompetenznetzes Maligne Lymphome e.V., 07.06.2010 (tB).

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