Onkologie_aktuell

Bei Krebs kann eine Musiktherapie kurzfristig psychische Begleitsymptome und die Lebensqualität günstig beeinflussen

IQWiG-ThemenCheck Medizin:
Erster HTA-Bericht zu Bürgerfragen liegt vor

  • Finaler HTA-Bericht mit allgemein verständlicher Kurzfassung ist fertig
  • Musiktherapie kann Krebs-Patienten kurzzeitig entlasten


Köln (12. Juli 2019) -- Premiere beim „ThemenCheck Medizin“: Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat jetzt die erste finale Fassung eines Health-Technology-Assessments (kurz: HTA), dessen Thema auf einen Vorschlag aus der Bevölkerung zurückgeht, auf der Website des ThemenChecks Medizin veröffentlicht. Damit hat die erste Fragestellung, nämlich die nach den Effekten einer begleitenden Musiktherapie bei Krebs, das komplette Bewertungsverfahren durchlaufen. Erarbeitet wurde der Bericht im Auftrag des IQWiG durch österreichische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Anders als bei der Vorversion wird der finale Bericht ergänzt um eine allgemein verständliche Kurzfassung (HTA-Kompakt) sowie einen Herausgeber-Kommentar des IQWiG.

45. Münchener Fachpresse-Workshop

Zielgerichtete und chemotherapiefreie Regime
in der Senologie, gynäkologischen Onkologie und Hämatologie

München (25. Juni 2019) -- Neuigkeiten zu zielgerichteten onkologischen Therapien, die bei den diesjährigen Jahreskongressen der American Society of Clinical Oncology (ASCO) und der European Hematology Association (EHA) präsentiert worden waren, bildeten den thematischen Rahmen des 45. Münchener Fachpresse-Workshops. Bei jungen Frauen mit fortgeschrittenem Hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem Mammakarzinom ist die Kombination aus CDK4/6-Inhibition und endokriner Therapie die beste Option, berichtete Prof. Nadia Harbeck, München. So hatte die Ergänzung der endokrinen Therapie mit Ribociclib (Kisqali®) erstmalig zu einer signifikanten Verlängerung des Gesamtüberlebens in diesem Kollektiv geführt. Die PARP-Inhibition bildet derzeit das wichtigste Thema in der gynäkologischen Onkologie, konstatierte Dr. Klaus Pietzner, Berlin. Nachdem PARP-Inhibitoren wie Niraparib (Zejula®), Olaparib und Rucaparib in der Erhaltungstherapie des rezidivierten Ovarialkarzinoms zu noch nie beobachteten Verbesserungen des progressionsfreien Überlebens geführt hatten, werden die Substanzen nun als Erhaltungstherapie in der Erstlinie und in zahlreichen anderen Settings und Kombinationen geprüft. Der BCL-2-Inhibitor Venetoclax (Venclyxto®) führte in Kombination mit dem Anti-CD-20-Antikörper Obinutuzumab bei unbehandelten Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) zu einem signifikant längeren progressionsfreien Überleben sowie signifikant höheren Raten an kompletten Remissionen und MRD-Negativität im Vergleich zu Chlorambucil+Obinutuzumab. Weitere Studienkonzepte mit Venetoclax seien geplant, berichtete Prof. Clemens Wendtner, München.

genomic health logoOncotype DX Breast Recurrence Score® Test

Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) gibt positive Entscheidung über Erstattung bekannt

  • Ergebnisse der TAILORx-Studie haben IQWiG überzeugt – der Oncotype DX® wurde als einziger Test in die Regelversorgung aufgenommen

Köln (20. Juni 2019) – Genomic Health gab heute bekannt, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in der Plenarsitzung vom 20. Juni eine positive Erstattungsentscheidung (Link) für den Oncotype DX Breast Recurrence Score® Test getroffen hat. Den Test können alle Patientinnen mit primärem Hormonrezeptor-positivem, HER2/neu-negativem und nodal-negativem Mammakarzinom im Frühstadium in Anspruch nehmen, bei denen eine Entscheidung für oder gegen Chemotherapie alleine aufgrund der klinischen und pathologischen Parameter nicht möglich ist.

Aktuelles vom Amerikanischen Krebskongress 2019

Checkpoint-Inhibitor Tecentriq:
Verlängertes Überleben bei fortgeschrittenem triple-negativem Mammakarzinom und nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom mit Lebermetastasen

CLL14-Studie: Höchste Rate an MRD-Negativität aller bisheriger Studien

Düsseldorf (12. Juni 2019) -- Auf der 55. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO), die vom 31. Mai bis 4. Juni 2019 in Chicago, Ill./USA, stattfand, wurden insgesamt mehr als 150 Abstracts zu rund 17  (Prüf-)Substanzen von Roche zur Behandlung von 27 Krebsarten vorgestellt. Von besonderem Interesse waren dabei neue Daten zur Krebsimmuntherapie mit dem PD-L1-Inhibitor Tecentriq®▼ (Atezolizumab) bei Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem triple-negativem Mammakarzinom (mTNBC) sowie nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) mit Lebermetastasen. So zeigen die Daten der zweiten Interimsanalyse der Studie IMpassion130, dass Frauen mit PD-L1 IC-positivem mTNBC im Median sieben Monate länger überlebten, wenn sie eine Kombination aus Tecentriq und  Chemotherapie erhielten im Vergleich zu Patientinnen, die nur mit Chemotherapie behandelt wurden – das Mortalitätsrisiko sank um 29 %.1 Bei den als Hochrisikogruppe eingestuften NSCLC-Patienten mit  Lebermetastasen ergab eine Subgruppenanalyse der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie IMpower150 durch die Hinzunahme von Tecentriq zum bewährten Sandler-Schema eine Reduktion der Gesamtmortalität um 48 %.2

Aktuelles vom Krebskongress 2019

Personalisierte Medizin: Onkologische Forschung und Therapie weiterdenken 

Düsseldorf (11. Juni 2019) -- In der Onkologie setzt sich mehr und mehr der Gedanke durch, dass Krebs eine Erkrankung der Gene und weniger der betroffenen Organe ist. Diese Erkenntnis verändert die Forschung und wie Patientinnen und Patienten zukünftig behandelt werden können. Moderne Krebstherapien verfolgen daher einen entitätsübergreifenden Behandlungsansatz. Sie richten sich gegen die individuellen Angriffspunkte der Erkrankung, die für die Entstehung und das Wachstum des Tumors verantwortlich sind, wie beispielsweise die Prüfsubstanz Entrectinib bei NTRK-Fusions-positiven Tumoren. Auf der Jahrestagung der American Society for Clinical Oncology (ASCO) wurden neue Erkenntnisse aus diesem Feld vorgestellt. Inwiefern sich die Krebstherapie durch dieses Umdenken verändert und welche Auswirkungen dies auf die Forschung hat, diskutierten Experten im Rahmen einer Veranstaltung der Roche Pharma AG.

Vorteilen beim Gesamtüberleben stehen keine gravierenden Nachteile gegenüber

Nivolumab mit Ipilimumab:
Wirkstoffkombination hat Zusatznutzen bei fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom

Köln (15. Mai 2019) - Das Nierenzellkarzinom ist eine der Krebserkrankungen, bei denen das Spektrum der erfolgversprechenden Therapieoptionen in den letzten Jahren deutlich breiter geworden ist. Seit 2013 hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bereits mehrmals in frühen Nutzenbewertungen einem neuen Wirkstoff einen Zusatznutzen gegenüber der jeweiligen zweckmäßigen Vergleichstherapie attestieren können.

Aktualisierte CLL-Leitlinie

Breite Empfehlung von Ibrutinib für alle Patienten in der Erstlinientherapie

NEUSS (6. Mai 2019) – Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. (DGHO) hat Anfang April 2019 eine aktualisierte onkopedia-Leitlinie zur Therapie von Patienten mit Chronischer Lymphatischer Leukämie (CLL) veröffentlicht.1 Ausgangspunkt waren vor allem Ergebnisse aus mehreren aktuellen Phase-III-Studien, in denen Mediziner die verschiedenen Therapieansätze bei CLL direkt miteinander verglichen hatten. Wesentliche Neuerungen betreffen vor allem die Therapiestruktur in der CLL-Erstlinie. Zum einen rückt Imbruvica® (Ibrutinib) von Janssen in den Fokus als die Therapieempfehlung für alle Patienten, zum anderen wird der IgHV-Mutationsstatus jetzt als therapieentscheidender, prädiktiver Marker eingestuft.

Studie zeigt deutliche Verlangsamung der symptomatischen Progression

Apalutamid bei Prostatakarzinom:
Hinweis auf beträchtlichen Zusatznutzen

Köln (2. Mai 2019) - Profitieren erwachsene Männer mit nicht metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom, die ein hohes Risiko für die Entwicklung von Metastasen aufweisen, von einer Behandlung mit Apalutamid – oder tun sie besser daran, lediglich ihre konventionelle Androgendeprivationstherapie fortzusetzen? Dieser Frage ist das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einer frühen Nutzenbewertung nachgegangen. Die Analyse der Daten aus der noch laufenden randomisierten kontrollierten Studie SPARTAN ergab einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen des neuen Wirkstoffs.

Pankreaskarzinom

Bessere Überlebenschancen durch eine neoadjuvante Chemotherapie?

Würzburg (15. April 2019) - Einer japanischen Studie mit mehr als 350 Teilnehmern zufolge könnte eine präoperative Chemotherapie das Überleben von Patienten mit einem operablen Pankreaskarzinom verlängern. Bislang war die Prognose in diesem Stadium der Erkrankung trotz einer postoperativen bzw. adjuvanten Therapie eher ungünstig.

Keimzelltumoren/Hodenkrebs

Psychosoziale Belastung bei jungen höher als bei älteren betroffenen Männern

Würzburg (15. April 2019) - Männliche Heranwachsende und junge Männer – sogenannte AYAs (engl. adolescents and young adults) – mit Hodenkrebs leiden offenbar im Vergleich zu älteren Betroffenen deutlich mehr unter Ängsten, so die Ergebnisse einer Studie. Dies gilt besonders für emotionale und praktische Bereiche. Die jungen Patienten berichteten häufiger über Wut und Frustration, ebenso machten sie sich mehr Sorgen über Schule, Arbeit und Finanzen.

Studien-Update zu ALK-positivem NSCLC

Mit Alecensa fast 3 Jahre PFS unabhängig von EML4-ALK-Fusionsgenvariante

Grenzach-Wyhlen (12. April 2019) - Eine kürzlich im Journal of Thoracic Oncology veröffentlichte Subgruppenanalyse bestätigt die überlegene Effektivität von Alecensa® ▼ (Alectinib) bei ALK-positivem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC).1 Über alle untersuchten Subgruppen hinweg profitieren die Patienten davon,1 dass Alecensa in der First-Line-Therapie mit einem progressionsfreien Überleben (PFS) von 34,8 Monaten einhergeht.2 Dies erkennen auch nationale und internationale Leitlinien an: Die DGHO empfiehlt Alecensa als Standard für die First-Line-Behandlung.3 Die ESMO hat Alecensa in dieser Therapiesituation den höchsten Empfehlungsgrad (1,A) zugesprochen.4

Osteo-Onkologie

Osteoprotektive Substanzen:
Standard bei Knochenmetastasten, noch unterschätzt bei antihormonellen Therapien 

München (15. März 2019) -- Knochenmetastasen sind eine häufige Komplikation von Tumorerkrankungen, die die Lebensqualität der Patienten erheblich einschränken und das Gesamtüberleben von Tumorpatienten reduzieren können (1). Die Therapie erfolgt mit osteoprotektiven Substanzen wie Bisphosphonaten und dem RANK-Ligand-Inhibitor Denosumab (XGEVA®), der sich bei der Verzögerung skelettaler Komplikationen einer Bisphosphonattherapie überlegen gezeigt hat (2). Der Osteoprotektion kommt aber auch als Supportivtherapie bei antihormonellen Therapien beim Mamma- und beim Prostatakarzinom große Bedeutung zu, wie Prof. Ingo Diel, Mannheim, auf einem Fachpresse-Workshop zum Thema Osteo-Onkologie im Vorfeld des Jahreskongresses der Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie (AGSMO) betonte. So konnte Denosumab in osteologischer Dosierung (Prolia® 60 mg q6m) in der ABCSG-18-Studie bei Mammakarzinom-Patientinnen unter adjuvanter Aromatasehemmertherapie nicht nur die Zeit bis zum Auftreten einer Fraktur verlängern. Mittlerweile wurde auch eine Verlängerung des krankheitsfreien Überlebens beobachtet (17). Auch die Sprecherin der AGSMO, Prof. Petra Feyer, Berlin, die den Workshop moderierte, betonte die Bedeutung der Osteoprotektion als Teil der onkologischen Supportivtherapie: „Ich freue mich, dass die Osteoprotektion heute mehr in den Fokus von Onkologen und Gynäko-Onkologen gerückt ist.“

Deutsche Krebsgesellschaft (DKG)

Onkologische Leitlinien stehen ab sofort auch per App zur Verfügung

Berlin (5. März 2019) - Ärzte, die den unkomplizierten elektronischen Zugang zu den S3-Leitlinien des Leitlinienprogramms Onkologie suchen, können ab sofort auch eine App nutzen. Das App-Format sorgt dafür, dass S3-Leitlinien über mobile Endgeräte abrufbar sind und wurde im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) sowohl für iPhones als auch für Android-Smartphones entwickelt. Derzeit sind zwölf Leitlinien des Leitlinienprogramms Onkologie über die App verfügbar; weitere stehen in Kürze zum Abruf bereit.