OP-Barometer 2021:
Was macht Corona mit Pflegekräften im OP?

Ergebnisse der bundesweiten Befragung zur Arbeitssituation in der OP-Pflege

 

Frankfurt am Main (24. Juni 2021) — Durch die Corona-Pandemie sei der Krankenstand in der OP-Pflege deutlich gestiegen. Dennoch gaben Führungskräfte dieses Bereichs in der Befragung, die zwischen Februar und Mitte April 2021 durchgeführt wurde, an, dass sie die Krise weitestgehend gut überstanden hätten und sowohl fachlich als auch strukturell gut auf die Bewältigung der dritten Welle vorbereitet gewesen seien. Dies sind drei zentrale Aussagen des OP-Barometers 2021. Die bundesweite Befragung, die bereits zum achten Mal stattfand, gilt – mit in diesem Durchgang 140 befragten OP-Abteilungen – als größte dieser Art in Deutschland. Durchgeführt wird sie alle zwei Jahre vom Zentrum für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), 2021 erstmals in Kooperation mit der Oberender AG. Wurden in den vorherigen OP-Barometern alle OP- und Anästhesie-Pflegekräfte im OP-Bereich befragt, so richtete sich die Befragung aus aktuellem Anlass ausschließlich an Führungskräfte.

Rund 8 bis 10 % der relevanten Krankenhäuser, die über eine OP-Abteilung verfügen, haben an der Befragung teilgenommen. 37 % der Befragten fungierten als Leitungen in der OP-Pflege, 24 % in der Anästhesie-Pflege und 39 % als Gesamtleitungen. Während über 90 % der Befragten angaben, die erste Corona-Welle mit ihren Mitarbeitenden gut überstanden zu haben und auch hoch motiviert waren, ist dieser Wert im Verlauf der Krise auf etwas über 60 % gesunken. Ausschlaggebend hierfür dürfte die Angst um die eigene Gesundheit (bei mehr als 43 %), ein von 20,5 % der Befragten prognostizierter erhöhter Krankenstand sowie eine geschätzte Kündigungsquote von ca. 13 % sein. „Diese Zahlen gewinnen im Vergleich zum OP-Barometer 2019 zusätzlich an Bedeutung: Vor der Corona-Pandemie gaben bereits mehr als 63 % einen hohen Krankenstand an und 46 % beklagten eine große Fluktuation bei OP-Pflegekräften,“ betont Gesundheitsökonom Prof. Thomas Busse, Professor für Pflegemanagement sowie Geschäftsführender Direktor des ZGWR.

6,6 % der Befragten gaben an, dass sich Mitarbeitende ihrer Einrichtung mit dem Coronavirus infiziert hatten. Ob dies direkt am Arbeitsplatz oder in einem anderen Umfeld passiert sei, konnte durch die Befragung nicht erhoben werden. „Erfreulich scheint, dass die Corona-Krise den berufsgruppenspezifischen Zusammenhalt bei mehr als 55 % der befragten Pflegekräfte gestärkt hat“, so Busse. Auch erwarten 51,6 % bessere Arbeitsbedingungen nach der Corona-Krise, 74,5 % zudem einen finanziellen Bonus für ihr Engagement. „Ein ‚Weiter so‘ wird und darf es nach der Corona-Krise auch in dem so wichtigen Pflegebereich nicht geben,“ mahnt Busse und fordert grundlegende Verbesserungen der Arbeitsbedingungen von Pflegekräften in den OP-Bereichen ein. „Mit einmaligen Bonus-Zahlungen ist es nicht getan,“ sind sich die Initiatoren der Studie einig.

80,3 % der Teilnehmenden gaben zudem an, dass in ihrer Einrichtung während der ersten Corona-Welle elektive Operationen, also Eingriffe, die nicht dringend notwendig sind, abgesagt wurden – im Vergleich hierzu habe sich die Situation im Verlauf der Pandemie verbessert: Zum Zeitpunkt der Befragung gaben 63,9 % der Teilnehmenden an, dass elektive Operationen wieder wie gewohnt stattfinden können. Die befragten Führungskräfte gaben außerdem an, dass sie sowohl fachlich (84,4 %) als auch strukturell (75,4 %) auf die Bewältigung der dritten Welle vorbereitet gewesen seien.

Bei Fragen und für Hintergrundinformationen zum OP-Barometer 2021 sowie für Interviews und Statements rund um das Thema steht Prof. Busse gerne zur Verfügung. Die Ergebnisse früherer OP-Barometer können unter www.frankfurt-university.de/op-barometer abgerufen werden.

 

 

Zentrum für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR)

Das Zentrum für Gesundheitswirtschaft und -recht (ZGWR) bündelt die Kompetenzen der Frankfurt University of Applied Sciences auf den Gebieten Gesundheitswirtschaft, Gesundheitsökonomie und Gesundheitsrecht und dient als Plattform für die interdisziplinäre, fachbereichsübergreifende Kooperation. Das wissenschaftliche Zentrum wurde 2009 im Zusammenwirken der Fachbereiche Wirtschaft und Recht sowie Soziale Arbeit und Gesundheit gegründet.

 

 

 


Quelle: Frankfurt University of Applied Sciences, 24.06.2021 (tB).

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