Aktionsbündnis Osteoporose

Osteoporose – zu selten diagnostiziert und behandelt

 

Berlin (7. September 2020) — Schätzungsweise 6,3 Millionen Menschen in Deutschland sind an Osteoporose erkrankt. Die Zahl der Neuerkrankungen liegt bei 885.000 pro Jahr.1 Und doch ist die Volkskrankheit Osteoporose ein Beispiel für eine unterdiagnostizierte und untertherapierte Erkrankung2: Beispielsweise wird nur jeder fünfte Betroffene angemessen behandelt.1 Mit der Kampagne KNOCHEN.STARK.MACHER. und der provokativen Frage „Sind wir noch ganz dicht?“ setzt sich das Aktionsbündnis Osteoporose dafür ein, die Versorgungsstrukturen für Menschen mit Osteoporose zu verbessern und Aufmerksamkeit für die Erkrankung zu schaffen. Die Kampagne wird von medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, medizinischen Wissensplattformen, Selbsthilfegruppen, medizinischen Laboren, Frauennetzwerken im Gesundheitswesen und weltweit tätigen Unternehmen aus der Biotechnologie und Biopharmazie unterstützt.

 

Fragilitätsfrakturen haben weitreichende Folgen

Jedes Jahr erleiden 765.000 Menschen in Deutschland Osteoporose-bedingte Knochenbrüche.3 Für die Betroffenen hat das weitreichende Folgen: Die Knochenbrüche führen bei Frauen und Männern zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität.4 Grund dafür sind akute und chronische Schmerzen sowie Beeinträchtigungen in der Lebensführung. Bei erwerbstätigen Patientinnen und Patienten führten Fragilitätsfrakturen im Jahr 2017 zu insgesamt 1,38 Millionen Krankheitstagen.5 Präventionsmaßnahmen wie eine aktive Lebensweise, gesunde Ernährung und die Verringerung von Sturzgefahren sowie eine leitlinienkonforme Therapie könnten dazu beitragen, Kosten im Gesundheitswesen einzusparen und die Lebensqualität von Menschen mit Osteoporose zu verbessern.

Doch sowohl die Verordnung von Osteoporose-Medikamenten als auch die Häufigkeit von Knochendichte-Messungen ist geringer als es bei einer Versorgung gemäß der aktuellen S3-Leitlinie zu erwarten wäre.6 Die Basisdiagnostik umfasst eine ausführliche Anamnese, die körperliche Untersuchung und eine Osteodensitometrie (Knochendichtemessung), die dazu beiträgt, dass das Risiko für Knochenbrüche und die Notwendigkeit einer medikamentösen Therapie beurteilt werden kann. Bestätigt sich der Verdacht einer niedrigen Knochendichte, runden Laborwerte und eine Röntgenuntersuchung des Skeletts die Diagnostik ab.7 Je nach individueller Situation des Betroffenen basiert die Therapie auf der Prophylaxe von Frakturen, der ausreichenden Versorgung mit Vitamin D und Kalzium, Medikamenten, die den Knochenabbau oder -aufbau beeinflussen und Lebensstilmaßnahmen wie ausreichender Bewegung. Mitentscheidend für den Erfolg: Die Therapietreue der Patienten, auch zu Corona-Zeiten, in denen gerade ältere Patientinnen und Patienten Besuche beim Arzt oder in der Apotheke vermeiden.

 

Ziele der Kampagne KNOCHEN.STARK.MACHER.

Die Kampagne KNOCHEN.STARK.MACHER. rückt die dramatische medizinische Unterversorgung der Menschen mit Osteoporose in Deutschland ins Blickfeld der Gesellschaft. Ziel der Kampagne ist, dass Osteoporose in der politischen Öffentlichkeit als ernstzunehmende Erkrankung mit hohem Handlungsbedarf wahrgenommen wird. Es müssen im Gesundheitssystem mit politischer Unterstützung die Weichen für mehr Prävention und Früherkennung gestellt werden. Das im Januar 2020 beschlossene Disease-Management-Programm (DMP) Osteoporose ist ein Schritt in diese Richtung. Das DMP muss nun rasch implementiert und den Betroffenen mit Osteoporose zur Verfügung gestellt werden.8,9 Darüber hinaus sollte ein möglicher Antrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Bewertung des systematischen Screenings angenommen und positiv diskutiert werden.

 

Abb.: Unterstützung aus Politik und Medizin: Die Schirmherrschaft der Eröffnungsveranstaltung übernahmen Sabine Weiss, MdB und Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit (Mitte) und Alexander Krauß, MdB und Mitglied des Gesundheitsausschusses (li.). Wissenschaftlicher Schirmherr der Kampagne KNOCHEN.STARK.MACHER. ist Professor Dr. med. Andreas Kurth, Erster Vorsitzender des Vorstands des Dachverbands Osteologie e. V. (DVO). Copyright: Aktionsbündnis Osteoporose / Per Florian Appelgren

 

Literatur

  1. Hadji P et al. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(4): 52-7; DOI: 10.3238/arztebl.2013.0052.
  2. Gosch M et al. Z Gerontol Geriat 2019; 52: 408–413; DOI: 10.1007/s00391-019-01559-7
  3. https://www.iofbonehealth.org/facts-statistics#category-22 (zuletzt abgerufen am 27.07.2020)
  4. DVO-Leitlinie 2017 zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern; abgerufen unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/183-001l_S3_Osteoporose-Prophylaxe-Diagnostik-Therapie_2019-02.pdf (Stand: 21.02.2019), S. 9.
  5. International Osteoporosis Foundation. http://share.iofbonehealth.org/EU-6Material/Reports/IOF%20Report_GERMAN_DIGITAL_DE.pdf (zuletzt abgerufen am 14.07.2020).
  6. Häussler B et al. Bone Evaluation Study (BEST) – Versorgung und Kosten. In: 10. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung. 18. GAA Jahrestagung. Köln, 20.22.10.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11dkvf034. DOI: 10.3205/11dkvf034.
  7. DVO-Leitlinie 2017 zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern; abgerufen unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/183-001l_S3_Osteoporose-Prophylaxe-Diagnostik-Therapie_2019-02.pdf (Stand: 21.02.2019).
  8. https://www.g-ba.de/themen/disease-management-programme/ (zuletzt abgerufen am 23.07.2020)
  9. https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen/839/  (zuletzt abgerufen am 23.07.2020)

 

 


Quelle: Auftaktveranstaltung de Aktionsbündnisses Osteoporose am 07.10.2020 in Berlin (tB).

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