Parenterale Ernährung in der Intensivmedizin

Tägliche Supplementation von Mikronährstoffen dringend empfohlen

Unterschleißheim / Bremen (12. April 2016) – Am Rande des diesjährigen intensivmedizinischen Kongresses in Bremen diskutierten am 25. Februar 2016 Experten über Proteine und Mikronährstoffe bei der parenteralen Ernährung in der Intensivmedizin. Intensivpatienten haben in der Regel einen deutlich höheren indikationsabhängigen Bedarf an Nährstoffen. Dieser muss adäquat gedeckt, mögliche hohe Verluste durch entsprechende Supplementation frühzeitig ausgeglichen und ein bereits vorliegender Mangel behoben werden.

Die Vorträge der drei Referenten machten jedoch deutlich, dass die Zugabe von Proteinen und Mikronährstoffen in der Intensivmedizin sehr unterschiedlich bewertet und gehandhabt wird. Und dies, obwohl Studien aufzeigen, dass die hohe Proteingabe bei kritisch-kranken Patienten, die nicht septisch und nicht überalimentiert sind, die Mortalität senken kann. Professor Georg Kreymann, Hamburg, plädierte im Rahmen der von ihm vorgestellten Weijs-Studie1 dafür, kritisch-kranke Patienten sehr individuell zu behandeln und die frühe supplementierende parenterale Ernährung an die Bedürfnisse des kritisch-kranken Patienten anzupassen.

Dass der gänzliche Verzicht auf Mikronährstoffe in den ersten Tagen der parenteralen Ernährung problematisch ist, da sehr viele Patienten, die intensivmedizinisch betreut werden müssen, schon von Haus aus einen Mikronährstoffmangel mitbringen, veranschaulichte Dr. Markus Zieglmeier, München-Bogenhausen. „Auch bei supplementierender parenteraler Ernährung, die die enterale Ernährung unterstützt, muss daran gedacht werden, Mikronährstoffe zu geben“, so Zieglmeier. Die Mikronährstoffversorgung über enterale Ernährung reiche nur dann aus, wenn sie vollständig gegeben werden kann – in diesem Fall bräuchte man aber auch nicht parenteral zu ernähren. Um die aktuelle Situation im eigenen Krankenhaus zu ermitteln, empfiehlt er, die Mengen der verordneten Makronährstoffe den verabreichten Mikronährstoffen gegenüber zu stellen. So könne man die Tagesdosen miteinander vergleichen und die tatsächliche Supplementationsrate bestimmen. Zieglmeier warnte davor, den Verzicht auf Mikronährstoffe in den ersten Tagen der parenteralen Ernährung als Sparpotential zu verstehen: Sollte durch weglassen der Mikronährstoffe ein klinisches Mangelbild auftreten, so wird dies von den Gerichten als ärztlicher Behandlungsfehler gewertet und entsprechend geahndet. Die Dokumentation des Zuspritzens der Mikronährstoffe von Anfang an ist daher unerlässlich.

Unverständnis zeigte Dr. Peter Zaar, Sindelfingen-Böblingen, über die unterschiedlichen Empfehlungen: Bei Enteralia gibt es eine gesetzliche Diätverordnung aus dem Jahre 2005, die die Spanne des Gehalts von Mikronährstoffen genau definiert. Bei Parenteralia, die nicht unter diese Verordnung fallen, sondern als Medikament zugelassen werden müssen, ist dies nicht der Fall. Hier wird erst nach sieben Tagen der parenteralen Ernährung von den entsprechenden Leitlinien der Fachgesellschaft eine obligate Supplementation der Mikronährstoffe dringend empfohlen. Die Evidenzlage für jedwede Empfehlung für Mikronährstoffe in der künstlichen Ernährung ist aufgrund mangelnder Datenlage gering. „Es ist jedoch aus Plausibilitätsgründen nicht einzusehen, dass parenterale Ernährung eher ohne Mikronährstoffe auskommt als enterale Ernährung, die per Order entsprechend geregelt ist“, so Zaar. Der tatsächliche Mikronährstoffbedarf kritisch kranker Patienten sei weitgehend unbekannt, es gebe jedoch viele Hinweise, dass insbesondere manche antioxidativ wirkende Vitamine und Spurenelemente wie etwa Zink und Selen, in deutlich erhöhter Dosis positive Wirkungen entfalten2.


Über Baxter Deutschland GmbH

Baxter bietet ein breites Portfolio an lebenswichtigen Arzneimitteln und Medizinprodukten an. Diese umfassen die Akut Dialyse sowie Heim- und Zentrumsdialyse, sterile intravenöse (IV) Lösungen, Infusionssysteme und -geräte, Zytostatika, Parenterale Ernährung, Biomaterialien für die Chirurgie und Anästhetika; zusätzlich Automatisierungs-Software und Geräte sowie Dienstleistungen für die Apotheke. Die globale Präsenz von Baxter und die lebenserhaltenden und -rettenden Eigenschaften seiner Produkte und Therapien spielen eine bedeutende Rolle dabei, den Zugang zur Gesundheitsversorgung weltweit zu verbessern.


Literaturverweise

  1. Weijs, P. J., Looijaard, W. G., Beishuizen, A., Girbes, A. R., & Oudemans-van Straaten, H. M. (2014). Early high protein intake is associated with low mortality and energy overfeeding with high mortality in non-septic mechanically ventilated critically ill patients. Critical Care, 18(6), 1-10.
  2. Pierre, J. F., Heneghan, A. F., Lawson, C. M., Wischmeyer, P. E., Kozar, R. A., & Kudsk, K. A. (2013). Pharmaconutrition Review Physiological Mechanisms. Journal of Parenteral and Enteral Nutrition, 37(5 suppl), 51S-65S.


Quelle: Baxter Deutschland, 12.04.2016 (tB).

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