Parkinson: ja oder nein?

Meilenstein in der Diagnose zweier seltener Erkrankungen

 

Berlin (12. Februar 2009) – Erstmals liegen für zwei neurodegenerativen Erkrankungen eindeutige diagnostische Kriterien vor: für die Multisystematrophie (MSA) und die progressive supranukleäre Blickparese (PSP), zwei seltene Varianten des Parkinson-Syndroms. Eine internationale Forschergruppe veröffentlichte jetzt die Ergebnisse der NNIPPS-Studie im Fachjournal „Brain“ [1].

„Mit der NNIPPS-Studie verfügen wir über den bislang größten Datensatz zu diesen beiden häufig vergessenen Krankheiten“, erklärt der deutsche Studienleiter Prof. Albert Christian Ludolph, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Ulm. Jeweils etwa 10.000 Patienten leiden in Deutschland unter PSP oder MSA.

 

Die placebokontrollierte, doppelblinde, randomisierte Untersuchung mit einer durchschnittlichen Follow-up-Dauer von 36 Monaten schloss 760 Patienten (362 PSA-Patienten, 398 MSA-Patienten) aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien ein. Für die schwierig zu diagnostizierenden Erkrankungen stehen Ärzten dank der NNIPPS-Studie nun erstmals klare Kriterien zur Erfassung potenziell betroffener Patienten zur Verfügung.

 

Die beteiligte Forschergruppe entwickelte damit einfache Selektionskriterien für jede der beiden Erkrankungen. „Ärzte können künftig mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent bereits in einem frühen Krankheitsstadium eine sichere Diagnose stellen. Das ist ein Riesenfortschritt, unser Wissen um die Krankheiten ist dadurch enorm gewachsen“, erklärt Studienleiter Ludolph. „Selbst für erfahrene Ärzte war es bislang schwierig, PSP und MSA von der Parkinson-Krankheit zu unterscheiden. Die NNIPPS-Ergebnisse werden sicher in die Leitlinien einfließen“, sagt Prof. Günther Deuschl, Direktor der Universitätsklinik in Kiel und 2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Ein weiteres Anliegen der Studiengruppe war es, die Effektivität des Wirkstoffs Riluzol, eines Glutamat-Antagonisten, zu testen. Dessen Wirksamkeit ist bereits seit einigen Jahren in der Therapie der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) belegt. Die NNIPPS-Studie konnte erstmals eindeutig zeigen, dass Riluzol keinen signifikanten Effekt auf die Überlebensrate oder das funktionelle Outcome von PSP und MSA hat.

Auf der Grundlage dieser aktuellen NNIPPS-Studie sind jetzt weitere Arbeiten geplant, die eine Therapie der beiden neurodegenerativen Erkrankungen, deren mittlere Überlebensdauer fünf bis zehn Jahre beträgt, verbessern sollen.

Die Studie lieferte den bislang größten Datensatz zu den beiden seltenen Erkrankungen PSP und MSA. International arbeiteten mehr als 400 Wissenschaftler in mehr als 50 Zentren an der Untersuchung mit. Für das Monitoring und die Sicherstellung der Datenqualität wurden 300.000 Datenfelder und 38.300 Seiten pro Besuch (= ein Untersuchungsdurchgang mit allen 760 Patienten) ausgefüllt. Mit dieser Datenbasis können nun weitere Arbeiten zur longitudinalen Bildgebung, Genetik, Neuropathologie, Neuropsychologie und Gesundheitsökonomie dieser Erkrankungen durchgeführt werden.

[1] Bensimon, G.  Ludolph, A., Agid, Y., Vidailhet, M., Payan, C., Leigh, P.N. for the NNIPPS Study Group: Riluzole treatment, survival and diagnostic criteria in Parkinson plus disorders: The NNIPPS Study. Brain 2009: 132; 156-171.

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) vom 12.02.2009.

MEDICAL NEWS

New guidance to prevent the tragedy of unrecognized esophageal intubation
Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Menschen mit Diabetes während der Corona-Pandemie unterversorgt? Studie zeigt auffällige…
Suliqua® zur Therapieoptimierung bei unzureichender BOT
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…

ERNÄHRUNG

Gesunde Ernährung: „Nicht das Salz und nicht das Fett verteufeln“
Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?

ONKOLOGIE

Nahrungsergänzungsmittel während der Krebstherapie: Es braucht mehr Bewusstsein für mögliche…
Fusobakterien und Krebs
Fortgeschrittenes Zervixkarzinom: Pembrolizumab verlängert Leben
Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Analysen aus Münster erhärten Verdacht gegen das Epstein-Barr-Virus
Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…