Potenzial ergänzender Therapien beim fortgeschrittenen M. Parkinson

Mit Safinamid motorische und nichtmotorische Symptomatik bessern

Berlin/Stuttgart (7. Oktober 2019) – Da die Standardtherapien zu Behandlung des M. Parkinson im Verlauf der Erkrankung häufig an ihre Grenzen stoßen, stellt sich früher oder später die Frage, mit welchen additiven Behandlungsformen sich weitere Verbesserungen für die Patienten erzielen lassen. Angestrebt wird dabei eine Beeinflussung nicht nur motorischer, sondern auch nichtmotorischer Beschwerden wie z.B. Schmerzen und Depressivität. Gute Erfahrungen werden seit einigen Jahren mit der Gabe von Safinamid (Xadago®) als Add-on gemacht, berichteten Experten auf einem von Zambon unterstützten Symposium im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Die dual wirksame Substanz mit ihrem gleichzeitig dopaminergen und glutamatergen Ansatz bietet Chancen zur Besserung unterschiedlichster Symptome im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung.


Seine Wirkung auf die motorischen Funktionen von Parkinson-Patienten, insbesondere im Hinblick auf die Verkürzung der Off-Zeit, hat Safinamid bereits in mehreren klinischen Studien unter Beweis gestellt, berichtete Prof. Dr. Karla Eggert, Marburg.(1,2) Die gute Performance des Wirkstoffs unterstreicht auch ein von der Neurologin vorgestellter Vergleich mit Studiendaten von verschiedenen weiteren Add-on-Medikamenten. Mit einer Reduktion der Off-Zeit von gut einer Stunde belegt Safinamid einen der vorderen Plätze.(2,3,4,5,6)


Besserung von Schmerzen und Depressionen

Die motorische Symptomatik ist allerdings nicht alles bei der Parkinson-Erkrankung, wie Eggert erinnerte. Die Patienten leiden im Verlauf zunehmend unter Schmerzen, Depressionen und autonomen Störungen, die ihre Lebensqualität oft maßgeblich beeinträchtigen. Hier können mit Safinamid aufgrund der antiglutamatergen Wirkkomponente positive Wirkungen erzielt werden. „Das glutamaterge System hat bekanntlich einen Anteil an der Entwicklung von Depressionen und antiglutamaterg wirksame Substanzen können einen Effekt auf depressive Symptome haben“, erläuterte die Neurologin. Entsprechend zeigte Safinamid in Post-hoc-Auswertungen der Studien 016 und 018 innerhalb von 6 Monaten eine signifikante Verbesserung des Scores für „emotionales Wohlbefinden“ des Parkinson Disease Questionnaire (PDQ)-39 im Vergleich zu Placebo gegenüber Baseline (p=0,0067).(7) Dieser Effekt blieb über 2 Jahre anhaltend signifikant. Auch im Hinblick auf das Schmerzgeschehen kann der antiglutamaterge Effekt von Safinamid von Vorteil sein, wie weitere Post-hoc-Untersuchungen zeigen. Bei Auswertungen der Studien 016 und SETTLE zeigten sich in der Safinamid-Gruppe im Vergleich zu Placebo signifikante Verbesserungen in 2 von 3 der spezifischen Domänen für “körperliche Beschwerden“ des PDQ-39-Fragebogens, der sich sowohl auf muskuloskeletale, dystone als auch auf neuropathische Schmerzen bezieht.(8) Auch im 2-Jahres-Vergleich der Studie 018 zeigte sich diese Überlegenheit des Wirkstoffs gegenüber Plazebo, zudem konnte gezeigt werden, dass die Patienten unter Safinamid weniger Schmerzmittel benötigten als in der Placebogruppe.(9)


Einsparen von Levodopa und verbesserter Schlaf

Dass eine Add-on-Therapie mit Safinamid weitere vorteilhafte Effekte für die Patienten haben kann, ergibt sich aus einer Reihe neuerer Studien, die von Prof. Dr. Heinz Reichmann, Dresden, vorgestellt wurden. So konnte eine in Mailand durchgeführte Studie, die 91 Patienten mit M. Parkinson über 6-8 Monate beobachtete, neben einer guten Wirkung auf die Motorik zeigen, dass unter Safinamid Levodopa eingespart werden kann.(10) „Das ist ein guter Effekt, da wir dann ein geringeres Dyskinesie-Potenzial haben“, kommentierte Reichmann. Auch bei einer Untergruppe aus 21 Patienten, die von Rasagilin oder Selegilin auf Safinamid umgestellt worden waren, konnten Verbesserungen im Sinne einer verkürzten Off-Zeit, einem Rückgang von Dyskinesien und weniger Levodopa-Bedarf erzielt werden. „Selbst wenn die Fallzahl gering war, deutet sich hier an, dass Patienten, die unter ihrer bisherigen Medikation nicht mehr zufrieden sind, durch eine Umstellung auf Safinamid eine Chance auf Verbesserung ihrer Symptomatik haben können“, so Reichmann.

Untersucht wurde inzwischen auch die Wirkung von Safinamid auf die Schlafqualität und die Tagesmüdigkeit, von der Parkinson-Patienten nicht selten betroffen sind. Bei 61 fluktuierenden Patienten, die zusätzlich zu ihrer bisherigen Medikation Safinamid oder Rasagilin zeigte sich in einer Studie, dass die Safinamid-Gabe zu einer stärkeren Verbesserung des subjektiven Schlafs und einer geringeren Tagesmüdigkeit führte als unter dem Vergleichsmedikament.(11) „Ähnliches haben mir Patienten in der Praxis berichtet, die sich nach additiver Gabe von Safinamid tagsüber leistungsfähiger fühlten und nicht mehr so häufig zum Einnicken neigten“, berichtete Reichmann. In der Summe zeigen diese Studien laut Reichmann, dass eine Behandlung mit Safinamid Patienten ein vielfältiges Potenzial an Verbesserungen motorischer und nichtmotorischer Funktionen bieten kann.


Mit aktivierenden Therapien zu mehr Beweglichkeit

Neben der medikamentösen Therapie gibt es auch verschiedene Verfahren, bei denen mit körperlicher Aktivierung eine Besserung der Parkinson-Symptomatik erreicht werden kann. Wie Prof. Dr. Georg Ebersbach, Beelitz-Heilstätten, berichtete, werden gute Erfolge mit dem „Cueing“ erzielt, bei dem Patienten Bewegungen mit Hilfe bestimmter Signale initiieren. Dabei ermöglichen es z. B. Streifen oder Lichtsignale auf dem Fußboden, aber auch akustische Signale, dass der Patient eine Schrittfolge starten und mit normaler Schrittlänge beibehalten kann. Ein weiterer Ansatz ist es, defizitäre Funktionen zu trainieren. Beispielsweise lassen sich durch spezielle Übungen mit dem Patienten wirksam Ausfallschritte trainieren, so dass die posturale Instabilität gebessert und möglichen Stürzen entgegengewirkt wird. Auch Tai Chi kann helfen, Stürze zu vermeiden. Bezüglich nicht-motorischer Symptome zeigt eine neue Studie, dass durch Yoga ein Rückgang von Angst und Depressivität erreicht werden kann.(12) „Generell gilt für alle aktivierenden Therapien, dass ein häufiges und intensives körperliches Training mehr bringt als eine geringere Trainingsintensität“, so Ebersbach. „Wichtig für den Erfolg ist aber auch, dass der Patient eine Trainingsform findet, an der er dauerhaft Spaß hat“. 


 
 Pressegrafik Zambon Potential der Therapie der Parkinson Krankheit mit Safinamid
 

 

 

Literatur

  1. Borgohain R et al. Mov Disord 2014;29:229-237
  2. Borgohain R et al. Mov Disord 2014;29:1273-80
  3. Ferreira JJ et al. Lancet Neurol 2016;15:154–165
  4. Lees AJ, Ferreira J, Rascol O, et al. JAMA Neurol 2017; 74: 197–206
  5. Rascol O et al. Lancet. 2005 Mar 12-18;365(9463):947-54
  6. Schapira AH et al. JAMA Neurol. 2017; 74(2): 216-224
  7. Cattaneo C et al. J Parkinsons Dis 2017;7:629-34
  8. Cattaneo C et al. J Parkinsons Dis 2017;7:95-101
  9. Cattaneo C et al. Adv Ther 2018;35(4):515-522
  10. Mancini F et al. Neurol Sci 2018;39(4):733-39
  11. Liguori C et al. Parkinsonism Relat Disord 2018;57:80-81
  12. Kwok Y et al. JAMA Neurol.2019;7(7):755-763

 
 
Über Xadago® (Safinamid)
 
Safinamid ist ein neuer chemischer Wirkstoff mit einem einzigartigen Wirkmechanismus, der zugleich dopaminerge und nicht-dopaminerge Systeme beeinflusst. Einerseits sorgt der Wirkstoff für eine selektive und reversible Hemmung der Monoaminooxidase B (MAO-B) und verlängert somit die dopaminerge Wirkung, andererseits kommt es durch die Blockade der spannungsabhängigen Natrium- und Kalziumkanäle zu einer Hemmung der Glutamatausschüttung. Klinische Studien haben bestätigt, dass Safinamid eine ausgewogene Kontrolle sowohl nichtmotorischer und motorischer Symptome als auch motorischer Komplikationen ermöglicht, die auch langfristig (über 2 Jahre) anhält. Die Ergebnisse aus einer langfristigen doppelblinden, placebokontrollierten Studie über 24 Monate zeigen, dass Safinamid eine signifikante Wirkung auf die motorischen Fluktuationen (ON-/OFF-Zeit) hat, ohne das Risiko für Dyskinesien zu erhöhen. Dieser positive Effekt beruht auf dem dualen Wirkmechanismus, der sowohl dopaminerge als auch glutamaterge Systeme beeinflusst. Safinamid ist sicher und gut verträglich, hat ein geringes Nebenwirkungsprofil und ist einfach anwendbar durch eine einmalige tägliche Dosierung, keine Anpassung der L-Dopa-Dosis, keine bedeutsamen Arzneimittelwechselwirkungen und es müssen aufgrund seiner hohen MAO-B/MAO-A-Selektivität keine diätetischen Einschränkungen beachtet werden. Xadago® wurde 2017 von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) in den USA zugelassen. Im November 2015 erhielt Zambon von Swissmedic die Zulassung von Xadago® für die Schweiz. Zambon hat die Rechte zur weltweiten Entwicklung und Vermarktung von Xadago®, mit Ausnahme von Japan und anderen asiatischen Schlüsselregionen, wo Meiji Seika die Rechte zur Entwicklung und Vermarktung des Wirkstoffs besitzt.
 
 
Über die Parkinson-Krankheit
 
Die Parkinson-Krankheit ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste chronische progressive neurodegenerative Störung im Alter, die 1-2% der weltweiten Bevölkerung ≥ 65 betrifft. Die Prävalenz wird voraussichtlich in den nächsten Jahren aufgrund der Zunahme der Weltbevölkerung und Fortschritten in der Gesundheitsversorgung weiter wachsen, da diese Faktoren zu einer Alterung der Bevölkerung und somit zu einem erhöhten Risiko für die Parkinson-Krankheit (PD) beitragen. Die Diagnose von PD geschieht im Wesentlichen anhand der Leitsymptome Muskelsteifigkeit (Rigor), Zittern (Tremor), sowie Haltungsinstabilität und Bewegungsverlangsamung (Bradykinesie). Schreitet die Krankheit fort, werden die Symptome gravierender. Patienten im frühen Stadium können leichter mit Levodopa versorgt werden. Levodopa bleibt die effektivste Behandlungsmöglichkeit bei Parkinson und über 75% der Patienten, die an der Parkinson-Krankheit leiden, werden mit Levodopa behandelt. Dennoch führt eine längerfristige Behandlung mit Levodopa zu ernsthaft einschränkenden motorischen Fluktuationen, Phasen der normalen Bewegungsfunktion (ON-Zeit) und Phasen beeinträchtigter Bewegungsfunktion (OFF-Zeit). Des Weiteren erfahren viele Patienten durch die hoch dosierte Medikation mit Levodopa bei fortschreitender Krankheit unwillkürliche Bewegungen, die als Levodopa induzierte Dyskinesien (LID) bekannt sind. Bei fortschreitender Krankheit werden zusätzlich zu den bereits verordneten weitere Medikamente eingenommen, der Fokus liegt dabei auf der Behandlung der Symptome sowie der Einschränkung von LID und „OFF-Zeit“-Effekten von Levodopa. Aktuelle Therapien zielen auf das dopaminerge System, welches in die Pathogenese der Parkinson-Krankheit involviert ist, und die meisten aktuellen Therapien wirken durch die Erhöhung der dopaminergen Übertragung, welche zu einer Verbesserung der motorischen Symptome führt. Es gibt zunehmende Erwartungen, dass eine Fokussierung auf die nicht-dopaminergen Systeme zu Verbesserungen der Parkinson-Symptome wie Dyskinesie, die von aktuellen dopaminergischen Therapien nicht verbessert werden, führt.
 
 
Über Zambon
 
Zambon ist ein führendes italienisches Pharma- und Feinchemikalien-Unternehmen, das sich über die Jahre eine große Reputation für qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen erworben hat. Zambon ist in drei therapeutischen Gebieten gut aufgestellt: Atemwegserkrankungen, Schmerzen und Frauenheilkunde. Zudem investiert Zambon maßgeblich in seinen Einstieg auf dem Gebiet des ZNS. Zambon S.p.A. bietet hochqualitative Produkte dank integrierter Produktionskette, die Zach (Zambon Chemicals), einen präferierten Partner für API, Auftragssynthese und Generikaproduktion, einschließt. Die Gruppe engagiert sich stark in der Therapie chronischer Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD und, über XadagoTM, in der Indikation Parkinson-Krankheit. Zambon ist in Mailand domiziliert und wurde 1906 in Vicenza gegründet. Das Unternehmen ist in 15 Ländern mit Tochtergesellschaften und mehr als 2.600 Arbeitnehmern vertreten, und verfügt über Fertigungsbetriebe in Italien, der Schweiz, Frankreich, China und Brasilien. Produkte von Zambon werden in 73 Ländern vertrieben.





Quelle: Zambon, 07.10.2019 (tB).